Häusliche Gewalt
: Das Frauenhaus in OPR braucht mehr Platz

Die Zahl der Polizeieinsätze ist in Ostprignitz-Ruppin wegen häuslicher Gewalt leicht gestiegen. Befürchtet wird eine hohe Dunkelziffer.
Von
Ulrike Gawande
Ostprignitz-Ruppin
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Symbolbild zum Thema häusliche Gewalt

Maurizio Gambarini

Seit dem Beginn des Corona-Lockdowns am 16. März sind bis zum 18. Mai alleine 33 Meldungen wegen häuslicher Gewalt bei der Polizei eingegangen. Im Vorjahreszeitraum waren es 30 Einsätze. Doch Michaela Rönnefahrt fürchtet, dass die Dunkelziffer an Fällen deutlich höher liegt. So gab es alleine bis Mitte April zwölf Wohnungsverweisungen für zehn Tage, berichtet sie. Die Fachfrau sieht die Zeit der Corona-Beschränkungen als große Herausforderung für Familien.  „Besonders für die Kinder“, betont sie, da Kitas und Schulen als Ort zum Ausweichen oder andere Plätze als Rückszugsorte fehlen. Es gebe für viele Familien keine Möglichkeiten sich aus dem Wege zu gehen. „Für einige gibt es dann fast keine gewaltfreie Zeit mehr“, so Rönnefahrt.

Daher verwundert es auch nicht, dass das Frauenhaus mit seinen 17 Betten in fünf Räumen derzeit voll belegt ist. Auch wenn in diesem Fall kein direkter Zusammenhang zur Corona-Krise besteht. Die Frauen, die mit ihren Kindern Zuflucht in der Einrichtung suchen, bleiben nicht mehr wie vor zehn Jahren nur drei bis vier Monate, berichtet Michaela Rönnefahrt, sondern teilweise bis zu einem Jahr. Hintergrund sei die aktuell schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt und die Länge der gerichtlichen Prozesse zum Umgangsrecht. Doch auf diese Veränderungen ist das Frauenhaus nicht eingestellt. So gibt es aktuell Überlegungen, ein weiteres Objekt als alternative Unterkunft ins Auge zu fassen. In akuten Fällen seien jedoch drei Notbetten vorhanden, berichtet Michaela Rönnefahrt. Außerdem sei das Frauenhaus landes- und bundesweit vernetzt, um ausweichen zu können.