Deutschlandticket 2024: Ein Landkreis steigt aus – Gründe, Folgen, das sagt der VBB

Das Deutschlandticket heißt so, weil es überall in Deutschland im Nahverkehr gilt - ab 2024 nur noch mit Einschränkungen. Der erste Landkreis steigt aus.
Boris Roessler/dpaDas Deutschlandticket heißt so, weil es überall in der gesamten Bundesrepublik gilt. Ab Januar 2024 muss es aber heißen: fast überall. Denn der Landkreis Stendal im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt steigt aus dem Ticket aus. Der Beschluss fiel im Kreistag mehrheitlich, wie auf der Seite des Landkreises nachzulesen ist.
Es ist der erste Landkreis in Deutschland, der diesen Schritt geht. Stendal ist weniger als 40 Kilometer von Rathenow, der Kreisstadt des Landkreises Havelland in Brandenburg, entfernt.
Konkret wurde beschlossen, dass der Landkreis Stendal ab 2024 keinen Zuschuss für das Deutschlandticket mehr zahlt. Das wären vom 1. Januar bis 30. April 2024 40.000 Euro gewesen, im gesamten Jahr 120.000 Euro. Begründet wurde die mehrheitliche Ablehnung mit einer schwierigen Haushaltslage.
Die Folge aus dem Stendaler Ausstieg aus dem Deutschlandticket: In den Nahverkehrsbussen gilt das Ticket dann nicht mehr. Auch Inhaber eines Deutschlandtickets müssen in Bussen im Landkreis Stendal ab 2024 also wieder einen separaten Fahrschein kaufen. Betroffen sind laut einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks sechs Buslinien in der Stadt Stendal und 35 Linien im Landkreis. Der Bahnverkehr ist davon nicht betroffen.
Seit dem Beschluss des Kreistages in Stendal wächst die Unruhe in der (Kommunal-)Politik. Laut MDR teilte Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) mit, man bedaure die Entscheidung, müsse sie aber akzeptieren. Die Grünen in der Altmark befürchten nun, dass jetzt andere Landkreise nachziehen. Dem MDR sagte der Altmark-Grünenchef Christian Hauer: „Man kennt ja andere Landkreise, die sowieso schon damit hadern, und es könnte schon ein Signal an andere Landkreise sein, dass sie das Ticket nicht unterstützen. Dann könnte das gesamte Deutschlandticket einfach zugrunde gehen.“
Das Vorgehen des Landkreises Stendal sei grundsätzlich zulässig, so die Einschätzung des Verkehrsverbundes Mittelthüringen gegenüber dem MDR. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zeigt sich einigermaßen verwundert über das Agieren im benachbarten Landkreis Stendal. „Wir können das nicht ganz nachvollziehen“, sagt VBB-Pressesprecher Joachim Radünz auf Nachfrage. „Verbände und Politik in Sachsen-Anhalt schütteln ja auch mit dem Kopf.“ Der VBB stehe zum Deutschlandticket. Es gebe für die Kunden des VBB keinerlei Auswirkungen. Auch sehe er kein Risiko der Nachahmer im Land Brandenburg.
Das Deutschlandticket war zum 1. Mai 2023 als Nachfolger des „9-Euro-Tickets“ eingeführt worden. Mehr als elf Millionen Menschen haben das bislang bundesweit gültige Ticket abonniert, wie eine Untersuchung des Verbands Deutscher Vekehrsunternehmen (VDV) ergab. Eine komplette Übersicht gibt es beim ADAC.
Für das 49-Euro-Ticket gilt demnach eine Einführungsphase von zwei Jahren. Der momentane Preis wird wahrscheinlich nicht von Dauer sein, Erhöhungen sind wahrscheinlich.


