Ausbildung in Neuruppin: Rekord mit 88 Unternehmen – das wird auf der Messe geboten

Neuruppin konfrontiert mit Fachkräftemangel: Die Bildungsmesse bietet Hoffnung, aber Experten mahnen zu mehr Engagement in OPR.
Burkhard KeeveWer installiert künftig die Wärmepumpe, wer die Solaranlage? Wer kocht in fünf Jahren das duftete Gulasch, wer serviert das frisch gezapfte Bier dazu oder bedient an der Frischetheke im Fachhandel, beim Bäcker? Schon heute sind Fachleute in den verschiedensten Branchen knapp und sie werden knapper, da sind sich alle Arbeitsmarktexperten einig. Eine Antwort darauf, ist auszubilden. Aktuell kommen in Ostprignitz-Ruppin auf 100 offene Lehrstellen 71 Jugendliche. Eine komfortable Situation für den Nachwuchs. Damit Arbeitgeber aus der Region und der Lehrling von morgen zusammenfinden, hat sich in OPR die Bildungsmesse etabliert. Mit einem neuen Rekord.
Seit 2009 wird in Neuruppin zur Bildungsmesse eingeladen. Am Sonnabend, 27. Januar, findet im Oberstufenzentrum Neuruppin die 16. Auflage statt. Von 10 bis 13 Uhr kann die Messe ohne Eintritt, oder sich anzumelden, besucht werden. Dieses Mal sind 88 Unternehmen aus Handwerk, der Verwaltung, der Industrie und der Gesundheitsbranche angemeldet. „So viele wie noch nie, nach dem Rekord mit 80 vom vergangenen Jahr“, sagt Mitorganisator und Leiter des IHK-Regionalcenters OPR, André Wiesner, am Mittwoch in Neuruppin.
Etlichen Unternehmen, die teilnehmen wollten, musste abgesagt werden, so groß sei die Nachfrage gewesen. Dennoch tauchen auch die Abgelehnten in der Broschüre zur Bildungsmesse auf, mit Daten und Fakten zu den Ausbildungsberufen. Wiesner: „Die Broschüre gibt es überall auf der Messe.“

Sie laden ein zur 16. Bildungsmesse in Neuruppin am 27. Januar im OSZ: André Wiesner, Sahra Lindemann, Ute Behnicke und Beate Kostka (von links)
Burkhard KeeveBildungsmesse in Neuruppin: Rekordzahlen bei Ausbildungsangeboten
Um mehr Platz für die Betriebe zu bieten, wurde für die 16. Messe das Haus D auf dem OSZ-Gelände mit einbezogen. Eine gute Übersicht bietet der Messeplan, auf dem auf einen Blick, die Standorte der Betriebe und die Angebote (Ausbildung, Praktikum, Studium, Ferienarbeit) sichtbar werden. Die Bandbreite an Lehrstellen ist groß, sie umfasst mehr als hindert verschiedene Berufe. Auf die Beine gestellt wird die Messe von der IHK, der Arbeitsagentur Neuruppin, der Kreishandwerkerschaft, der Inkom und der Regionalentwicklungsgesellschaft (REG).
Auch wenn sich der Landkreis OPR in den Augen von Arbeitsagentur-Chefin Beate Kostka als „sehr starker Ausbildungslandkreis“ darstellt, reichen die Anstrengungen nicht aus, die Fachkräftelücken zu schließen. Es müssen mehr junge Menschen zu einer Ausbildung bewegt werden. „Wir haben in allen Schulen für die Messe getrommelt“, sagt Beate Kostka.
Messebesuch mit der Familie: Fachkräftenachwuchs gesucht
Für die Agenturchefin ist es auch wichtig, dass die Eltern der Jugendlichen mit auf die Messe können, weil sie an einem Sonnabend stattfindet. Bestenfalls können Eltern und Jugendliche gemeinsam Informationen zu Lehrstellen sammeln und sich für eine Ausbildung entscheiden. Jugendliche können sich aber auch gleich bei einem potenziellen Arbeitgeber vorstellen, nach einem Praktikumsplatz oder Ferienjob fragen oder eine Bewerbungsmappe abgeben.
Wie dringend der Fachkräftenachwuchs gesucht wird, zeigt eine andere Zahl. In den nächsten zehn Jahren müssen sich 44 Prozent der Handwerker in Ostprignitz-Ruppin „mit dem Thema Nachfolge beschäftigen“, sagte am Mittwoch Sahra Lindemann von der Handwerkskammer OPR. Nahezu jeder zweite Chef oder Chefin, der insgesamt 1541 Handwerksbetriebe in OPR, gehört zu Babyboomern, die 60 Jahre und älter sind. „Schon auf der Messe sollten Karrieremöglichkeiten angesprochen werden“, so Sahra Lindemann.

Die neue REG-Chefin Ute Behnicke freut sich, dass die Regionalentwicklungsgesellschaft nunmehr offiziell Organisationspartnerin der Bildungsmesse in Neuruppin ist.
Burkhard KeeveZukunft des Handwerks: Die Herausforderung der Nachfolge
„Wir müssen uns um jeden Jugendlichen bemühen, auch um den mit den schlechten Noten“, sagte am Mittwoch die neue Leiterin der Regionalentwicklungsgesellschaft (REG), Ute Behnicke. Sie forderte die Ausbildungsbetriebe auf, sich den Wünschen nach flexiblen Arbeitszeiten, Digitalisierung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzustellen. Für Behnicke ist der Fachkräftemangel „der Killer des Wohlstands“.


