Pilze in Königs Wusterhausen: Die Top-Stellen – welche sind lecker, welche giftig?

Heinrich Waldschütz, Pilze-Exerte aus Königs Wusterhausen, zeigt einen jungen Pantherpilz und einen Grüner Knollenblätterpilz. Die beiden sind extrem giftig.
Till Eichenauer- Pilzexperte warnt vor giftigen Arten wie Pantherpilz und Grünem Knollenblätterpilz.
- Gute Sammelstellen in Königs Wusterhausen: Tiergarten, Senziger Heide, Hölzerner See.
- App-Warnung: KI-basierte Pilzbestimmung oft unzuverlässig, Vorsicht bei der Nutzung.
- Essbare Pilze: Sommer-Steinpilz, Parasol, Rotfußröhrling, Riesenporling.
- Bei Pilzvergiftung Giftnotruf Berlin/Brandenburg: 030/19240 rund um die Uhr erreichbar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Der Pantherpilz heißt bei uns auch ‚Sachsentöter', weil ihn viele sächsische Touristen mit dem essbaren Perlpilz verwechseln“, erklärt Heinrich Waldschütz, mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht. „In Sachsen ist der Perlpilz häufiger, hier der Pantherpilz. Nun kommen die hierher und erkennen den Unterschied nicht.“
Und das kann schnell passieren. Nur der Kenner weiß, dass der hochgiftige Sachsentöter eine deutlich abgesetzte Knolle hat, eine sogenannte „Bergsteigersocke“ und dass sich der essbare Perlpilz bei Druck und beim Schneiden rötlich verfärbt.
Heinrich Waldschütz ist einer dieser Kenner, eine anerkannte Koryphäe auf dem Gebiet der Pilze. Er unterstützt den Giftnotruf mit seiner Expertise und wenn die Ärzte an der Charité mit einem schwierigen Fall nicht weiterkommen, muss er auch schon mal das Erbrochene eines Notfalls unter dem Mikroskop betrachten, um den Problem-Pilz zu identifizieren. Gefragt, wie viele Pilze er unterscheiden könne, sagt er bescheiden „10000“ und man glaubt es ihm sofort.
Königs Wusterhausen: Das sind die besten Orte zum Pilze sammeln
Der gebürtige Freiburger lebt seit 24 Jahren in Königs Wusterhausen, seit seiner Kindheit sammelt er Pilze. Seine Leidenschaft für diese besonderen Lebewesen teilt der pensionierte Biolehrer bis heute gerne mit anderen. Das ganze Jahr über bietet er über den Verein der „Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg“ in ganz Brandenburg Führungen an. Auch die Pilze selbst teilt der 73-Jährige gerne und verrät offen seine „besten Jagdgründe“ zum Pilzesammeln rund um seine Heimatstadt.

Heinrich Waldschütz untersucht einen Rotfußröhrling (Xerocomellus cisalpinus). Auch der Kenner braucht manchmal die Lupe zum Bestimmen der Pilze.
Till EichenauerWer nicht weit fahren will, könne direkt an der Stadt in den Tiergarten gehen, so Waldschütz: „Da gehen aber schon viele hin, und manchmal ist schon einiges weg.“ Alternativ kann man in die Senziger Heide gehen, hier sei auch die Pilzvielfalt höher. „Mit Glück findet man dort sogar Pfifferlinge.“
Wer weiter ins Grüne herauswill, könne etwa nach Friedersdorf fahren, sagt Waldschütz: „Sowohl nördlich als auch südlich gibt es gute Sammelstellen.“ Auch südlich von Königs Wusterhausen gebe es gute Wälder, etwa rund um den Hölzernen See oder am Frauensee, rund um das Haus des Waldes, könne man viele Röhrlinge und Täublinge finden.
Jedem, der auf die Pilzjagd geht, rät Heinrich Waldschütz aber zu großer Vorsicht. Die Folgen von Unachtsamkeit kennt er von seinen Erfahrungen beim Giftnotruf nur zu gut. „Man sollte grundsätzlich nur Pilze essen, die man sicher bestimmt hat. Dafür muss man den Pilz vollständig pflücken und von allen Seiten genau betrachten, nicht nur von oben!“
Experte Waldschütz sieht Pilz-Apps kritisch
Den neuen Pilz-Apps, die mithilfe von künstlicher Intelligenz beim Bestimmen helfen sollen, steht Waldschütz kritisch gegenüber. „Die liegt oft daneben, weil sie nicht die wichtigen Merkmale beachten. Oft verlässt sich die App auf ein einziges Bild von oben und gibt dann ein falsches Ergebnis raus.“
Der gefährlichste Pilz in der Region sei der Grüne Knollenblätterpilz. „Da reicht einer, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Und das kommt auch immer mal wieder vor“, sagt Waldschütz. Unerfahrene Sammler verwechselten die tödliche Knolle mit Champignons oder Täublingen.
Ansonsten warnt Heinrich Waldschütz nochmal vor dem Pantherpilz, genannt „Sachsentöter“. Das Gift führe beim Menschen zu Tobsuchtsanfällen. „Am besten schnallt man die Patienten nach der Einlieferung fest, um Zertrümmerung der Einrichtung zu verhindern“, so der Experte. Auch der Kartoffelbovist ist giftig. Die kleinen Knollen seien von ruchlosen Geschäftemachern schon als echte Trüffel verkauft worden. „Die Wirkung ist so, dass man farbenblind wird. Aber nur für ein paar Stunden“, so Waldschütz. Danach kommt Erbrechen, Bauchschmerzen und akuter Durchfall.
Giftnotruf Berlin und Brandenburg bei Pilzvergiftungen
Telefon: 030 / 19240 – rund um die Uhr erreichbar
Wichtig: Bei Verdacht auf Pilzvergiftung sofort anrufen! Angaben zu Alter, Gewicht, gegessenem Pilz und Zeitpunkt der Aufnahme bereithalten. Pilzreste, Erbrochenes oder Fotos der Pilze aufbewahren – sie helfen bei der Bestimmung.
Auch der Fliegenpilz sei natürlich giftig, sagt, der Experte. „Die werden jetzt aber auch immer öfter von Leuten gesammelt, wegen ihrer halluzinogenen Wirkung. Das neue Schlagwort nennt sich jetzt Microdosing.“ Dabei würden nur sehr geringe Mengen des Stoffes aufgenommen, um die erwünschte Wirkung zu erzielen.
Das sind die essbaren Pilze rund um Königs Wusterhausen
Heinrich Waldschütz hat auch ein paar kuriose Pilz-Tricks auf Lager, die er furchtlos selbst vormacht. „Das ist der Spei-Täubling. Wenn man ein klein wenig vom Hut ist, dann brennt die Zunge kurz und wird dann taub.“

Heinrich Waldschütz knabbert zu Demonstrationszwecken am Spei-Täubling.
Till EichenauerNatürlich verrät der 73-Jährige auch die leckersten Pilz-Sorten, die es um Königs Wusterhausen zu finden gibt. „Den Sommer-Steinpilz kann man gerade finden. Typisch ist die samtige Oberfläche des Hutes und so ein Netz am Stiel, was bis ganz runtergeht.“
Außerdem könne man nach dem echten Parasol Ausschau halten, einem großen Schirmpilz mit schuppigem Hut. Auch der Rotfußröhrling sei lecker, wenn man sich von der gelben Farbe nicht abschrecken lässt. Wer Glück hat, findet einen jungen Riesenporling, im Tiergarten in Königs Wusterhausen. Mit einem Exemplar kommt man leicht zu einem Abendessen für die ganze Familie.
Wer sich auf die Suche nach Pilzen machen will, sollte aber das Wetter im Auge behalten. Nach einem feuchten Juli in diesem Jahr sei der August nun wieder etwas trocken, so Waldschütz. „Nach längerer Trockenheit dauert es zehn bis 14 Tage nach dem ersten Regen, bis sich die meisten Pilze wieder zeigen. Dann findet man am meisten.“












