Solaranlage am BER: In Schönefeld wachsen bald Kartoffeln unter 74.000 Modulen

Arbeiter montieren Solaranlagen, mit dem Flughafen BER im Hintergrund. Zwischen den Ständern ist genug Platz für einen Traktor.
Till Eichenauer- Am BER entsteht Deutschlands größte Agri-PV-Anlage auf 76 Hektar (ca. 100 Fußballfelder).
- 74.000 Module, 48 Megawatt Volllast, Strom für etwa 40.000 Menschen geplant.
- Landwirtschaft bleibt auf ca. 90 % möglich: u. a. Kartoffeln, Getreide, Gemüse.
- Nachführung Ost-West: mehr Ertrag morgens/abends, weniger Überproduktion mittags.
- Gemeinde erhält 2.000 € je MW: 96.000 € pro Jahr; Laufzeit der Anlage ca. 30 Jahre.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf der Baustelle der gigantischen Photovoltaik-Anlage in Schönefeld fährt man derzeit noch an einem Wald von Stahlstangen vorbei. In über 100 Reihen wurden bereits Tausende dieser Pfähle in den Boden gerammt. Nun wurde im Westen der Anlage begonnen – auf dreieinhalb Metern – die rund 74.000 Solarmodule auf den Pfählen zu verschrauben.
„Wir haben hier eine Fläche von insgesamt 76 Hektar. Also ungefähr 100 Fußballfelder“, sagt Richard Härtel, operativer Geschäftsführer von Elysium Solar. Das Berliner Unternehmen will entlang der südlichen Landebahn des Flughafens BER Deutschlands größten Solarpark mit gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung zwischen den Paneelen bauen.
Kritiker der Solarenergie bemängeln oft den Verlust von Acker- und Grünland in der Lebensmittelproduktion durch den Bau von PV-Parks. Dem will man mit der Verbindung aus Solarpark und Ackerbau, sogenannten Agri-PV-Anlagen, begegnen.
Kartoffeln und Gemüse auf Agri-PV-Anlage in Schönefeld
„Wir merken, dass Agri-PV überall dort, wo wir unsere Projekte vorstellen, deutlich mehr Zuspruch erhält als konventionelle Photovoltaikfelder“, sagt Härtel. Im sogenannten Agri-PV-Park Schönefeld können laut Richard Härtel etwa 90 Prozent der Fläche landwirtschaftlich weiter genutzt werden.
Dafür sorgen die rund sieben Meter langen Ständer, die etwa bis zur Hälfte in den Boden getrieben werden. Die Solarpaneele auf dreieinhalb Metern und der breite Abstand zwischen den Reihen machen es möglich, mit Traktoren zwischen den Solarmodulen hindurchzufahren.

Die Agri-PV-Anlage am Flughafen BER auf einem Bauplan. Im Gelände bleiben zwei ökologische Ausgleichsflächen erhalten.
Till EichenauerStefan Spork, vom ausführenden Bauunternehmen Goldbeck Solar, ist verantwortlich für das Projekt in Schönefeld und erklärt das Prinzip: „Die Schatten der Solaranlagen wandern über den Tag. Dadurch kommt an alle Stellen des Ackers irgendwann einmal die Sonne.“ Kartoffeln könnten gut mit Schatten umgehen. Zudem seien viele Getreide- und Gemüsearten geeignet. Zwar werde der Ertrag durch die verringerte Sonneneinstrahlung minimal verringert, aber mit 80 Prozent des Ertrages könne man rechnen, so Spork.
Die Sonne bewegt sich über die Solarpaneele, aber auch die Paneele selbst stehen nicht still. Unter den langen Reihen aus Modulen, die von Norden nach Süden ausgerichtet sind, befinden sich große eiserne Zahnräder. Hiermit lassen sich die Sonnenkollektoren – gemächlich wie eine Sonnenuhr – am Morgen nach Osten und gegen Abend nach Westen kippen.
Solaranlage in Schönefeld produziert auch morgens und abends Strom
„Durch die Ost-West-Nachführung erzielen wir gerade zu Tagesrandzeiten am Morgen und am Abend mehr Stromertrag. Und mittags, wenn ohnehin viel Strom produziert wird, kommt es so nicht zu Überproduktion“, erklärt Richard Härtel.
Die Agri-PV-Anlage in Schönefeld erzeugt unter Volllast 48 Megawatt Strom. Das entspricht dem Ertrag von etwa 16 modernen großen Windkraftanlagen oder etwa dem doppelten Output der großen Müllverbrennungsanlage im Hafen des benachbarten Königs Wusterhausen – aber eben nur, wenn die Sonne scheint. Auf das gesamte Jahr gerechnet soll die Anlage in Schönefeld genug Strom für etwa 40.000 Menschen produzieren.
Daran verdient nicht nur der Investor, sondern auch Schönefeld mit. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bekommt die Gemeinde 2000 Euro pro Megawatt installierter Leistung. Bei den 48 Megawatt entspricht dies einer Abgabe von 96.000 Euro pro Jahr, zusätzlich zu den anfallenden Steuern. Laut Richard Härtel soll die Anlage etwa 30 Jahre lang Strom produzieren. Die Effizienz der Solarpaneele nehme in der Zeit nur minimal ab.
Bürgermeister von Schönefeld: „Für mich überwiegen die Vorteile“
Christian Hentschel, Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, steht hinter dem Projekt – und das nicht nur, weil es Geld einbringt: „Gerade für die kommenden Industrie- und Gewerbegebiete benötigen wir vor Ort erzeugte, erneuerbare Energie – da passt die Agri-PV-Anlage hervorragend ins Konzept.“
Er sieht aber auch, dass große Anlagen, wie diese nicht nur Vorteile bringen: „Natürlich gibt es auch Beschwerden, weil sich die Landschaft verändert. Aber ich bin überzeugt, dass dieses Projekt ein wichtiger Schritt für die nachhaltige Energieversorgung und die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde ist. Für mich überwiegen die Vorteile.“
Einer Gruppe wird das Vorhaben aber nicht gefallen: Die Wiese, auf der die Solaranlage entsteht, war beliebt bei Plane-Spottern am Flughafen BER. Von der leicht erhöhten Wiese direkt an der Startbahn aus hatte man einen guten Blick auf die startenden und landenden Flugzeuge. Die müssen sich jetzt eine neue Stelle für ihr Hobby suchen.

Deutschlands größte Agri-PV-Anlage entsteht am Flughafen BER. Dort wird Solar-Strom hergestellt und gleichzeitig Ackerbau betrieben.
Till EichenauerDamit der Strom, der in Schönefeld produziert wird, auch in den Haushalten und der Industrie ankommt, muss er ins Netz eingespeist werden. Hier hat der Standort in Schönefeld einen echten Vorteil: Direkt neben der Anlage verläuft eine Stromtrasse. Eine lange unterirdische Verkabelung kann man sich so sparen. Es muss am Ort nur ein Umspannwerk gebaut werden, das den Strom aus den Anlagen auf die geeignete Hochspannung transformiert.

