Austausch
: Grenzenlose Fachkräftesuche

In der Agentur für Arbeit in Neuruppin informierten sich Unternehmer und Netzwerkpartner über das ab März 2020 geltende Fachkräfteeinwanderungsgesetz.
Von
Ulrike Gawande
Neuruppin
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Gespräch: Beate Kostka (links) und Mike Blechschmidt (Induka Service und Kleeblatt Region) diskutieren über die Möglichkeiten, die das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz bietet.

Melanie Speck

Am Donnerstag hatte die Agentur für Arbeit in Neuruppin rund 50 Unternehmer, Netzwerkpartner und Vertreter von IHK, Handwerkskammer sowie Ausländerbehörden aus den vier Landkreisen des Agenturbezirks eingeladen, um über die neuen Möglichkeiten zu informieren. Die Veranstaltung unter dem Motto „Global gedacht, regional gemacht“, bot jedoch vor allem Möglichkeiten zum Austausch.

Um den derzeitigen Stand an Arbeitnehmern von 47 Millionen bundesweit zu halten, sei es nötig, dass bis 2060 jährlich rund 260 000 Zuwanderer nach Deutschland kommen und hier eine Arbeit beginnen.  Alexander Wilhelm von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) geht davon aus, dass davon wie bisher pro Jahr 115 000 Menschen aus EU-Ländern kommen, so dass rund 145 000 Arbeitskräfte aus sogenannten Drittländern akquiriert werden müssen. „Die humanitäre Migration ist aber nicht der Zugangsweg, um die Arbeitsmarktprobleme zu lösen“, sagte Wilhelm.

Europäisches Portal

Eine Möglichkeit, Arbeitnehmer aus dem EU-Ländern zu finden oder sich für einen Arbeitsplatz in Europa zu bewerben, ist das Internetportal Eures. Aktuell sind dort etwa 3,5 Millionen Stellen gelistet, außerdem rund 250 000 Lebensläufe von Arbeitssuchenden und 15 000 Arbeitgeber sowie 1 000 Berater in den verschiedenen europäischen Staaten.

Dieses Portal kannte Julia Sieber, Leiterin des Casa-Reha Seniorenpflegeheims in Glienicke (Oberhavel) bisher noch nicht, obwohl sie bereits Mitarbeiter aus zwölf Nationen beschäftigt. Auch Eckhard  Koop, Malermeister aus Kremmen, würde gerne zwei Mitarbeiter mehr beschäftigen, findet aber niemanden. Doch die Hürden des neuen Gesetzes schätzt er als zu hoch ein. Die geforderte Sicherungssumme für den Lebensunterhalt könne im Ausland kaum einer aufbringen, sagt er. Wichtig wäre ihm bei einem ausländischen Mitarbeiter wegen der Kundenkontakte ausreichende Deutschkenntnisse. Die brauchen auch Fachkräfte bei Swiss Krono Tex. Wegen der Sicherheitsunterweisungen, erklärt Personalleiter Christian Baumann, der im Oktober über die ZAV bei einer Jobbörse in Bratislawa war. Seit November arbeitet nun ein slowakischer Anlagenfahrer in Heiligengrabe. „Der Arbeitsmarkt schwächt sich ab, aber wir wollen vor dem Prozess und Vorreiter in der Region sein.“

Gesetz zu Fachkräfteeinwanderung

Das Gesetz tritt zum 1. März 2020 in Kraft. Es soll  Fachkräften mit qualifizierter Berufsausbildung aus Nicht-EU-Staaten die Einwanderung nach Deutschland erleichtern. Die Bestimmungen für Akademiker bleiben bestehen.

Die Begrenzung auf Engpassberufe entfällt. Die Einreise zur Arbeitsplatzsuche für qualifizierte Kräfte ist für ein halbes Jahr möglich, wenn Deutschkenntnisse vorhanden sind und der Lebensunterhalt für diese Zeit gesichert ist. Weitere Informationen unter: www.make-it-in-germany.com ⇥ug