Abschied: Chefin der Arbeitsagentur geht in den Ruhestand

Ein Leben für die Arbeitsagentur: Cornelie Schlegel wird in den Ruhestand verabschiedet.
Melanie Speck/ Agentur für Arbeit NeuruppinIn den Ruhestand
Dreizehneinhalb Jahre war die 65-Jährige Chefin der acht Arbeitsagentur-Geschäftsstellen in den vier Landkreisen. Am Donnerstag wird sie feierlich in den Ruhestand verabschiedet, nach insgesamt 46 Jahren bei der Agentur für Arbeit. Eigentlich wollte Cornelie Schlegel Lehrerin werden, entschied sich aber für ein duales Studium als Beratungsfachkraft – heute der Studiengang Arbeitsmarktmanagement – an der Fachhochschule Mannheim. Beim Arbeitsamt war sie zugleich angestellt. „Ich mag Zahlen, um Relationen herzustellen.“ Nach der Ausbildung ging sie nach München. Dann fiel die Mauer. „Die Wiedervereinigung hat mir beruflich neue Möglichkeiten eröffnet, da ich mobil war.“ Doch ihre erste Station in Chemnitz direkt nach der Wende sei für sie ein Schock gewesen. „Die gelbe Luft hat mich an meine Kindheitstage im Ruhrgebiet erinnert.“
1994 ging sie weiter nach Berlin. Ihre erste Leitungsfunktion übernahm sie 2002 in Frankfurt (Oder). Ein besonderer Moment für Schlegel, da sie zuvor als Controllerin lediglich beraten und auf Probleme aufmerksam gemacht hatte. Nun galt es, die Aufgaben des Ratgebers in die Realität umzusetzen. Ins Schwärmen gerät Schlegel, wenn sie von ihrer Aufgabe in Helmstedt erzählt, wo sie tätig war, bevor sie nach OPR kam. „Es war eine tolle Situation. Durch den größten Arbeitgeber in der Region (Anm. d. Red.: VW in Wolfsburg) war Geld für Projekte da. Wir konnten großartige Dinge machen, von denen man heute erkannt hat, wie wichtig sie sind.“ Zu den Ideen gehörten Zusatzförderung in Begleitung, finanzierte und ehrenamtliche Patenmodelle sowie Coaching für Arbeitgeber und -nehmer. „Es war eine hochspannende Zeit.“
2006: 19,7 Prozent Arbeitslose
In Neuruppin warteten neue Aufgaben. "Die Menschenschläge im Agenturbezirk sind durch unterschiedliche geschichtliche Erfahrungen verschieden.“ Als sie im Februar 2006 kam, lag die Arbeitslosenquote bei 19,7 Prozent. „So hoch ist sie in Griechenland heute. Hier ist die Quote längst aus der Erinnerung verschwunden, aber für andere ist sie Realität.“ Denn 13 Jahre später, im Januar 2019 war die Arbeitslosenzahl auf 6,3 Prozent gesunken. „Das ist eine Kennzahl. Die Region darf sich über die Entwicklung freuen“, ist Schlegel froh über die positive Veränderung, die jedoch nicht nur durch die Wirtschaft, sondern auch durch die Demografie beeinflusst werde. „Die Löhne steigen langsam auf niedrigem Niveau. Aber es lohnt sich hier zu leben und zu arbeiten.“
Man müsse immer im Blick haben, woher man komme, besonders wenn man Arbeitslosenzahlen aus Städten in Westdeutschland höre, so die Agenturchefin. Auch wenn nicht zu leugnen sei, dass derzeit 3 100 Menschen aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin ohne Arbeit seien. „Wir sind noch nicht am Ziel, aber es hat sich enorm entwickelt.“ Alleine seit Jahresbeginn seien 1 600 freie Stellen gemeldet worden, das seien 200 mehr als 2018. „Die Verkehrsinfrastruktur ist ein Treiber.“ Das sehe man an den Zahlen aus dem zentral gelegenen Wittstock im Vergleich zu Kyritz, das „nur“ an einer Bundesstraße liege, sagt Schlegel, die in Neuruppin wohnen bleiben und sich ehrenamtlich engagieren will.
Die wichtigste Aufgabe einer Arbeitsagentur aber sei neben der Beratung für Arbeitgeber, so die 65-Jährige: „Wir stecken Kraft in die Kunden, die Hilfe brauchen und machen ihnen immer wieder Mut.“ Es gehe aber auch um Vertrauen und Zutrauen. Denn nicht immer gehe es um formale Kriterien, sondern auch um sogenannte Softskills, die ausmachten, dass ein Arbeitssuchender zu einem Unternehmen passe.
Neues Angebot der Arbeitsagentur
Ein neues Projekt der Arbeitsagentur Neuruppin ist seit 5. August die "Lebensbegleitende Berufsberatung".
Hintergrund seien die hohen Abbrecherquoten. Jede vierte Ausbildung wird aufgelöst.
Mit dem Angebot soll die Zusammenarbeit mit den Schulen, vor allem in der Sekundarstufe II, intensiviert werden.
Beratungsräume werden eingerichtet. So sollen die Hürden gesenkt werden. "Wir gehen dahin, wo die Kunden sind, um die Bandbreite der Berufswahl zu zeigen", so Cornelie Schlegel. ⇥ug