Air Defender 23 über OPR: 2000 Flüge von Kampfjets binnen zehn Tagen – Protest bei Wittstock

An der Übung „Air Defender 2023“ vom 12. bis 23. Juni sollen nach Luftwaffenangaben 25 Nationen mit 250 Flugzeugen teilnehmen. In den zehn Tagen sollen etwa 2000 Überflüge stattfinden, vor allem auch in OPR ist mit vielen Flügen zu rechnen. Dagegen regt sich Protest. Nun soll es eine Demonstration bei Wittstock geben.
Georg Wendt/dpaDas zehntägige Luftwaffen-Manöver „Air Defender 23“ sorgt bereits vor dem Start am kommenden Montag, 12. Juni, für Diskussionen. Die militärische Führung der größten Luftwaffen-Übung in der Geschichte der Nato trat am Mittwoch (07.06) Befürchtungen entgegen, dass die Militärflüge größere Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr über Deutschland haben werden. „Das wird sich maximal im Minutenbereich bewegen“, versicherte der Inspekteur der Deutschen Luftwaffe, Ingo Gerhartz, bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Die Linke-Landesverbände von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kritisierten das Manöver als militärische Machtdemonstration und kündigten für Sonntag eine sogenannte Friedenswanderung in der Freien Heide bei Wittstock an. Nach ihren Angaben werden beide Bundesländer zu den Haupt-Überfluggebieten gehören.
2000 Flüge binnen 10 Tagen
An dem Manöver „Air Defender 23“ sind 25 Staaten – vor allem aus der Nato – mit 250 Flugzeugen und fast 10.000 Soldaten beteiligt. Es sind etwa 2000 Flüge geplant. Auch der Direktor der US-Nationalgarde, Michael Loh, rechnet nicht mit größeren Störungen des zivilen Flugverkehrs. „Wir erwarten minimale Unterbrechungen“, sagte er.
Die Fluglotsengewerkschaft GdF hatte zuvor eine andere Prognose aufgestellt. „Die Militärübung ‘Air Defender‘ wird natürlich massive Auswirkungen auf den Ablauf der zivilen Luftfahrt haben“, sagte ihr Vorsitzender Matthias Maas. Er verwies auf ein von der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol errechnetes Szenario, das bis zu 50.000 Verspätungsminuten je Manövertag ausweist.
Protest im ehemaligen Bombodrom
Das ehemalige Bombodrom bei Wittstock an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gilt als symbolträchtiger Ort. Nach massiven Protesten in der Region hatte die Luftwaffe 2009 den Verzicht auf die Nutzung des Areals in der Kyritz-Ruppiner Heide als Luft-/Bodenschießplatz erklärt.
„Die Freie Heide wurde mit jahrelangem friedlichem Widerstand gegen die Nutzung als Bombodrom erkämpft. Nun wird sie erneut zum Überfluggebiet für das größte Luftwaffenmanöver seit Bestehen der Nato. Das können und wollen wir nicht unwidersprochen hinnehmen“, heißt es in einer Mitteilung der Linken.
In dem Aufruf zur Friedenswanderung werden der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilt und der Abzug der russischen Truppen vom ukrainischen Staatsgebiet gefordert. „Aber wir akzeptieren nicht, dass dieser Angriffskrieg von der Nato und ihren Verbündeten als Begründung für eine bisher beispiellose Militarisierung der Außenpolitik und eine neue Aufrüstungsspirale genutzt wird“, heißt es dort wörtlich. Deeskalation und Diplomatie seien das Gebot der Stunde.
US-Botschafterin sieht Signal der Stärke
US-Botschafterin Amy Gutmann sieht in dem bevorstehenden Luftwaffen-Manöver ein Signal der Stärke der Nato auch an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Es würde mich sehr wundern, wenn irgendein Staatsoberhaupt der Welt nicht zur Kenntnis nehmen würde, was das Manöver in Bezug auf den Geist dieses Bündnisses, das heißt die Stärke dieses Bündnisses, zeigt. Und das schließt Herrn Putin ein“, sagte Gutmann am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit Vertretern der deutschen und der US-Luftwaffe in Berlin.


