Schülerticket in LDS
: Eltern sollen zahlen – warum eine Mutter das ungerecht findet

100 Euro pro Jahr: In Dahme-Spreewald soll das kostenlose Schülerticket gestrichen werden, was für Ärger unter Eltern in Zeuthen und Königs Wusterhausen sorgt. Können sie es verhindern?
Von
Maria Häußler
Zeuthen / Lübben
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Sophie Hauck aus Zeuthen ist stinksauer. Das Schülerticket sollte ihrer Meinung nach weiterhin kostenlos sein.

Sophie Hauck aus Zeuthen ist sauer. Das Schülerticket sollte im Landkreis Dahme-Spreewald ihrer Meinung nach weiterhin kostenlos sein.

Maria Häußler
  • Im Landkreis Dahme-Spreewald soll das kostenlose Schülerticket ab September 2025 gestrichen werden.
  • Eltern müssen dann jährlich 100 Euro pro Kind zahlen, ab dem dritten Kind entfällt der Beitrag.
  • Alleinerziehende Mutter Sophie Hauck aus Zeuthen findet die Regelung ungerecht.
  • Der Landkreis begründet die Einführung des Beitrags mit Haushaltsdefiziten.
  • Entscheidung fällt am 2. April im Kreistag.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Zeuthen, direkt am See, fährt ein kleines Auto vor. Sophie Hauck steigt aus und winkt. Eine Freundin hat die alleinerziehende Mutter vom Arzt nach Hause gebracht, ein eigenes Auto kann sie sich nicht leisten. Auch deshalb ärgert sie sich so über die Pläne des Landkreises.

Ab September 2025 soll ein jährlicher Beitrag fürs Schülerticket fällig werden. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat eine Beschlussvorlage für die Wiedereinführung des Elternanteils verfasst. Demnach sollen Eltern 100 Euro jährlich für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel pro Kind bezahlen - also für Bus oder Bahn. Ab dem dritten Kind fällt der Beitrag laut Vorlage weg, also wären es maximal 200 Euro jährlich.

Schulweg in Zeuthen: Zwei Stunden Zeitersparnis pro Tag

Bliebe es dabei, müsste die 37-jährige Sophie Hauck genau diesen Höchstbetrag von 200 Euro berappen. Ihre beiden Kinder sind sechs und elf Jahre alt und gehen zur Grundschule am Wald in Zeuthen. Eine halbe Stunde lang ist Sophie Hauck bis zum November letzten Jahres mit ihnen die 1,8 Kilometer zur Schule gelaufen. Dann hat sie herausgefunden, dass sie Anspruch auf das Schülerticket hat. Seit die Familie es nutzt, hat Hauck täglich zwei Stunden mehr Zeit. Für sie ist das Ticket „unverzichtbar“ geworden.

Seit dem Jahr 2020 ist das Schülerticket im Landkreis Dahme-Spreewald kostenlos. Der Landkreis begründet die Wiedereinführung des Elternanteils mit Haushaltsdefiziten. Kürzlich hat der Bildungsausschuss ausführlich über das Thema beraten. Am 2. April soll im Kreistag die Entscheidung fallen. Nadine Selch, die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur, sagt, sie rechne damit, dass es einen Beitrag geben wird. „Grundlegend gab es eine Mehrheit für eine Wiedereinführung“, sagt sie. Über die Form würde noch diskutiert.

Ein Bus der Linie 733 in Zeuthen. Er wird täglich von rund 50 Kindern für den Schulweg genutzt.

Ein Bus der Linie 733 in Zeuthen. Er wird täglich von rund 50 Kindern für den Schulweg genutzt.

Maria Häußler

„Ich bin stinksauer“, sagt die betroffene Mutter Sophie Hauck. „In Berlin bekommen die Kinder kostenloses Mittagessen und auch die Hortgebühr wird anders berechnet. Jetzt sollen wir auch noch für das Schülerticket bezahlen!“ In Berlin werde die Hortgebühr nach Einkommen berechnet, „fairer“, wie Hauck findet. Sie deutet hinter sich. „Dort stehen Sozialwohnungen“, sagt sie. „Wie immer trifft es mal wieder die, die nicht viel Geld haben.“ Die 37-Jährige ist vor ein paar Jahren aus Berlin nach Zeuthen gezogen, weil sie in der Hauptstadt keine bezahlbare Wohnung mehr fand.

Ist der Beitrag zum Schülerticket ungerecht?

Auf die Frage, ob es sozial gerechter wäre, den Betrag am Einkommen festzumachen, antwortet Nadine Selch: „Wir hatten die Verwaltung gebeten, uns eine soziale Staffelung aufzuzeigen“, sagt sie. „In der Beratung ist man davon abgewichen und hat eine Beitragsfreiheit für Familien mit mehr als zwei Kindern vorgesehen.“ Auf diese Weise habe man versucht, den Beitrag sozial abzufedern.

Die Vorsitzende des Kreisschulbeirats, Anett Kehling hat eine Stellungnahme verfasst, in der sie die Chancengleichheit in den Vordergrund stellt. Sie wohnt in Groß Köris und ihre jüngste Tochter nutzt das Schülerticket, um zum Friedrich-Schiller-Gymnasium nach KW zu fahren.

„Man muss zusehen, dass Bildung für jeden zugänglich ist“, sagt sie am Telefon. „Meine Befürchtung ist, dass Eltern vielleicht trotz der Empfehlung nicht das Gymnasium wählen, sondern die Oberschule in der Nähe.“ Sie kritisiert auch, dass es keine Möglichkeit gibt, den Beitrag nur in den Wintermonaten zu bezahlen, damit die Kinder im Sommer mit dem Fahrrad zur Schule fahren können. Für das Schülerticket ist ein jährlicher Betrag von 100 Euro festgelegt.

Geld, das der Landbevölkerung weggenommen wird?

Außerdem sieht Anett Kehling in der Änderung einen Nachteil für die Landbevölkerung. Der Landkreis finanziere Dinge, die nur der Stadt zugutekommen, wie zum Beispiel einen jährlichen Zuschuss für den Verein Niederlausitzer Musikschule in Luckau. Die Eltern vom Land müssten dagegen nun einen Beitrag für etwas zahlen, dem sie sich nicht entziehen können: den Schulweg. „Das ist eine total ungerechte Verteilung“, findet sie.

Nadine Selch weist darauf hin, dass Investitionen in Musikschulen oder Volkshochschulen allen zugutekommen. Damit sie für die Gesamtbevölkerung besser erreichbar sind, müssten sie aber in Ballungsräumen liegen. Das Schülerticket sei in der Vergangenheit mit 88 Euro jährlich nur wenig günstiger gewesen. „Man bekommt auch eine Leistung dafür und ein Großteil der Kosten wird immer noch übernommen. Nicht jede Leistung muss in unserem Staat beitragsfrei sein“, sagt sie. Es sei schon 2020 klar gewesen, dass der Landkreis die Regelung je nach Wirtschaftslage auch wieder ändert.