Feuerwehr: Eine Vorzeige-Wache ist in Alt Ruppin entstanden
In der Feuerwache Nord-Ost werden die Einheiten aus Alt Ruppin, Wulkow, Nietwerder, Krangen und Molchow vereint. Vor drei Wochen sind die Kameraden dort eingezogen. Die Übergabe hat sich wegen der Corona-Pandemie etwas verzögert. In der kurzen Zeit, in der die Ehrenamtler vor Ort sind, haben sie schon sieben Einsätze vom neuen Standort aus absolviert – alle mit sehr guten Ausrückzeiten, betonte Michael Krüger.
Hoffnung auf neue Mitglieder
Diese Bilanz der ersten Tage hat auch Neuruppins Stadtbrandmeister Reinhard Jachnick am Dienstagabend gezogen. Er erinnerte sich an die Gebietsreform 1993, als von Neuruppin aus plötzlich 17 Gerätehäuser verwaltet und mit Leben gefüllt werden mussten. 2005 hat Jachnick sein Amt übernommen. „Damals war schon die Frage: Was machen wir mit den Häusern?“ Ein Gefahrenabwehr-Bedarfsplan für die Stadt wurde 2007 erstellt. „Und an den haben wir uns gehalten“, so Jachnick. Die Zahl der Gerätehäuser wurde von 17 auf acht reduziert. Standorte wurden zusammengelegt – vor allem, um in Zeiten schrumpfender Mitgliederzahlen die Einsatzbereitschaft weiter zu gewährleisten. 243 Aktive gebe es derzeit in Neuruppin und den Ortsteilen. Dazu kommen 129 Mitglieder der Jugend- und 150 Brandbekämpfer in der Alters- und Ehrenabteilung, erklärte Jachnick. „Wir sind guter Dinge, dass die Zahlen noch einmal nach oben gehen“, sagte der Stadtbrandmeister mit Blick auf die neue Feuerwache. Wenn die Feuerwehr den Ehrenamtlern solche Häuser anbieten kann, sei er optimistisch. Jachnick und auch andere Redner des Tages blicken in diesem Zuge auch auf die nächste große Herausforderung: den Bau einer Hauptwache in Neuruppin ( wir berichteten).
Investitionen mit Hilfe von Fördermitteln
Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) übergab am Dienstag schließlich den symbolischen Schlüssel zur Wache an Zugführer Michael Krüger. 60 Kameraden und zehn Kameradinnen sowie 50 Mitglieder der Jugendfeuerwehr haben am neuen Standort Platz, so Golde. Zurzeit hat die Wache Nord-Ost 50 Aktive, 38 jugendliche Ehrenamtler und 60 Kameraden in der Alters- und Ehrenabteilung. „Die Wache ist so geplant, dass es noch Luft nach oben gibt“, so Golde. Planmäßig und pünktlich sei das Gebäude fertig geworden. Rund 2,8 Millionen Euro wurden investiert, 1,2 Millionen Euro davon waren Fördermittel der Investitionsbank des Landes Brandenburg und des brandenburgischen Innenministeriums. „Doch was nutzt die Infrastruktur ohne Kameraden?“, fragte der Bürgermeister und dankte den Ehrenamtlern für ihr Engagement. Die „große Fete“ werde nachgeholt.
Neuruppins Stadtverordnetenvorsteher Gerd Klier (Linke) machte darauf aufmerksam, dass es die Stadt in den vergangenen Jahren immer geschafft hat, die Ausstattung der Feuerwehr zu stellen und zu verbessern. Corona-bedingt gebe es große Herausforderungen: Einnahmen brechen weg, weniger Geld werde zur Verfügung stehen. Mit dem Wenigen müsse künftig das Optimale herausgeholt werden.
Kreisbrandmeister Lehmann mit Lob für Kameraden
Kreisbrandmeister Olaf Lehmann war ebenfalls zu Gast in Alt Ruppin. Er hatte viele lobende Worte für die Männer und Frauen im Gepäck, die sich ehrenamtlich bei der Wehr engagieren. „Da ist eine Einstellung da, die viele andere nicht haben.“ Lehmann hatte ein Geschenk mitgebracht: eine Uhr fürs neue Haus. Die soll die Feuerwehrleute in Zukunft daran erinnern, dass sie auch mal an Familie und Freunde denken – an alle jene also, die durchs zeitintensive Ehrenamt schon mal hinten an stehen müssen.
Die Daten zur neuen Wache
2,8 Millionen Euro hat die Wache gekostet. So viel war auch eingeplant. 1,2 Millionen Euro waren Fördermittel.
Begonnen wurde der Bau im November 2018. Mehr als 40 Gewerke haben an der Wache gearbeitet.
Sechs Fahrzeuge haben in der Fahrzeughalle Platz. Da der vierte Löschzug auf Ölabwehr auf dem Wasser und Wasserrettung spezialisiert ist, gibt es ein Rettungsboot, eine Ölsperre und einen Ölseperator. ⇥jvo


