Honig in Königs Wusterhausen
: Das wahrscheinlich kleinste Geschäft in Brandenburg

In der Bahnhofstraße von Königs Wusterhausen verkaufen zwei Imker immer freitags ihren Honig. Die Bienen sammeln in Wildau und Bestensee Nektar. Lohnt sich das Geschäft?
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Der kleinste Laden Brandenburgs ist wahrscheinlich in der Bahnhofstraße Königs Wusterhausen. Auf weniger als einem Quadratmeter Fläche verkaufen Ulrich Schirmler und Carsten Kröning ihren Honig.

Der kleinste Laden in Brandenburg befindet sich wahrscheinlich in der Bahnhofstraße Königs Wusterhausen. Auf weniger als einem Quadratmeter Fläche verkaufen Carsten Kröning (links) und Ulrich Schirmler (rechts) ihren Honig.

Maria Häußler
  • In Königs Wusterhausen betreiben zwei Imker den kleinsten Laden Brandenburgs – unter 1 m² Fläche.
  • Freitags verkaufen Ulrich Schirmler und Carsten Kröning Honigprodukte aus Wildau und Bestensee.
  • Der Laden „Bee Boy's“ kostet 30 € Miete, dient aber als Hobby und wirft kaum Gewinn ab.
  • Herausforderungen: Varroamilben, Pestizide, Bienensterben und schwankende Honigpreise.
  • Kinder lernen vor Ort die Bedeutung von Bienen – Stadthonig gilt als besonders gesund.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Hinter einem Fenster in der Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen stapeln sich Gläser, Tuben, Flaschen und Kerzen. Wabenförmige Regale stellen Snacks, Seife und Salben aus. Die Grundlage für all diese Produkte stellen Honigbienen her, die in Wildau und Bestensee herumschwirren. An Freitagen zwischen 10 und 14 Uhr öffnet sich das Fenster des mikroskopisch kleinen Geschäfts „Bee Boy's“. Dann reicht Imker Ulrich Schirmler Honiggläser heraus und plaudert mit Kunden.

Sein Kollege Carsten Kröning ist mächtig stolz auf seine Bienenvölker. „Was die Bienen leisten, ist unglaublich“, sagt er. Gemeinsam mit Ulrich Schirmler betreibt er den kleinsten Laden der Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen. „Ich glaube sogar, das ist der kleinste Laden in ganz Brandenburg“, sagt Kröning. „Der hat ja nicht mal einen Quadratmeter.“

Ulrich Schirmler kann sich beim Verkauf gerade so umdrehen und das nächste Glas hervorholen. Mehr als vier Leute könnten nicht in dem Laden stehen. Das Fenster befindet sich zwischen einem fast genauso winzigen Asia-Imbiss und einem Schmuckgeschäft. 2017 haben die beiden den Laden vom Vorgänger übernommen. Im Fenster hängt noch ein verblichenes Foto von dem ehemaligen Besitzer und einem seiner Enkel. Dieser habe den Laden aus wirtschaftlichen Gründen und wegen des Alters abgegeben.

Bahnhofstraße Königs Wusterhausen: 30 Euro Miete monatlich

Schirmler und Kröning bezeichnen ihr Geschäft mit dem Honig als Hobby. „Wir leben davon nicht“, sagt Kröning, der hauptberuflich Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft in Wildau ist. „Eigentlich kostet es eher Geld.“ Die Ladenmiete beträgt zwar nur 30 Euro monatlich, aber das sind nicht die einzigen Kosten. Neben den Ausgaben für den winzigen Laden sei auch ein Raum zum Honigschleudern, Lagerfläche und der Kauf der Völker nötig. Dazu kommen die Arbeitsstunden und Kosten für Qualitätsprüfungen.

Kröning hat das Geschäft mit in Gang gebracht, inzwischen kümmert sich Ulrich Schirmler hauptsächlich um die Bienen und den Verkauf. Früher war der Laden auch dienstags geöffnet, also immer an Markttagen. Das lohne sich nicht mehr, deshalb verkauft Schirmler nun nur noch freitags. „Gesloten“, holländisch für „geschlossen“, steht die meiste Zeit der Woche im Fenster. Das habe keinen bestimmten Hintergrund, meint Schirmler, ihm habe das Wort einfach gefallen.

„Bis Ende August sollte man für die Bienen da sein“, sagt Schirmler. „Die netten Damen sind anfällig, wenn man sich nicht kümmert“, fügt Kröning hinzu. Viele Bienen seien gestorben. Die Varroamilbe ist die größte Bedrohung für Honigbienen. Die beiden haben noch zwölf Völker. Mehr Bienen zu halten, sei aber auch „nicht angebracht“. „Die Honigpreise sind im Keller“, sagt Schirmler. „Selbst renommierte Imker haben die Anzahl ihrer Völker heruntergefahren.“

Stadthonig aus Berlin ist der „gesündeste Honig“

Sieben Euro kostet ein Glas bei Bee Boy's. Schirmler und Kröning bieten Robinienhonig, Lindenhonig und Frühjahrsblüte an. Die Frühjahrsblüte gebe es aber nur, wenn die Obstbäume viele Blüten tragen. Auch Temperaturschwankungen im Winter machen den Bienen zu schaffen. Wenn sie fliegen, obwohl noch nichts wächst, verbrauchen sie Energie und sterben.

Viele Imker sind sich uneinig, wenn es um die Pflege und Haltung von Bienen geht. „Zehn Imker, zehn Meinungen“, sagt Kröning. Er sehe das locker, man müsse ja nicht immer die gleiche Meinung haben. „Wir müssen mehr mit der Natur leben“, sagt Kröning. Für ihn steht die Imkerei und das Wegnehmen des Honigs nicht im Widerspruch dazu. „Wenn man ordentlich mit der Biene umgeht und sie nicht zu Höchstleistungen missbraucht, finde ich das absolut okay.“ Schirmler hat den Bienen nun zum zweiten Mal den letzten Honig für den Winter gelassen, damit sie weniger anfällig sind, erzählt er.

Ein Problem sei, dass die Leute Unkraut entfernen und den Rasen zu häufig mähen, sagt Schirmler. „Zu jedem Kraut gibt es eine Wildbiene.“ Auch Honigbienen haben manchmal Schwierigkeiten, Blüten zu finden. Hinzu kommt, dass viele davon mit Pestiziden belastet sind. Das betreffe nicht nur Rapsfelder, sondern auch Gärten. Der gesündeste Honig sei deshalb der Stadthonig aus Berlin. Manchmal kommen Kinder, um die Bee Boy's Bienen zu sehen. Diese müssten dafür sensibilisiert werden, was die Tiere brauchen und wie wichtig sie für die Natur sind, meint Kröning. „Ohne Bienen gibt es nichts mehr“, sagt er.