Heimische Wirtschaft
: Neuruppiner eröffnet neues Geschäft für Angel-Fans

Der Neuruppiner Björn Baldschun eröffnet Anfang April seinen Laden „Tackle Junkee“. Angler sollen dort alles finden, was sie wirklich brauchen.
Von
Judith Melzer-Voigt
Neuruppin
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  • Hat lange überlegt: Björn Baldschun ist leidenschaftlicher Angler seit 40 Jahren. Mit der Selbstständigkeit macht er sein Hobby zum Beruf.

    Hat lange überlegt: Björn Baldschun ist leidenschaftlicher Angler seit 40 Jahren. Mit der Selbstständigkeit macht er sein Hobby zum Beruf.

    Judith Melzer-Voigt
  • Karpfenangler sind speziell: Ein Bereich im Laden von Björn Baldschun (rechts) widmet sich nur diesem Fisch. Bei der Existenzgründung hat Robin Schmidt, Projektleiter beim Lotsendienst, geholfen.

    Karpfenangler sind speziell: Ein Bereich im Laden von Björn Baldschun (rechts) widmet sich nur diesem Fisch. Bei der Existenzgründung hat Robin Schmidt, Projektleiter beim Lotsendienst, geholfen.

    Judith Melzer-Voigt
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„Ich selbst angle seit ungefähr 40 Jahren“, erklärt der 45-jährige Baldschun. „Als ich noch ein Kind war, hat meine Mutter es gehasst, dass ich am See bei Anglern immer stehengeblieben bin und ewig zugeguckt habe.“ Die Leidenschaft liegt in der Familie: Baldschuns Onkel war Karl-Dietrich Völker, der einst ein Angelgeschäft in Neuruppin betrieben hat. Björn Baldschun selbst hat jahrelang bei einem großen Laden dieser Art in der Stadt als Filialleiter gearbeitet.

Von der Idee zum Geschäft

Doch der Wunsch nach etwas Eigenem war schon lange da. Familie, Freunde und selbst die Kunden bei seinem vorherigen Arbeitgeber haben den 45-Jährigen bestärkt, sich selbstständig zu machen. Im Sommer 2018 fasste der Neuruppiner schließlich den Entschluss. Er besuchte im Herbst die Gründerwochen der Raiffeisenbank Ostprignitz-Ruppin. Dort kam er mit dem Lotsendienst der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) und Projektleiter Robin Schmidt in Kontakt. Er berät Gründer über künftige Schritte und dazu, wie realistisch die Geschäftsidee ist. Bei Björn Baldschun hatte Schmidt ein gutes Gefühl: „Es ist nicht oft so, dass jemand mit so einer klaren Idee zu uns kommt.“ Baldschun stamme aus der Branche, mache sein Hobby zum Beruf: Das seien beste Voraussetzungen. Bei einem Development-Center im Herbst 2018 verfestigte sich der Eindruck. „Für mich wurde dort auch alles konkreter“, sagt Baldschun.

Geschäftsräume zu finden, sei schwierig gewesen. Im Sommer 2019 war aber auch das geschafft: Dort, wo ehemals eine Fleischerei und ein Bäcker neben der Penny-Filiale an der Fehrbelliner Straße ihren Standort hatten, dreht sich nun alles ums Angeln. Mit Hilfe von Freunden und der Familie hat Björn Baldschun alles umgebaut. Die Decken haben unterschiedliche Höhen. „Ich wollte etwas Besonderes“, erklärt er.

Traum verwirklicht

Vielen Menschen gehe es so, dass sie einen Traum haben, diesen aber nie verwirklichen, weiß der 45-jährige Neuruppiner. Er ist jetzt schon froh, dass er den Schritt gewagt hat: „Du musst ein Angler sein, um ein Angelgeschäft zu verstehen. Für uns ist das so etwas wie eine Kirche.“ Auf 140 Quadratmetern können Angler nun ab dem 4. April immer montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 14 Uhr alles kaufen, was ihr Herz begehrt. Mit einem Angestellten wird Björn Baldschun die Kunden empfangen. Der Angelladen ist das Herzstück des Ganzen, wird aber durch eine Koi-Zucht ergänzt. „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu einem in Polen ansässigen holländischen Koi­züchter“, erklärt Baldschun, der selbst auch einige dieser Farbkarpfen hält. Mit Hilfe dieses Züchters vermittelt er die Fische auch an Interessierte.

Karpfen sind Spezialgebiet

Beim Blick durch den Laden wird die Struktur schnell klar: Es gibt Regale für Hochseefischer und einen sogenannten „Plumpserbereich“. „Da werden die Leute angesprochen, die, salopp gesagt, an den See gehen, ihren Köder ins Wasser plumpsen lassen, einen Fisch fangen und wieder nach Hause gehen“, erklärt Björn Baldschun. Im Raubfisch-Bereich finden sich etliche Köder nebeneinander. „Derzeit sind UV-Farben ein großes Thema“, so der Fachmann. Diese Köder wirken mitunter recht unscheinbar. Hält man sie aber unter UV-Licht, leuchten sie. „Und das sieht ein Fisch unter Wasser und wird aufmerksam.“ Eines der größten Abteile im Laden widmet sich aber dem Karpfenfischen, einer Spezialdisziplin, die auch Baldschuns Leidenschaft ist. „Das ist wie Golf“, sagt der 45-Jährige. Kostet eine Kopflampe fürs normale Angeln zwischen zehn und 30 Euro, fallen beim Karpfenangeln 60 bis 100 Euro an. „Karpfenangler schauen lange am Tag ihre Ausrüstung an, denn sie fangen nicht ständig Fische. Da sollte das Equipment auch perfekt sein.“ Grills, eine tragbare Toilette, Besteck, Bisswarner, Kameras und vieles andere mehr hat Baldschun für Karpfenfans im Angebot. Darunter sind auch sogenannte Abhakmatten. Darauf werden die gefangenen Fische abgelegt, um ihnen den Haken aus dem Maul zu ziehen und sie zu fotografieren. Der Preis: stolze 499 Euro. „Karpfenangler sind noch ein bisschen wahnsinniger als die anderen“, ist Björn Baldschun überzeugt.

Der Neuruppiner ist Mitglied im Angelverein Binenwalde. Bei „Tackle Junkee“ wird es ab April auch Angelkarten für die regionalen Gewässer geben. „Wir arbeiten sehr eng mit den Fischern zusammen und haben ein breites Angebot“, so Baldschun. Er ist zuversichtlich, dass sein Geschäftskonzept aufgeht: „Wenn alles gut klappt, muss ich nie wieder arbeiten. Ich mache dann den ganzen Tag genau das, was ich liebe.“

Der Lotsendienst

Der Regionale Lotsendienst der REG ist unter der Telefonnummer 03391 82209202 oder per E-Mail an rs@reg-nordwestbrandenburg.de erreichbar. Ansprechpartner ist Robin Schmidt.

Die Beratungen für Existenzgründer sind kostenlos. Sie laufen folgendermaßen ab: Zuerst gibt es ein individuelles Gespräch, dann nehmen Gründer an einem viertägigen Development-Center teil, bei dem die Gründungsidee unter die Lupe genommen wird.

Anschließend sind Einzelcoachings möglich, bei denen auch ein Businessplan erstellt wird.⇥jvo