Einbürgerung: „Endlich darf ich auch wählen gehen“

Geschafft: Gavin Taylor (Vierter von links) hat jetzt die deutsche Staatsbürgerschaft, die ihm von Waltraud Kuhne (Dritte von links) verliehen wurde. Taylor hatte seine Familie zu dem offiziellen Akt mitgebracht.
Markus KlugeErst einmal zwei Pässe
„Yeah, endlich darf ich auch wählen gehen“, freute sich der 50-Jährige nach dem offiziellen Akt, den Ordnungs- und Sozialdezernentin Waltraud Kuhne vorgenommen hat. „Ich habe mich seit Jahren geärgert, dass ich Steuern zahle, aber nicht wählen darf und immer andere über meinen Kopf entscheiden“, so Taylor, der sich jetzt sogar selbst zur Wahl stellen könnte. Seinen britischen Pass darf Taylor zwar noch behalten, bis alle Fragen zum Brexit und der doppelten Staatsbürgerschaft geklärt sind. „Den brauche ich aber eigentlich nicht mehr. Für die Engländer bin ich immer ein Engländer“, so der Musik-Lehrer, der an der Neuruppiner Karl-Liebknecht-Schule unterrichtet. Die Ungewissheit, die der Brexit mit sich bringt, und seine Kinder, die in Deutschland geboren wurden, waren letztlich die ausschlaggebenden Punkt dafür, dass Taylor die Staatsbürgerschaft wechselte – auch wenn ihn der Papierkram lange Zeit davor zurückschrecken ließ.
1997 erstmals in Rheinsberg
Der 50-Jährige stammt aus der Grafschaft Sussex im Süden Englands. 1997 war Taylor schon einmal im Ruppiner Land. Er ist ausgebildeter Opernsänger (Bass) und trat damals in „Undine“ in der Kammeroper Schloss Rheinsberg auf. Zwei Jahre später zog er komplett nach Deutschland, weil er in Großbritannien keine Arbeit fand. Seit 2003 lebte er in der Prignitz, 2014 kam er mit seiner Familie nach Neuruppin. Das britische Königshaus oder irgendetwas anders aus seiner alten Heimat vermisst er nicht. „Hier ist es ja auch schön, und England ist nicht weit weg“, sagt er. Lediglich seine Muttersprache würde er gerne häufiger hören und sprechen. Deshalb freut sich Taylor auch, wenn er im Ruppiner Land einmal auf Briten trifft.
Die Chancen stehen allerdings nicht so gut. In Ostprignitz-Ruppin sind in den vergangenen vier Jahren lediglich acht Briten eingebürgert worden. Alle anderen Neu-Ostprigniz-Ruppiner kommen aus anderen Ländern rund um den Globus (siehe Kasten).
Einwohnerzahl sinkt
Die Anzahl der Einbürgerungen ist überschaubar. 2015 erhielten in Ostprignitz-Rupin 19 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft, 2016 waren es 18, 2017 wurden 25 Menschen eingebürgert, 2018 16 und im Jahr darauf 34.
Die Bevölkerungsentwicklung beeinflussen diese Zahlen allerdings nicht. Ende 2015 lebten 99 110 Menschen im Kreis. Die Zahl der Einwohner wuchs dann aufgrund der Zuwanderung geringfügig auf 99 414 an. Seitdem sinken die Zahlen wieder kontinuierlich auf 98 893 im vergangenen Jahr, wie das Landesamt für Statistik Berlin-Brandenburg ermittelt hat.
Einbürgerungen von 2015 bis 2019
Vietnam: 17Ver. Königreich: 8Türkei: 6Kasachstan: 3Pakistan: 1Ungarn: 3China: 1Kosovo: 7Bosnien/Herzig: 1Rumänien/Moldau: 7Spanien: 1Russ. Förderation: 6Polen: 9Ukraine: 3Algerien: 2Nepal: 1Slowakei: 1USA: 1Schweiz: 3Italien: 6Iran: 2Thailand: 1Syrien: 2Frankreich: 1Bulgarien: 2Afghanistan: 6Tadschikistan: 1Paraguay: 1Kenia: 1Thailand: 1Nicaragua: 3Ägypten: 1Bulgarien: 1
(Quelle:Kreisverwaltung)⇥red