Hilfe: Die Zukunft des Neuruppiner Weihnachtsmarktes ist ungewiss

Geschichtenerzählerin, Lebkuchenhaus, Weihnachtsmann: Die meisten Angebote für Kinder sind auf dem Neuen Weihnachtsmarkt kostenlos – und sie sollen es auch bleiben. Auch von einem Eintritt halten Christian Juhre und der Verein Neuruppiner Bilderbogen nichts, denn dieser würde dem Grundgedanken des Marktes widersprechen.
Eckhard Handke„Als ich vor vier Jahren mit dem Neuen Weihnachtsmarkt angetreten bin, wollte ich zeigen, dass man einen solchen Markt in Neuruppin machen kann“, sagt Christian Juhre. Fazit der Vergangenheit: Ja, es ist machbar. Nachdem der große, ebenfalls privat getragene Weihnachtsmarkt im Uphus und im Museumshof vor einigen Jahren wegfiel, gab es recht überschaubare städtische Versuche, einen eigenen derartigen Markt in der Stadt zu etablieren. Erfolg hatten sie nicht. Private Akteure dagegen lockten die Besucher durchaus an. Der Neue Weihnachtsmarkt hat sich nun zu der längsten und auch am besten besuchten Veranstaltung gemausert. Er ist der einzige mehrtägige Markt in der Neuruppiner Innenstadt.
Gespräche ohne Ergebnis
„Wir haben immer das Gespräch mit der Stadt gesucht“, so Juhre. Die Organisation eines Weihnachtsmarktes sei ja eigentlich die Sache einer Kommune, ist er überzeugt. „Aber wir sind nie zu einem Ergebnis gekommen.“ Zwar würde die Stadt dem Verein den Neuen Markt günstiger zur Verfügung stellen. „Aber wenn das Stadtmarketing so einen Weihnachtsmarkt auf die Beine stellen würde: Müsste es dann auch all die Kosten tragen, die wir haben?“, fragt Juhre. Rund 30 000 Euro würden für den Neuen Weihnachtsmarkt anfallen. „Würden wir die vielen Ehrenamtler bezahlen, die uns helfen, wäre die Summe um einiges höher.“ Dieses Geld wolle der Verein gar nicht von der Stadt haben, betont Juhre. „Es geht um eine Geste, um Unterstützung und um eine Entscheidung für diesen Markt. Wir könnten mit relativ wenig Geld viel erreichen.“ Ein gemeinnütziger Verein stehe hinter dem Ganzen. „Da muss man ganz anders agieren, als man es privatwirtschaftlich kann“, so Juhre. Die Standmieten würden beim Neuen Weihnachtsmarkt bewusst gering gehalten werden, da sich vor allem lokale Anbieter dort präsentieren sollen. „Das dadurch eingenommene Geld reicht kaum für die Miete der Hütten.“
Werbepartner brachen weg
Die meiste finanzielle Unterstützung gibt es durch die Werbepartner. Wenn dann aber, wie 2019, einige große Unternehmen abspringen, weil sie schon Laga und Fontanejahr begleiten, werde es schwierig. „Solche Veranstaltungen wie unsere sind dann die, bei denen gestrichen wird, wenn es kein Kontingent mehr gibt.“ Juhre ist überzeugt: „Wenn die Stadt sagen würde, dass wir beispielsweise 10 000 Euro bekommen, wäre uns ja schon geholfen.“ Vor allem würde das Geld quasi von einer Tasche der Kommune in die andere wandern: Diese Summe würde der Verein für das Bezahlen des Standortes, der Gewerbeanmeldung und anderer bürokratischer Posten nutzen.
Auch wenn die begeisterten Besucher eine andere Sprache sprechen: In der Neuruppiner Verwaltung ist man nicht davon überzeugt, dass der Neue Weihnachtsmarkt eine so besondere Veranstaltung ist. Die traditionellen Stadtfeste würden durch das Stadtmarketing der Inkom organisiert, heißt es aus dem Rathaus. Es sei bewusst entschieden worden, nach dem Martinimarkt Anfang November eine „kleinere weihnachtliche Aktion in Form von ‚Licht an!’ auf dem Schulplatz durchzuführen“. Zusätzlich fänden verschiedene Weihnachtsmärkte in den Ortsteilen sowie die Weihnachtswerkstatt in der Pfarrkirche statt. Darauf, dass erstere meist privat organisiert und letztere kein Weihnachtsmarkt ist, geht die Stadt nicht ein. „Insofern kann man meines Erachtens nicht sagen, dass es ohne den Weihnachtsmarkt auf dem Neuen Markt, keinen Weihnachtsmarkt gäbe“, so Stadtsprecherin Michaela Ott.
Der Markt sei aber eine Bereicherung für die Stadt. „Es bleibt allerdings eine privatrechtliche Veranstaltung, deren Organisation dem Verein obliegt“, so Ott. Würde die Verwaltung beabsichtigen, selbst einen Weihnachtsmarkt zu organisieren, müsste die Umsetzung ausgeschrieben werden oder könnte an die Inkom übertragen werden. „In jedem Fall wären im Vorfeld entsprechende finanzielle Mittel für diese nicht-pflichtige Aufgabe bereitzustellen.“
Kein Beschluss geplant
Seitens der Verwaltung ist es derzeit nicht geplant, einen Beschluss zur finanziellen Unterstützung des Neuen Weihnachtsmarktes in die Stadtverordnetenversammlung einzubringen. Auch ein entsprechender Antrag aus der Lokalpolitik ist Stadtsprecherin Michaela Ott nicht bekannt.
Für Juhre und die anderen Vereinsmitglieder steht nach 2019 fest: „Wir können das so nicht mehr stemmen. Den Weihnachtsmarkt können wir nicht um jeden Preis veranstalten.“ Es gehe um eine Grundsatzentscheidung: Steht die Stadt hinter dem Markt oder tut sie es nicht?
Warum kein Eintritt?
Die Besucher des Marktes sollen auch künftig keinen Eintritt bezahlen. Diesen überhaupt zu kassieren, ist laut Christian Juhre schwer logistisch umzusetzen.
Außerdem soll der Markt für alle da sein – nicht nur für die, die ihn sich leisten können.⇥jvo