Bereits seit 2011 stand Olaf Lehmann als Stellvertreter dem ehemaligen Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald, der im Dezember mit einem großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet wurde, zur Seite. Nun also in der ersten Reihe – Lehmann freut sich auf die neue Verantwortung. Er bezeichnet sie als "Helfen an anderer Stelle". Denn der 52-Jährige muss in seiner Funktion nicht nur für die Wehren da sein, zu denen er weiter ein kameradschaftliches Verhältnis pflegen will, sondern wenn es nötig ist, auch "einmal meckern". Er ist quasi das Bindeglied zwischen Kreis und Feuerwehr. "Ich helfe dem Landrat bei seiner Fachaufsicht für die Feuerwehr."
Ehrenamtlich tätig
Doch auch Lehmann wird – wie sein Vorgänger – das Amt weiter ehrenamtlich ausüben. Damit dies besser möglich ist, stehen ihm jetzt mit Ralf Leppin (Neuruppin), Mathias Herzberg (Rheinsberg) und Steffen Müller (Wittstock) drei statt bisher zwei Stellvertreter zur Seite, von denen zwei zudem beim Kreis beschäftigt sind. Auf diese Regelung sei sich mit dem Landrat geeinigt worden, berichtet der 52-Jährige. Denn in seinem Hauptberuf ist Olaf Lehmann als Landesbeamter Polizist. Er bildet seit 2012 an der Hochschule der Polizei in Kyritz Kollegen beim Schießtraining weiter. Der Wechsel dorthin vom Streifendienst, in dem er seit 1991 tätig war, war sein eigener Wunsch. "Ich wollte etwas anderes machen. Jetzt kann ich meine Kollegen zum Thema Sicherheit in ihrem täglichen Dienst unterstützen." Olaf Lehmann ist auch für den technischen Bereich der Schießanlage zuständig.
Doch sein Herz gehört der Feuerwehr. Nachdem bereits Vater und Bruder bei Bränden im Einsatz waren, freute sich Olaf Lehmann, als er 1981 als 14-Jähriger auch selbst endlich zur Arbeitsgemeinschaft junger Brandschutzhelfer gehen durfte. Zwei Jahre später wechselte er in den aktiven Dienst. Nach Schule und Armeezeit absolvierte der heute zweifache Großvater und fünffache Vater – seine Kinder sind zwischen 15 und 33 Jahre alt – eine Lehre zum Anlagentechniker, bevor er in Sachsen seine Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann begann. "Die Idee war lange geboren. Ich wollte helfen, und mich faszinierte die Technik." Bis 1991 war er dann bei der Feuerwehr im Kernkraftwerk in Rheinsberg tätig. Als er vor die Wahl gestellt wurde, beim Wachschutz für das Objekt in Rheinsberg zu arbeiten oder zur Polizei zu gehen, entschied er sich für Letzteres.
Engagement für die Jugend
Parallel zu seinem Hauptberuf absolvierte Olaf Lehmann sämtliche ehrenamtliche Ausbildungsstufen bei der Freiwilligen Feuerwehr Neuruppin, wo er 1993 Gruppenführer wurde und von 1993 bis 1998 die Jugendarbeit übernahm. Ihm habe es Freude gemacht, die Kinder und Jugendlichen an die Feuerwehr heranzuführen und gleichzeitig auch die Nachwuchsgewinnung voran zu treiben. "Die Arbeit mit Kindern hat Spaß gemacht, sie für die Feuerwehr zu faszinieren und ihnen die technischen Dinge zu erklären", so Lehmann, der stolz darauf ist, dass aus dieser Arbeit viele gestandene Feuerleute hervorgegangen sind. Und so ist es nur folgerichtig, dass der 52-Jährige von 1998 bis 2008 als Kreisjugendfeuerwehrwart im Einsatz war. Heute gibt es in den zehn Wehren im Kreis 628 aktive Jugendliche, sowie 62 Kinder in den drei Kinderfeuerwehren in Wittstock, Neustadt und Fehrbellin.
Diese Arbeit will Olaf Lehmann auch als Kreisbrandmeister unterstützen. "Ich möchte die Nachwuchsgewinnung forcieren. Hier muss mehr getan werden, denn wir werden alle älter." Froh ist der 52-Jährige, der vor genau 20 Jahren mit seiner Familie in ein altes Fachwerkhaus nach Kyritz zog, dass sich die Zahl der aktiven Kameraden im Kreis stabilisiert hat. Nach einem lang anhaltenden Abwärtstrend konnten 2019 immerhin 13 neue Kameraden begrüßt werden. Insgesamt sind 1 789 Feuerwehrleute in Ostprignitz-Ruppin aktiv. Doch es waren einmal mehr als 3 000 Kameraden. Im Jahr 2006 lag die Zahl noch bei 2 885. Besonders in Kyritz und Lindow stimmen ihn die Werte nachdenklich. "Es ist die Frage, wie lange das noch ehrenamtlich zu leisten ist."
Ein weiteres Ziel für seine sechsjährige Amtszeit sieht Lehmann darin, das Aus- und Weiterbildungsniveau weiter hoch zu halten. "Vom Truppmann bis zum Wehrführer sollen alle so gut wie möglich qualifiziert sein", so der Kyritzer, der in seiner neuen Heimatstadt selbst sechs Jahre stellvertretender Wehrführer war. Seine neue Aufgabe als Kreisbrandmeister, für die er die Unterstützung der Wehrführer im Kreis bekam, empfindet er als wichtiges Ehrenamt. Bis zu 600 Extrastunden im Jahr hat er bereits als Stellvertreter und für die Arbeit im Kreisfeuerwehrverband aufgebracht. Ein Grund, weshalb er zukünftig darauf achten wird, dass bei allem Engagement die Familie – er hat auch noch drei Pflegekinder – nicht zu kurz kommt.