Corona-Krise: Die Helden am Patientenbett

Für die Gesundheit: Auch die Mitarbeiter des BIZ bitten ihre Mitmenschen, in der Corona-Krise zuhause zu bleiben.
privatSämtliche befinden sich in Einzelzimmern, erklärt Geschäftsführer Robert Lorenz das Prinzip der Einrichtung, die zum Bereich ambulante Intensivpflege-Wohngemeinschaften zählt. Die Bewohner, so werden die Patienten im BIZ genannt, sind schwerstkrank und benötigen eine intensive medizinische Betreuung. Die wird durch gegenwärtig 25 Mitarbeiter gewährleistet. 50 Prozent der Bewohner – der jüngste ist Ende 20, der Älteste Ende 80 – seien Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, einer COPD, berichtet Lorenz. Aber auch Menschen im Wachkoma werden im BIZ versorgt.
Seit der Corona-Krise geschieht dies mit noch mehr Sorgfalt als ohnehin schon. „Wir haben drastische Maßnahmen umgesetzt und verlangen unseren Mitarbeitern so viel ab. Denn sie müssen sich nicht nur in ihrem Privatleben einschränken, sondern nun auch hier in ihrer täglichen Arbeit“, möchte Lorenz den „Helden am Patientenbett“ seinen Dank aussprechen. Trotzdem seien seine Mitarbeiter ständig in Sorge, Überträger des Coronavirus zu sein, so Lorenz, der selbst gerade vor seinem Abschluss als geprüfter Altenpfleger steht. Ursprünglich absolvierte der 32-Jährige eine Ausbildung bei den Stadtwerken. Zu seinem Pflegeteam – betreut werden die Patenten von ihren Hausärzten und einem Beatmungsspezialisten aus Oranienburg – gehören Familienväter, alleinerziehende Mütter und Mitarbeiter, die zu Hause selber hochbetagte Angehörigen zu versorgen haben. „Sie versuchen jeden Tag den Spagat zwischen Risiko, Familienleben und professionellem Umgang in dieser Situation zu meistern“, beschreibt Lorenz die aktuelle Lage, in der sich auch viele andere Heime und Pflegeeinrichtungen befinden.
Kein Fachkräftemangel
Doch die Bewohner im BIZ gehören sämtlich zu den Hochrisikogruppen. Zu ihrem Schutz bleiben Mitarbeiter, die aktuell auch nur das kleinste Kratzen im Hals verspüren, vorsichtshalber zuhause, betont der BIZ-Chef. Derzeit habe er noch keinen Mangel an Fachkräften, beruhigt er. Da das BIZ neben zwei Kliniken der erste Prüfstützpunkt für ausländische Fachkräfte im ambulanten Bereich in Brandenburg sei, könne er auf weitere Kollegen zählen. Diese Fachkräfte in Anerkennung kommen aus dem Kosovo, aus Mazedonien, Albanien oder Serbien und erreichten Deutschland noch vor der Schließung der europäischen Grenzen, berichtet der Geschäftsführer. 95 Prozent des Personals seien aber derzeit noch deutsche Fachkräfte.
Diese wurden auf zwei Standortteams aufgeteilt, die mindestens bis 19. April nun Dauerdienst auf einer Station leisten, um die Kontakte zu Patienten und untereinander einzuschränken. Die Dienstzimmer, in dem sich sonst alle trafen, wurden aufgeteilt. Kleine, aber wirkungsvolle Schritte, neben einer weiteren Verschärfung der Hygieneanweisungen, um mögliche Infektionswege zu reduzieren. Deshalb wird auch Externen wie Angehörigen, Physio- und Ergotherapeuten ebenso der Zugang zum BIZ verwehrt wie Lieferanten, die ihre Waren draußen abladen müssen, so weit dies möglich ist, berichtet Lorenz. Seine Fachkräfte übernehmen vorübergehend einzelne Aufgaben der Physiotherapeuten – beispielsweise, indem sie mit den Patienten Übungen zur Vorbeugung einer Demobilisation der Gelenke durchführen.
Lorenz weiß, dass gerade für die Angehörigen die Zeit besonders schwer sei, weil die Lebensqualität der schwerstkranken Patienten, die rund um die Uhr betreut werden, nun noch weiter eingeschränkt wird. Doch die Familien und Freunde der Bewohner reagieren verständnisvoll, berichtet der Geschäftsführer. „Unsere Wohngemeinschaft war geprägt von Lachen, Nähe und familiärer Atmosphäre. Nun ist es durch die Umsetzung der Einschränkungen sehr ruhig in der Wohngemeinschaft geworden, und die Nähe und das gemeinsame Lachen finden hinter Mundschutz und Handschuhen statt. Die Angehörigen tragen unsere Entscheidungen und die damit verbundenen Einschränkungen aber schweren Herzens mit.“ Per Telefon oder mit einem Blick durch Fensterscheiben werde der lebenswichtige Kontakt aufrecht erhalten.
Der 32-jährige Neuruppiner wünscht sich zudem einen Ausbau der Tele-Medizin, da so in der aktuellen Situation die Kontakte nach außen noch weiter minimiert werden könnten. „So könnten wir auch schneller mit den Ärzten kommunizieren. Auch hier denken wir neu, übergreifend und versuchen einen Weg zu finden.“
Kliniken Hilfe angeboten
Gleich zu Beginn der Corona-Krise habe er zudem Kliniken angeschrieben und seine Unterstützung angeboten. Die Ruppiner Kliniken reagierten erfreut mit einem Anruf der Geschäftsleitung, so Lorenz. Doch der Bedarf war zu diesem Zeitpunkt nicht da. Interesse habe aber die Universitätsklinik aus Greifswald angemeldet. Hilfe von außen könnte jetzt aber das BIZ gebrauchen, denn Handschuhe und Desinfektionsmittel seien zwar ausreichend vorhanden, aber der Mundschutz reiche nur noch für zwei Wochen. „Wir nehmen gerne Spenden an“, so Lorenz. Selbstgenähte Varianten kämen dabei nicht beim Patienten, sondern nur bei den Mitarbeitern untereinander zum Einsatz.
Infokasten
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel