Gino hat mich stark gemacht“, sagt Sindy Zechlin aus Dechtow. Ihr neunjähriger Sohn ist seit seiner Geburt schwerst mehrfachbehindert und verlangt ihr viel ab. Ein „stilles Mäuschen“, das sie früher war, könne sie nun nicht mehr sein, sagt die 34-Jährige. Damit die insgesamt sechsköpfige Familie aus Dechtow künftig wieder gemeinsam etwas unternehmen kann, sammelt sie derzeit mit Hilfe von Vereinen und Stiftungen Geld für ein behindertengerechtes Auto. Denn bis Oktober steht ihr nur ein unzuverlässiger Kleinwagen zur Verfügung, der kein TÜV mehr bekommen wird.

Auto hat mehrfach nicht funktioniert

„Ich habe mittlerweile Angst damit zu fahren“, sagt die 34-Jährige. Ihr Nissan Micra klingt nicht nur schlimm. Mehrfach hat er sie auch schon im Stich gelassen – unter anderem in den Neuruppiner Kreisverkehren. Auf ein Auto sind Zechlins aber angewiesen – spätestens seitdem sie von Neuruppin aufs Dorf gezogen sind. „Hier fährt der Bus nur zweimal am Tag“, sagt der zwölfjährige Sohn Lennart. Der Umzug vor vier Jahren aufs Land sei aber nötig gewesen. Denn in Dechtow hat die Familie eine bezahlbare und barrierefreie Wohnung bekommen, in der sie sich wohl fühlt. Auch Gino hat dort sein eigenes Zimmer – mit genügend Platz und einem behindertengerechten Bett, aus dem er nicht herausfallen kann.

Weißer Fleck als Indiz für Krankheit

Gino leidet an vielen Krankheiten, die auf ein Rhabdomyom, also einen Tumor am Herzen, zurückgehen. Als Sindy Zechlin mit dem Kleinen schwanger war, war beim Ultraschall bereits ein kleiner weißer Fleck auf seinem Herz festgestellt worden. Der wurde immer größer, was selbst die Ärzte unheimlich fanden. „Ich habe mir erst mal keinen Kopf gemacht. Ich bin ja etwas fülliger, da kann beim Ultraschall viel passieren“, sagt die 34-Jährige. Die Ärzte bereiteten sie dennoch darauf vor, dass ihr Kind unheilbar krank zur Welt kommen wird – Trisomie 21 wollten sie nicht ausschließen. Die junge Mutter dachte sogar über eine Abtreibung nach. Im Anschluss an das Beratungsgespräch mit einer Psychologin stand für sie aber fest, dass sie das Kind behalten möchte.

Operation als Neugeborener

Gino kam am 11. April 2011 auf die Welt – allerdings nicht mit Trisomie 21, sondern mit einer schweren Herzkrankheit, die statistischen gesehen nur eins von 20 000 Kindern betrifft. Laut Sindy Zechlin hätten die Ärzte noch nie zuvor einen so großen Herztumor bei einem Neugeborenen gesehen. Bereits an seinem dritten Tag musste Gino am Herzen operiert werden. Seit seinem zehnten Lebenstag schlägt in seiner jungen Brust ein Schrittmacher.
Gino leidet aber auch an Tumoren und Fehlbildungen im Gehirn, an Epilepsie und vielen anderen Krankheiten mehr. Er kann nicht sprechen. Sein Seh- und Hörvermögen sind eingeschränkt und er hat autistische Züge. „Die Ärzte haben ihm damals keine lange Lebenszeit prophezeit“, sagt die Mutter. Dass er neun Jahre alt geworden ist, stehen und sogar ein paar Schritte laufen kann, hätte nie jemand gedacht. Mit Hilfe eines Fahrdienstes und eines Einzelfallbetreuer besucht Gino sogar die Schule am Kastaniensteg in Neuruppin – und das sehr gerne.

Familie ist auf Grundsicherung angewiesen

Sindy Zechlin, die Kauffrau gelernt hat, muss für Gino allerdings rund um die Uhr abrufbar sein. Ihr Mann Adrian ist selbst an Krebs erkrankt und darf kein Auto fahren und kann ebenfalls nicht arbeiten. Die Familie ist auf Grundsicherung angewiesen. Weil bei ihr aber auch alles glatt laufe, bekomme sie von den Betreuungsbehörden keine weiteren Hilfen. „Manchmal würde ich mir das aber wünschen“, räumt sie ein. Große Sprünge seien da finanziell nicht drin.
Dennoch braucht die Familie ein größeres und sichereres Auto. Im Micra hat weder die gesamte Familie Platz, noch gibt es genügend Raum für Ginos Rollstuhl. Wollen Zechlins das Dorf verlassen, muss Mutter Sindy zweimal fahren oder Freunde und Familie müssen mit ihren Autos aushelfen. „Dabei wären wir im Sommer auch gerne mal an die Badewiese nach Wustrau gefahren“, sagt die 34-Jährige. Und nicht zuletzt kann Gino in dem Auto nicht sicher transportiert werden. „Er schnallt sich auch schon mal ab und greift mir ins Lenkrad“, beschreibt die Mutter eine Gefahrensituation. Auf der anderen Seite ist der Junge in seiner Beweglichkeit so eingeschränkt, dass das Hineinsetzen ins Auto und das Herausheben für sie kaum noch zu bewältigen ist.

Mindestens 6000 Euro fehlen noch

Weil die Situation derart schwierig ist, hat die Familie bereits im vergangenen Jahr den „Verein zur Unterstützung behinderter Menschen zum Erreichen und Erhalt individueller Mobilität“, kurz „Mobil mit Behinderung“ (MMB) um Hilfe gebeten und 85 Stiftungen angeschrieben. Und das mit Erfolg. Ein Neuruppiner Autohaus würde der Familie einen ausreichend großen Renault Traffic für rund 29.000 Euro verkaufen. Spenden in Höhe von rund rund 19.000 Euro sind bereits auf dem MMB-Konto eingegangen. „Der Verein würde sich auch noch mit 4000 Euro beteiligen“, sagt Sindy Zechlin. Aber mindestens 6000 Euro fehlen derzeit noch, die die Familie unbedingt braucht, um ihren derzeit größten Wunsch zu erfüllen, der ihnen allen Mobilität und Gemeinsamkeit geben würde. Selbst die Behörden erachten das als wichtig und haben bereits zugesagt, den behindertengerechten Umbau mit rund 13.400 Euro zu finanzieren. So kurz vor dem Ziel, will die Familie nicht aufgeben. „So lange es Gino so gut geht, möchten wir ein schönes und lebenswertes Leben für ihn ermöglichen“, hat die Mutter an die Stiftungen geschrieben. Sie wollen unabhängig von überlasteten Fahrdiensten werden, sicher zur Therapie fahren können und wie andere Familien auch einmal gemeinsam Ausflüge unternehmen, die auch Gino sehr genießt.

Spendenkonto


Der gemeinnützige Verein „Mobil mit Behinderung“ hat für Familie Zechlin ein Spendenkonto eingerichtet, über das auch Spendenquittungen ausgestellt werden. Wer die Familie unterstützen möchte, kann das über folgende Bankverbindung tun:

Konto: Mobil mit Behinderung e.V.

Bank: VR Bank Südpfalz eG

IBAN: DE27 5486 2500 0207 1385 80
Verwendungszweck: Gino