Handball
: Die Bundesliga ins Visier genommen

Mit einem klaren Ziel vor Augen und vielversprechenden Attributen im Köcher wechselt ein HCN-Talent nach Magdeburg.
Von
Gunnar Reblin
Neuruppin
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Verfolgt einen großen Traum: Maarten Hendryk Elwert. Der 14-jährige Linkshänder wechselt vom HC Neuruppin ins Landesleistungszentrum des Handball-Bundesligisten SC Magdeburg. Dort wird der aktuell 1,84 Meter große Rückraumspieler ab August besonders gefördert.

Gunnar Reblin

Ein ehrgeiziger Mitreißer

An Ehrgeiz, Fleiß und das Setzen von ehrgeizigen Zielen hat es dem Blondschopf nie gefehlt, wie sein Trainer Torben Leue berichtet. „Maarten hat schon immer hohe Ziele gehabt, ist ein richtig cooler Typ und hat vor allem auch die Fähigkeit, seine Mitspieler mitzunehmen und mitzureißen“, stimmt der Coach ein Loblied auf seinen "Noch-Schützling“ an. Dazu ist Elwert mit reichlich Talent gesegnet. Das wurde ihm ein Stück weit auch in die Wiege gelegt, denn Vater Marco war auch ein Handballer. „Aber ein noch besser Ruderer“, wie er anmerkt. Marco Elwert agierte früher als Rechtsaußen auf der "Platte“, Sohn Maarten fühlt sich im rechten Rückraum am wohlsten. Erst in der D-Jugend schloss sich Elwert Junior dem HCN an, probierte sich vorher beim Karate aus. „Aber das war nichts für mich“, gesteht der schmächtige Jüngling. Im Alter von zehn Jahren ließ er erstmals sein Talent aufblitzen. Es dauerte nicht lange, bis die Sportschule Potsdam auf ihn aufmerksam wurde. Das war 2018. Der Neuruppiner wagte den Schritt, der aber wohl zu früh kam. „Ich habe mich dort nicht so richtig wohlgefühlt“, blickt er zurück. Somit ging es nach kurzer Zeit wieder zurück in die Heimat, und auch zurück zu seinem Förderer Torben Leue. Der sagt: „Für unsere Jugendmannschaft, egal ob D- oder später C-Jugend war Maarten immer ein ganz wichtiger Spieler, nicht nur wegen seiner Torgefährlichkeit aus dem Rückraum, sondern auch wegen seiner Führungsqualitäten.“ Und der große Fan von Nationalspieler und Füchse-Spieler Fabian Wiede stach auch aufgrund seiner Körperlänge heraus. „Er war schon immer einen Kopf größer als seine Mitspieler“, fügt Vater Marco an. Die Körperlängen-Prognose, einst in Potsdam erstellt, bescheinigt Maarten Elwert künftig ein 2,04 Meter-Gardemaß. Für einen Rückraumspieler nicht unerheblich. Dazu ein Linkshänder. Ein begehrtes Attribut im Handballsport.

Beruhigende Probewoche

Im Handball-Landesleistungszentrum des SC Magdeburg, das sich die Weiterentwicklung individueller Fähigkeiten junger Spieler auf die Fahnen geschrieben hat, soll der Neuruppiner „Diamant“ weiter geschliffen werden. Dort trifft Elwert auf ein anderes Ruppiner Talent: Mats Brigzsinky. Der war im Sommer 2019 von Hansa Wittstock in die Bördestadt gewechselt und spielte für den SCM zuletzt in der DI-Jugend.

Zurück zu Elwert: Bei einer Sichtung im November vergangenen Jahres hoben die Magdeburger aus sportlicher Sicht schon einmal die Daumen. Vor kurzem absolvierte Elwert eine Probewoche beim SCM, nahm am Schulunterricht teil, lernte das Leben im Internat kennen und trainierte mit. „Das hat mir richtig gut gefallen.“ Er habe durchweg nette Menschen kennengelernt. „Auch die Lehrer waren gut“, lächelt er schelmisch. Insgesamt sei er sehr gut aufgenommen worden. Am 10. August beginnt die Vorbereitung mit der C-Jugend des SCM unter der Führung von Trainer Matthias Bäurer. Auch mit ihm kommt der Bald-Magdeburger gut klar.

Dass der berühmte Club aus Sachsen-Anhalt nicht nur aus dem nahen Umland Spieler rekrutiert, zeigt die künftige Zimmerbelegung mit dem Neuruppiner Maarten Elwert und einem Österreicher. „Er kommt aus Salzburg, wir verstehen uns prima“, freut sich der Fontanestädter auf die gemeinsame Zeit, mit täglichem Training, also jeder Menge Förderung. Vater Marco Elwert sagt: „Er hat diese Chance bekommen, jetzt wünsche ich mir für ihn, dass er sie ergreift.“ Die Unterstützung des Elternhauses, die Familie lebt in Dabergotz, sei ganz wichtig, weiß auch HCN-Trainer Torben Leue. „Auch wir als Verein drücken kräftig die Daumen.“ Mit Maartens Bruder Mathis (7 Jahre) steht ein weiterer Elwert bereits in den Startlöchern beim HCN.

Für den HC Neuruppin ist der Verlust eines weiteren Talents Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil dem Jugendbereich, und einer Mannschaft ganz besonders, viel Qualität verloren geht. Segen, weil es einmal mehr ein beachtlich-lobenswertes Licht auf die Ausbildung wirft, „gerade für einen so kleinen Verein wie den HCN, in einer eher kleinen Handball-Stadt“, wie HCN-Vorstandsmitglied Sabrina Leue einstuft. In den vergangenen Jahren hat der HCN zahlreiche Talente hervorgebracht und ihnen damit den Weg zu höherklassigem Handball geebnet (siehe Übersicht.)

Sprung von Neuruppin auf die große Bühne

Zahlreiche Talente sind in den vergangenen Jahren in der Jugendabteilung des HC Neuruppin herangereift, die sich dann für höhere Aufgaben empfohlen haben. Eine Übersicht:

Maarten Hendryk Elwert (2020)⇥ HLZ MagdeburgAdrian Gstrein (2020)⇥Sportschule CottbusAlex Wolf (2017)⇥Sportschule PotsdamRayn Horsford (2016)⇥Sportschule Cottbus, inzwischen wieder zurück beim HCNShawn Horsford (2017)⇥Sportschule CottbusJan Drefahl (2018)⇥Sportschule SchwerinNico Hecht (2017)⇥Oranienburger HC (3. Liga), inzwischen bei der HG Hamburg-BarmbekAlex-Julian Krause (2017)⇥Oranienburger HCLeon Wenske⇥SV Fortuna ´50 Neubrandenburg, Wechsel 2018 zum DHK Flensborg (3. Liga)Patrick Schmidt (2014)⇥nach Usedom, dann Empor Rostock, seit 2019 beim Stralsunder HVErik Hansen (2016)⇥Potsdam, jetzt OHCFabio Pastor (2010)⇥Leipzig, Rostock, Potsdam, jetzt beim OHC⇥gü