Kneipentour Königs Wusterhausen: Wo kann man in KW noch ausgehen?

Die Terrasse am Kanal in Königs Wusterhausen ist besonders schön. Wo kann man noch hin?
Maria Häußler- Nach dem Tod des Wirts der „Kleinen Melodie“ fehlt in KW eine zentrale Kneipe.
- Die Autorengruppe testete am Freitag das Nachtleben und fand wenig Angebot.
- Altstadtkeller war voll, der Weinladen bot ruhige Terrasse und moderate Preise.
- Der einzige Späti wurde Treffpunkt mit Tischen und Dart – Betreiber sieht Lücke.
- Weineck punktete mit sehr günstigen Preisen, hofft auf Pächter für die „Melo“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Kneipe „Kleine Melodie“ in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) ist geschlossen. Betreiber Achim Müller ist verstorben. Er hatte den Laden nach dem Tod des ehemaligen Wirts Rüdiger Frambach 2021 übernommen. An diesem Montag, dem 18. Mai 2026, wird Achim Müller beerdigt. Die Kleine Melodie, von den Einwohnern hier auch liebevoll „Melo“ genannt, galt als letzte Kneipe ihrer Art. Wohin gehen die Stammgäste jetzt und kann man überhaupt noch ausgehen in Königs Wusterhausen?
Um das zu testen, fahren wir am Freitag (15. Mai) mit dem Ersatzverkehr vom Baumschulenweg über Grünau nach Königs Wusterhausen. Die fünfköpfige Gruppe aus Berlin will das Nachtleben in Königs Wusterhausen erleben. Erster Stopp ist der „Altstadtkeller“. Der Hintereingang des Backsteingebäudes führt in einen niedrigen Raum, der schon vor 20 Uhr gut besucht ist.
Die Wirtin kneift die Lippen zusammen und schüttelt den Kopf. Es sei alles reserviert, sagt sie in einem Ton, der an die „Berliner Schnauze“ erinnert. Und der kleine Tisch im vorderen Bereich, wenn man dort Stühle ranschiebt? „Der auch!“, antwortet sie. Der Altstadtkeller ist nur freitags, samstags und mittwochs geöffnet. Möglicherweise nutzen heute deshalb so viele die Gelegenheit.
Der Weinladen am Kanal in Königs Wusterhausen
Ein paar Gäste, die im Außenbereich rauchen, raten, es doch beim „Weinladen“ in der Bahnhofstraße zu probieren. „Schöne Terrasse am Kanal“, heißt es. Die Abweisung sollten wir bloß nicht persönlich nehmen, es gebe nun einmal zu wenig Angebot für zu viele Gäste hier in KW. „Eine Kneipe sollte man aufmachen“, sagt einer der Männer und lacht. „Früher gab es viel mehr“.
Das Ambiente im Weinladen ist gediegen: hölzerne Stühle mit geschwungenen Lehnen und Kerzen bringen Gemütlichkeit in den Laden. Lampen aus Weinreben und Mistelzweige hängen von der Decke. „Die bringen Glück“, glaubt Wirtin Steffi Schlegel. Die Gäste sind überwiegend weiblich, sie tragen Brillen und Blusen und unterhalten sich leise bei Hintergrundmusik, die meine Freunde als „Kuschelrock“ einordnen. Man sieht Paare, aber keine Männergruppen.

Die Freundesgruppe aus Berlin landet nach einer Weile im Späti. Wo sonst noch etwas los war.
Maria HäußlerDer Außenbereich ist tatsächlich das Highlight: Seerosenblätter schwimmen im Kanal unterhalb der Terrasse, Efeu rankt sich die Baumstämme hinauf und die Gäste sitzen inmitten eines Meers aus grünen Blättern. Ein Riesling (0,2 Liter) kostet zum Beispiel 6,80 Euro, ein Glas Primitivo 8 Euro. Der Flammkuchen ist dünn und kommt innerhalb von fünf Minuten an den Tisch. 10,50 Euro für den klassischen Belag und 12,50 Euro „Mediterran“ mit Oliven, Paprika und Balkankäse.
Der Weinladen am Kanal ist aber eigentlich nicht das, was wir suchen. Nebenan sei die „Bar 1896“ gewesen, die sie betrieben habe, erzählt Wirtin Steffi Schlegel und deutet auf die Nachbarterrasse. Die hätte vielleicht besser zu unserer Tour gepasst. Warum es keine Kneipen mehr gibt, wenn die Nachfrage doch besteht, beantwortet Schlegel schlicht mit: „Es gibt nicht genug Leute, die das machen wollen. Ich kann mich ja nicht zerteilen.“
Der einzige Späti in Königs Wusterhausen
Wegen mangelnder Alternativen geht’s zum Späti an der Kreuzung Cottbusser Straße und Eichenallee. Eine Lichterkette und ein buntes „Open“ im Schaufenster weisen den Weg. Im Kühlschrank erwartet uns eine Besonderheit, die wir aus Berlin so nicht kennen: Fertig präparierte Mischgetränke mit kleiner Wodkaflasche und Dose in einem Plastikbecher für 5 Euro. „Das ist voll die gute Idee“, sagt einer meiner Freunde und greift zu. Das Bier ist mit 2 bis 3 Euro recht teuer für einen Späti, für ein Bier vor Ort aber günstig. Ein Sternburg kostet 1,70 Euro.
Einer der beiden großen Tische im hinteren Bereich ist frei, dort steht auch eine Dartscheibe. Trotz der schlechten elektronischen Musik und dem grellen Licht fühlen wir uns sofort wohl und spielen eine Runde. An der Wand hängt eine Gitarre mit einem Zettel zwischen den Saiten: „Bevor du fragst: NEIN!“. Im vorderen Bereich des Geschäfts stehen selbst zusammengestellte Geschenkkörbe, die etwa 15 bis 20 Euro kosten.
Ständig gehen junge Menschen ein und aus, Betreiber Mike Weinert hat alle Hände voll zu tun. Das sei der einzige Späti in Königs Wusterhausen, erklärt er. Die Ausschanklizenz mache es möglich auch Tische aufzustellen, außerdem betreibt er einen DHL Shop. „Ganz ehrlich, wo sollen die Leute auch hin?“, sagt Weinert. Das sei für ihn ein Vorteil, aber gleichzeitig auch ein Nachteil. „Manchmal treffen Gruppen aufeinander, die nicht zusammenpassen“, sagt er und nickt in die Richtung der beiden Tische.
Unsere Gruppe passt optisch tatsächlich nicht sehr gut zu den KWern am anderen Tisch, aber es bleibt friedlich: Auf der einen Seite sitzen die Berliner mit langen Haaren, Dreadlocks und Blümchen auf der Hose, auf der anderen kräftige Kerle mit Totenkopftattoos, Basecap und einem T-Shirt mit der Aufschrift „Außer Betrieb, Geduldsfaden gerissen“.
Das Weineck neben der ehemaligen Kleinen Melodie
Ein weiterer Versuch um 22.40 Uhr in den Altstadtkeller zu kommen scheitert, obwohl wir nur noch zu dritt sind. Also auf zum „Weineck“, direkt neben der ehemaligen „Kleinen Melodie“ in der Cottbusser Straße. Der Raum ist holzvertäfelt, in der Mitte steht nur ein einzelner großer Tisch und Dekoration ist nicht vorhanden. Die Wirtin Heike Rohde grüßt herzlich und stellt ein paar Bierflaschen auf den Tresen. Es gibt Berliner Kindl oder Berliner Pilsner, beide 0,5 Liter.

Wirtin Heike Rohde betreibt das Weineck in Königs Wusterhausen trotz Bandscheibenvorfall weiter.
Maria HäußlerDie Preise heben die Stimmung: Bier kostet 2,50 Euro, Mixgetränke 4,50 Euro, Wein 4 Euro, Limo 1,50 und eine Schmalzstulle mit Gurke nur 1 Euro. Der Betreiberin Rohde gehört das Haus. Sie erzählt von ihrem Bandscheibenvorfall, es sei „alles nicht so einfach“, sagt sie. „Aber wir beißen uns durch“.
Nach der Schließung der „Melo“ würden ihr Mieteinnahmen fehlen und sie hoffe schnell einen neuen Pächter zu finden, der die Kneipe genauso weiterführt. Auch wegen der Stammgäste „Hier können wir wenigstens ein bisschen was auffangen“, sagt sie und deutet zu dem Tisch herüber. Dort sitzt eine Gruppe mittleren Alters, die Nieten und Schriftzüge an und auf ihrer Kleidung erinnern an die Metal-Szene.
Wir tragen Stühle auf den Gehsteig, die Tochter der Betreiberin und ihre Freunde nehmen uns in ihre Runde auf. Gastronomie lohne sich kaum, wegen der vielen Auflagen und der hohen Mieten, sagen sie. Kneipen, wie die Kleine Melodie und das Weineck, seien hier in Königs Wusterhausen „der letzte Zufluchtsort“, heißt es.
Bars und Kneipen in Königs Wusterhausen
Weinladen am Kanal: mittleres Preisniveau, ruhige Atmosphäre, schöne Terrasse
Späti: niedriges Preisniveau, Dart und Geschenkkörbe
Weineck: Rustikale Kneipe, niedriges Preisniveau und herzlicher Service
Weitere Bars: Altstadtkeller, Pro Pool & Dancehall in Zeesen (Donnerstag bis Samstag geöffnet), H&T Café und Bar am Fontaneplatz







