Geschäftsleben
: Der schwimmende Kiosk

Seit acht Jahren versorgt Jens Winkelmann Urlauber auf den Rheinsberger Seen und in Mecklenburg-Vorpommern. Von Jürgen Rammelt.
Von
Jürgen Rammelt
Kleinzerlang
Jetzt in der App anhören
  • Geschäfte auf dem Wasser: Jens Winkelmann verkauft auf dem Pälitzsee zwei Stück Kuchen und einen Ruppiner Anzeiger an die Familie Unterberger. Die Schweriner sind seit 20 Jahren jeden Sommer auf dem Gewässer unterwegs

    Geschäfte auf dem Wasser: Jens Winkelmann verkauft auf dem Pälitzsee zwei Stück Kuchen und einen Ruppiner Anzeiger an die Familie Unterberger. Die Schweriner sind seit 20 Jahren jeden Sommer auf dem Gewässer unterwegs

    Jürgen Rammelt
  • Geschäftstüchtig: Viele Touristen möchten ein Foto von dem schwimmenden Kiosk machen. Jens Winkelmann hat deshalb vorgesorgt.

    Geschäftstüchtig: Viele Touristen möchten ein Foto von dem schwimmenden Kiosk machen. Jens Winkelmann hat deshalb vorgesorgt.

    Jürgen Rammelt
1 / 2

Jens Winkelmann ist in Zechlinerhütte zu Hause. Er hat sich dem Tourismus verschrieben und besitzt mit seiner Frau Berit am Kleinen Pälitzsee einen Boots- und  Fahrradverleih. Dazu gehört auch der einzige auf dem Wasser schwimmende Kiosk auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Von  Ende Juni bis Anfang September, eigentlich solange wie bundesweit Schulferien sind, fährt er mit seinem Boot über die Seen und versucht, seine Waren an Urlauber zu verkaufen. „Die Idee kam mir vor acht Jahren“, berichtet der 57-Jährige. „Begonnen hat alles mit einem Ruderkahn vom Typ Anka, der von einem vier PS starken Motor angetrieben wurde.“ Zuerst waren es die Zeltplätze und vor Anker liegenden Schiffe auf den Seen rings um Zechlinerhütte,  die zum Kundenkreis von Jens Winkelmann gehörten. Doch mit der Zeit sammelte er Erfahrungen, und auch das Warensortiment, das er bei seinen Touren mitführte, wurde immer umfangreicher.

Heute ist das Boot, mit dem der Betreiber des Wasserkiosks auf den Seen unterwegs ist, wesentlich größer und vor allem geräumiger. Neben Artikeln des täglichen Bedarfs hat Winkelmann Bier, Wein, Sekt, Wasser, Milch sowie alkoholfreie Getränke und sogar selbst hergestellten Eierlikör an Bord. Aber auch Speiseeis, Kaffee, Gurken und Tomaten aus dem eigenen Garten, Kaugummi, Bonbons und frische Brötchen gehören zum Angebot. Der Renner ist frischer  Kuchen, den Winkelmanns Frau gebacken hat. Die geräucherten und schmackhaften Saiblinge und Forellen sind bei den Urlaubern ebenfalls beliebt. Und natürlich dürfen auch einige Exemplare der aktuellen Tageszeitungen, so auch der Ruppiner Anzeiger, nicht fehlen.

Bevor der Kiosk in See sticht, heißt es, das Boot zu beladen. Der Hafen befindet sich in Kleinzerlang unmittelbar neben dem Restaurant „Boot & mehr“. Es ist eine ideale Lage, um von dort auf der Rheinsberger Seenkette bis zur Diemitzer und Strasener Schleuse zu gelangen und die Urlauber auf dem Wasser und an den Seeufern mit Getränken und den anderen Waren zu versorgen. Schon das Beladen ist eine Herausforderung. Jede Kiste hat ihren Platz. Auf der Spitze des Bootes steht je eine Flasche der mitgeführten Getränke. „Die Auswahl ist nicht groß, aber ausreichend“, erklärt Winkelmann. Das Eis und andere zu kühlende Waren befinden sich in einer Box, die an eine Steckdose angeschlossen wird. Wenn jemand mitfährt, müssen die Lasten anders verteilt werden. „Das Boot muss möglichst gerade im Wasser liegen“, erklärt Winkelmann, der sich inzwischen eine Kapitänsmütze aufgesetzt hat. Als letztes wird noch die Glocke aufgehängt, mit der sich der Kioskbetreiber auf dem Wasser bemerkbar macht, wenn er sich einem Boot mit Urlaubern nähert.

Erst kaufen, dann knipsen

Kurz vor 9 Uhr, wenn das Leben auf den Seen erwacht, wird der Motor angeworfen. Es geht in Richtung Großer Pälitzsee. Bereits nach einigen hundert Metern winken Leute von einem Motorboot. Winkelmann hat das schnell mitbekommen, und mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ begrüßt man sich. Familie Unterberger, die in Schwerin wohnt, hat die Rheinsberger Gewässer vor 20 Jahren als Urlaubsdomizil entdeckt. Seitdem sind sie jeden Sommer hier. Zwei Stücke Kuchen und eine Zeitung wechseln den Besitzer. Höflich und mit dem Hinweis auf die Umwelt bittet Jens Winkelmann seine Kunden um einen Teller, auf dem er vorsichtig den Apfelkuchen platziert. Es wird gescherzt und bezahlt, und schon geht es weiter.

Nach nur wenigen Minuten nähert sich der schwimmende Kiosk einem Charterboot. Die darauf befindlichen Urlauber berichten, dass sie aus Stuttgart kommen und „erstmals die wunderschöne Landschaft“ mit einem gemieteten Schiff erkunden. Sie entscheiden sich für vier Stücke Kuchen und einen Saibling. Die Urlauber möchten das ungewöhnliche Kauferlebnis auf einem Foto festhalten. Jens Winkelmann hat in dem Fall nichts dagegen. Wenn jemand ihn und seinen Wasserkiosk fotografieren, aber nichts kaufen möchte, hat er vorgesorgt: Dann hält er ein Schild in die Kamera auf dem steht „Erst kaufen dann knipsen!“

Obwohl der Tag gut begonnen hat, ist er für Jens Winkelmann noch lange nicht zu Ende. „Zumindest bis der Räucherfisch und der Kuchen nicht verkauft  sind, ist nicht Feierabend“, gibt er sich kämpferisch. Andererseits trifft er bei seiner Fahrt mit dem Wasserkiosk über die Mecklenburger und Rheinsberger Seen in der Regel auf fröhliche und zufriedene Menschen. Dafür kann der Tag auch mal etwas länger sein.

Infokasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel