Über Instagram hatte Roland Kaiser vom "Baltic Sea Circle" erfahren, der "nördlichsten Rallye des Erdballs" – so steht es auf der offiziellen Website. Von Hamburg aus geht es zum Nordkap, dann weiter nach Russland. "Ich habe sofort gedacht: Das will ich auch machen", sagt der 38-Jährige. Also gründete er mit seinen Freunden Marcel Michael und Mirko Meyer das Rallye-Team "Pitown Kerle".
Die Regeln der Tour um die Ostsee sind streng: Die Teilnehmer dürfen keine GPS- und Navigationssysteme benutzen, navigiert wird mit Kompass und Landkarten. "Das kriegen wir hin, wir haben das früher ja noch gelernt", sagt Kaiser. Die Autobahn ist für die Teams tabu, alle Rallye-Fahrzeuge müssen mindestens 20 Jahre alt sein.
Es geht beim "Baltic Sea Circle" aber nicht nur um ein Reiseabenteuer. Die Teilnehmer sammeln Geld für wohltätige Projekte – etwa zur Suizidprävention oder zur Bekämpfung von Krebs. Die drei Männer aus Pritzwalk in der Prignitz haben sich dafür entschieden, Spenden für die Trauergruppe "Lumina" des Ruppiner Hospizes zu sammeln. Auf der Onlineplattform betterplace.org können Unterstützer einen selbstgewählten Betrag spenden. "Wir sind sehr dankbar, wenn Menschen an uns herantreten und uns unterstützen", sagt Krankenschwester Christine Wiegand. Die 33-Jährige organisiert ehrenamtlich die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche in Neuruppin.
Zurzeit treffen sich alle zwei Wochen vier Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, die zum Beispiel ein Elternteil oder ein anderes Familienmitglied verloren haben. Außerdem gibt es eine Einzelbegleitung für diejenigen, die nicht in der Gruppe sprechen wollen. Wiegand hat schon eine Idee, wozu sie die Spendengelder nutzen könnte: Sie würde gerne eine Trauerreise ermöglichen, über mehrere Tage mit den betroffenen Familien wegfahren.
Bisher haben die Pitown Kerle über 2 000 Euro für die Trauergruppe gesammelt. Ihr Ziel sind 7 500 Euro. Die Teilnahmegebühr für die Rallye bezahlen sie selbst, für den Umbau ihres Busses suchen sie aber noch Unterstützung: Dem Wagen fehlen helle LED-Strahler für das Dach. Aktuell wird der Bulli technisch überprüft. "Dann müssen wir ihn noch lackieren", sagt Kaiser. Unternehmen, die das Team unterstützen, sollen auf der Karosserie verewigt werden. Für die unterschiedlichen Straßenanforderungen bekommt der VW-Bus außerdem spezielle Reifen. "Damit kann er sowohl auf Asphalt als auch im Matsch fahren."
Schlafen dürfen die Rallye-Teilnehmer, wo und wie sie wollen: im Auto, im Zelt, aber auch im Luxushotel. Letzteres komme für die Pitown Kerle aber nicht in Frage, sagt Kaiser. "Mit Hotels ist so ein Trip ja nichts Besonderes mehr." Der Bulli bekommt deshalb ein Dachzelt, außerdem lässt sich die Rücksitzbank umklappen, wird so zum Bett. Für den Umbau haben die Männer noch etwas Zeit: Die Rallye beginnt am 13. Juni.
Um die Strecke in den vorgegebenen 16 Tagen zu schaffen, müssen die Teams fast 470 Kilometer pro Tag fahren. Die drei Prignitzer wollen sich aber nicht stressen, sondern auch mal in Ruhe angeln gehen. Angst davor, dass sie sich auf engem Raum gegenseitig zu sehr nerven, haben die Freunde nicht. Sie seien bereits früher zusammen in den Urlaub gefahren, sagt Kaiser. Jeder von ihnen wisse: "Wenn es mal knallt, dann ist das nichts Persönliches."

Größte deutscheSpendenseite


Die Website betterplace.org ist nach eigenen Angaben Deutschlands größte Spendenplattform im Netz. Sie wirbt damit, teilnehmende Organisationen zu Transparenz zu verpflichten. Seit dem Jahr 2007 wurden dort über 75 Millionen Euro für gemeinnützige Organisationen gesammelt.

Betterplace stellt eine Spendenbescheinigung aus. Die Website wird von der gemeinnützigen Aktiengesellschaft gut.org aus Berlin betrieben. moc