Garten des Buches: Startschuss für Arbeiten auf dem Klostergelände

Zeiten der Veränderung: Auf dem Areal des Lindower Klosters wird sich 2019 viel tun.
VeranstalterEs hat länger gedauert, als angenommen, dass das ambitionierte Projekt umgesetzt wird. Bereits vor fast exakt einem Jahr stellten Pfarrer Sascha Gebauer aus Berlin und Landschaftsplanerin Susanne Geitz aus Wulkow bei Kyritz die Pläne für den Garten vor. Damals gingen sie davon aus, dass die Arbeiten noch 2018 starten. Es kam zu Verzögerungen. Umso mehr freut sich Borgmann, dass es nun losgeht.
Im „Garten des Buches“ sollen Pflanzen zu sehen sein, die in der Bibel, im Koran und im Talmud erwähnt werden. Die Anlage soll somit die drei abrahamitischen Religionen Christentum, Islam und Judentum vereinen. Laut Borgmann sind die Aufträge für das erste Baulos, den Wegebau und die Bewässerungsanlagen, bereits vergeben. Auch der Aufbau eines Stahlgerüstes für Laubengänge sowie Hoch- und Tischbeete, die auch für Rollstuhlfahrer gut zu besichtigen sind, seien bereits in Auftrag gegeben. Lässt das Wetter es zu, denkt Borgmann, dass der Großteil der Arbeiten im März abgeschlossen sind. „Wir hoffen, im April pflanzen zu können“, so der Stiftskapitel-Vorsitzende. Es sollen vor allem Gewächse aus dem Mittelmeerraum angelegt werden: Datteln, Feigen, Oliven, Granatäpfel und auch Senf. „Wenn irgendwann Früchte wachsen, dürfen unsere Besucher sie natürlich essen. Es gibt im Alten Testament die Regel, dass man sich so viele Früchte, wie man in die Hand nehmen kann, auch mitnehmen darf“, so Borgmann.
Insgesamt werden für den „Garten des Buches“ rund 220 000 Euro ausgegeben. Die Kosten trägt das Kloster mit Eigen- und Fördermitteln vom Landesamt für ländliche Entwicklung. Borgmann hofft, dass die Behörde auch die beantragten Fördergelder für das Perelshaus genehmigt. Das 1954 errichtete Gebäude, benannt nach dem 1945 von der SS ermordeten Justitiar der bekennenden Kirche, Friedrich Justus Perel, soll als Tagungsort genutzt werden. Dazu müssen unter anderem sanitäre Anlagen modernisiert werden. Die Räume im Obergeschoss sollen als Ferienwohnungen oder Pilgerunterkünfte dienen. Für dieses Projekt sind rund 730 000 Euro veranschlagt. Die Baugenehmigung für das Vorhaben liegt laut Borgmann bereits vor. Er ist guter Dinge, dass noch in diesem Monat der Fördermittelbescheid eintrifft. „Ich denke, in diesem Jahr wird es vorangehen“, so Borgmann.
Dann gibt es nur noch ein Vorhaben, dass er perspektivisch anpacken möchte: die Neugestaltung des alten Friedhofs. Zwar soll der verwunschene Charme der Anlage erhalten bleiben. Borgmann möchte aber eine klarere Gestaltung. Unter anderem sollen die Grundrisse des ehemaligen Kreuzgangs erkennbar werden. Für das Projekt sind 450 000 Euro angesetzt.
Das Kloster
■ Das Kloster Lindow ist um 1230 als Zisterzienserinnenkloster von den Grafen von Arnstein gegründet worden. Die Stadt Lindow entstand rund um die Klosteranlage.
■ Mit dem Tod des letzten Grafen von Lindow-Ruppin fiel das Kloster 1524 an die Mark Brandenburg. Es zählte zu jener Zeit zu den reichsten Klöstern der Mark. Zu seinen Besitzungen gehörten 90 000 Morgen Land, 18 Dörfer, 20 wüste Feldmarken, neun Wassermühlen, mehrere Fischteiche und Seen.
■ Im Dreißigjährigen Krieg (1638) wurde die Klosteranlage durch kaiserliche Truppen zerstört. ⇥(red)