Das Ehrenamt ist nicht gerade der begehrteste Posten: Es verschlingt viel Zeit und bringt am Ende noch nicht einmal Geld ein. Martin Osinski schreckt das nicht ab: Er ist der neue ehrenamtliche Integrationsbeauftragte der Stadt Neuruppin.

Osinski stammt ursprünglich aus dem Rheinland

Osinski hatte sich auf eine Ausschreibung auf der Internetseite der Stadt Neuruppin beworben. Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) schlug ihn dann für den Posten des Integrationsbeauftragten vor. Osinski ist 60 Jahre alt und lebt seit 1993 in der Fontanestadt. Ursprünglich stammt er aus dem Rheinland, wie er den Stadtverordneten erklärte. Nach Neuruppin kam er, weil damals die Landesklinik einen Psychologen gesucht hatte. Osinski bekam die Stelle.

Langzeitpatienten wieder zum Teil der Gesellschaft gemacht

„Das Thema Integration begleitet mich durch mein gesamtes Berufsleben“, schilderte er seine Beweggründe, sich ums Ehrenamt zu bewerben. An der Bonner Uni forschte er bereits in den 1990er-Jahren zu integrativem Schulunterricht, erklärte der 60-Jährige. „Wir konnten damals zeigen, dass integrativer Unterricht allen Kindern zugute kommt, den behinderten und den nicht-behinderten.“ Die 1990er- und 2000er-Jahre waren für Osinski dadurch geprägt, dass er und seine Kollegen die Langzeitstationen der damaligen Landesklinik Neuruppin aufgelöst haben. „Da ging es um die Wiedereingliederung von 450 psychiatrischen Langzeitpatienten, die zu der Zeit nicht mal mehr eine Wohnung außerhalb des Klinikgeländes hatten“, schilderte der Neuruppiner.

Zuständig für die Flüchtlingsunterkünfte im Kreis

Von 2014 bis 2017 war Martin Osinski für den Landkreis als Angestellter der Ruppiner Kliniken für die Flüchtlingsunterkünfte zuständig. „Für mich war das die spannendste und die belohnenste Zeit meiner beruflichen Laufbahn“, sagte Osinski. Er und seine Mitstreiter in der Verwaltung sowie viele Helfer haben damals das Ankommen der Geflüchteten organisiert. „Ich bin noch heute davon überzeugt, dass wir das auch gut hingekriegt haben“, so Osinski. Als dann die Fluchtrouten versperrt wurden und nur noch wenige Geflüchtete in den Landkreis kamen, seien „mit dem gleichen Tempo sehr viele Heimplätze und auch sehr viele Personalstellen wieder abgebaut“ worden. Osinski hat sich beruflich noch einmal umorientiert. Heute ist er gerichtlich bestellter Betreuer beim Betreuungsverein Ruppin.

Engagiert bei „Neuruppin bleibt bunt“

Ehrenamtlich engagiert er sich seit 2007 bei der Initiative „Neuruppin bleibt bunt“. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren sachkundiger Einwohner beim Sozial- und Petitionsausschuss des Kreistages.
„Die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit aller Menschen stellt für mich ein großes Glück dar“, sagte Martin Osinski. „Das ist meine berufliche Erfahrung, und das ist meine innere Überzeugung. Es wäre nicht nur langweilig, es wäre auch ungesund, wenn wir alle gleich oder ähnlich wären.“ Als Neuruppins Integrationsbeauftragter möchte er „hinschauen, zuhören und da, wo es Reibungsverluste gibt, diese verringern“.