Eröffnung: Garten der drei Weltreligionen steht für Verständigung

Die Hülle fällt: Redner und Initiatoren des Gartens eröffneten die Anlage feierlich.
Holger RudolphDer Garten besteht aus einem Labyrinth, das schon wegen seiner eher geringen Ausdehnung und Übersichtlichkeit kein Irrgarten ist und es auch nicht sein will. In Hochbeeten werden Kräuter und Gemüse, Nutz- und Wüstenpflanzen gezeigt. Sie alle werden in einem oder mehreren Büchern der drei großen abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam erwähnt. Die Bücher sind das Neue Testament, der Tanach und der Koran.
Neue Wege gehen
Das Labyrinth soll die Besucher dazu einladen, verschlungene Wege zu gehen. Denn auch die meisten Lebenswege sind nicht geradlinig. Ziel des Weges ist ein dreifach veredelter Apfelbaum. Dieser steht für die gemeinsame Wurzel der drei Religionen ebenso wie für die daraus gereiften verschiedenen Früchte.
Wer weiß schon, dass zum Beispiel der Flaschenkürbis und die Raute in den heiligen Schriften erwähnt werden. Die Besucher erfahren dank auch in Blindenschrift ausgestatteter Hinweistafeln vor Ort mehr dazu.
Der Vorsitzende des Stiftkapitels, Dr. Horst Borgmann, von dem die Idee für den Garten stammt, wünschte sich, „dass wir damit Interesse am Christentum wecken können und den Dialog mit den anderen Religionen fördern“. Dann mahnte er: „Es gibt Menschen, die glauben, das christliche Abendland verteidigen zu müssen. Doch sie säen dabei Hass und Zwietracht. Wir halten dagegen und setzen auf Verständigung und Gemeinschaft.“
Der stellvertretende Landrat Werner Nüse erinnerte sich daran, wie er Borgmann bei verschiedenen Behörden auf seinem Weg zur Gestaltung des Klostergeländes begleitet hatte. Auch wenn letztlich nicht alle Blütenträume reiften, habe „Borgmann es geschafft, mit dem Garten des Buches eine wundervolle Aufwertung für die Stadt Lindow zu schaffen“.
Viel Lob für Anlage
Der neue Bürgermeister Udo Rönnefahrt (parteilos) überreichte Borgmann eine DVD mit 400 historischen Aufnahmen von Lindower Gebäuden und Sehenswürdigkeiten, nachdem er den Garten sehr gelobt hatte. Er wünschte sich, dass auch die bisherige langjährige Bürgermeisterin Heidrun Otto (CDU) ein paar Worte sagt. Schließlich sei sie es gewesen, die einst den ersten Spatenstich zum Garten gesetzt hatte. Otto war ebenfalls voll des Lobes: „Ich hätte damals niemals geglaubt, dass hier etwas derart Interessantes entstehen könnte. Dieser Garten ist wunderschön. Mein ganz herzliches Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben.“
Nachdem die Hinweistafel am Eingang des Gartens enthüllt war, erfuhren die Gäste, darunter auch Juden und Muslime, bei einer Führung Wissenswertes über die Pflanzen und ihre Bedeutung in den Schriften. Alle mögen Freunden und Bekannten von der neuen Attraktion berichten, wünschte sich Borgmann. Dann könne der Garten vielleicht schon bald deutlich über die Region hinaus bekannt werden.
Die nächsten Termineim Kloster
Ab dem heutigen Freitag findet immer freitags um 18 Uhr eine Andacht in der Klosterruine statt.
Für den 27. Juni ist eine Lesung zum Thema Fontane in der Klosterruine geplant. Umrahmt wird diese von mit Hafenmusik von Dagmar Flemming.
Am 17. August wird Autor Robert Rauh noch einmal in Lindow zu Gast sein, dieses mal im Kloster. Er liest aus "Fontanes Ruppiner Land". Aktuelle Infos und Termine gibt es unter www.kloster-lindow.de.⇥jvo