Eigentlich ist die Mitarbeiterin des Kreises als Gleichstellungsbeauftragte und Ausbildungsleiterin tätig. Doch seit Wochenbeginn übernimmt sie gemeinsam mit vielen anderen Kollegen Drei-Stunden-Schichten am vom Landkreis eingerichteten Bürgertelefon zum Coronavirus. "Wir wurden gefragt, wer helfen oder einspringen kann. Ich habe mich freiwillig gemeldet. Es ist für mich selbstverständlich zu helfen." Der Einsatz erfolgt jedoch nur für einen Teil des Tages, damit auch die sonstige Arbeit nicht zu kurz kommt, erklärt sie das Prozedere. "So eine Hotline ist richtig und wichtig", sagt Marlies Grunst. Denn nicht alle Einwohner haben einen Zugang zum Internet, in dem sie sich ausführlich über die Lungenkrankheit Covid-19 informieren können. "Die Hotline hilft den Bürgern, hier ist die Hemmschwelle gering, anzurufen."
Freundlich und ruhig
Während es am Freitagmorgen relativ ruhig bleibt und ein Anruf nach dem anderen abgearbeitet werden kann, seien die Leitungen zur Wochenmitte heiß gelaufen, berichtet die Wittstockerin. Vor allem Menschen, die von der häuslichen Isolation betroffen sind, meldeten sich. Wichtigstes Thema war zu diesem Zeitpunkt die Bescheinigung zum Nachweis für Lohnfortzahlungen des Arbeitgebers. Auch am Freitag hat ein Anrufer dazu eine Frage. Er möchte wissen, wann sie endlich zugestellt wird. Marlies Grunst bleibt freundlich und ruhig. Sie bittet um Geduld und verweist darauf, dass die Bescheinigungen derzeit erarbeitet und mit den Landesbehörden abgestimmt werden.
Appell an die Vernunft
Einem anderen Anrufer erklärt die Kreismitarbeiterin, dass die Anweisung des Gesundheitsamtes zur häuslichen Isolation, die für Schüler, Mitarbeiter der Neustädter Prinz-von-Homburg-Schule sowie deren Familien am 7. März ausgesprochen wurde weiterhin gültig ist. Sie fordert die Betroffenen auf, der Empfehlung bis einschließlich 17. März zu folgen. "Wir können nur an die Vernunft appellieren, dass sich möglichst alle zum Schutz der Bevölkerung daran halten." Es seien vor allem Selbstständige, die sich melden und fragen, wann sie wieder arbeiten oder ihr Geschäft wieder öffnen können. "Die Besorgnis der Menschen ist zu spüren", berichtet Grunst. Sie verweist die Anrufer bei rechtlichen Fragen wegen der häuslichen Isolation zudem auf die Internetseiten des Bundesarbeits- und des Bundeswirtschaftsministeriums.
Fragen zum Coronaverdacht
Seit dem Wochenbeginn habe sich jedoch die Art der Fragen verändert, berichtet die Wittstockerin, die sich vor Dienstantritt stets auch über die aktuellen Entwicklungen zu der Epidemie informiert – zusätzlich zu den Materialien, die vom Landkreis gestellt werden. So bereitet vielen Menschen in Ostprignitz-Ruppin Sorge, welche Veranstaltungen abgesagt werden und welche nach der ab heute geltenden Allgemeinverfügung des Landkreises überhaupt noch stattfinden dürfen. Die Gleichstellungsbeauftragte verweist auf die Veröffentlichungen auf der Seite des Landkreises.
Außerdem erreichten Marlies Grunst gestern mehrere Anrufe von Einwohnern, die Kontakt zu angeblich positiv auf den Coronavirus Sars-CoV-2 getesteten Personen hatten. Es waren Rückkehrer aus dem Skiurlaub oder Berufstätige, die in Gebieten mit vielen Covid-19-Fällen gearbeitet hatten. Solche Fälle meldet Marlies Grunst direkt weiter an das Gesundheitsamt, wo sie im Ordner "dringlich" landen. Damit die Fachleute dann direkt zu den möglichen Verdachtsfällen Kontakt aufnehmen können, nimmt sie die Daten der Betroffenen auf und fragt die Symptome wie Fieber, Husten oder Schnupfen ab. Diese Angaben trägt sie zusammen mit den Angaben zu dem Verdachtsgrund in einen Vordruck ein, der direkt per E-Mail weitergeleitet wird. Auch eine Arztpraxis, die wegen eines Verdachtsfalls bei ihr anrief, verwies die Wittstockerin direkt an das Gesundheitsamt. Grunst vermutet, dass derlei Anfragen zunehmen werden.
Ein Fall ist Marlies Grunst jedoch sehr nahe gegangen: Eine Mutter eines Kindes, dass sich wegen Neustadt in häuslicher Isolation befindet war krank – unabhängig von Corona. Doch weder Hausarzt noch Klinik waren offenbar in der Lage, der Frau zu helfen. "Die Ohnmacht der Mutter war zu spüren." Marlies Grunst bat um die Unterstützung des Gesundheitsamtes.

Die Hotline zum Coronavirus des Landkreises


Die Coronavirus-Hotline des Kreises ist unter 03391 6885376 erreichbar, und zwar montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr.Die Hotline steht nicht für allgemeine Fragen oder Reise-Tipps zur Verfügung, sondern nur für dringende Anliegen. Das gilt vor allem für gesundheitliche Notsituationen, also begründete Verdachtsfälle. Aber auch Menschen, die wegen des Coronavirus Haus oder Wohnung nicht verlassen können und Unterstützung benötigen, können sich an die Hotline wenden. red