Immobilien: Mehr Wohnungen, mehr Verkehr in Neuruppin

Bis zu 250 neue Wohnungen können im Seetorviertel entstehen. Das bedeutet: mindestens 250 Autos.
Judith Melzer-VoigtDiese betrafen nicht das Vorhaben an sich, sondern vor allem planerische Details — die Frage etwa, ob und wie viele Ferienwohnungen in dem Gebiet erlaubt sein werden. Der Stadtverordnete Siegfried Wittkopf (BVB/Freie Wähler) hatte sich unter anderem danach erkundigt, da ihm eine entsprechende Formulierung im B–Plan „juristisch zu schwammig“ war. Er wollte bereits im jüngsten Haupt– und Finanzausschuss wissen, ob eine prozentuale Obergrenze für Ferienwohnungen in diesem Gebiet vorgesehen ist.
Keine Obergrenze für Ferienwohnungen
Laut Neuruppins Stadtverwaltung ist durchaus vorgesehen, dass die Menschen in dem neuen Wohngebiet dauerhaft wohnen. Eine offizielle Obergrenze für Ferienwohnungen gibt es aber nicht. Diese sind jedoch nur in einem bestimmten Areal zugelassen. Das betrifft die ehemalige Direktorenvilla. Dort soll eine Pension untergebracht werden, die laut Stadt auch zulässig wäre.
Wenn im Seetorviertel immer mehr neue Wohnungen entstehen, wird dort auch der Verkehr zunehmen. „In der Ecke gibt es ja auch nicht viel Einzelhandel oder Lebensmittelläden“, sagte der Abgeordnete Walter Tolsdorf (CDU). Er hatte vor allem die Frage, ob im Zuge des Umbaus der Steinstraße durch den Landesbetrieb für Straßenwesen auch gleich an die Verkehrszunahme gedacht wird.
Diese Bedenken teilt auch die Stadt: An die 250 Wohnungen werden laut Arne Krohn im Bereich des Seetorviertels neu entstehen. Selbst bei der Annahme, dass jeder Haushalt nur ein Auto hat, kämen schnell 250 Fahrzeuge hinzu. „Das bedeutet auch, dass es viele Fahrten mehr geben wird“, so Krohn. „Da werden wir uns Gedanken drüber machen müssen, wie die Verkehrsströme geführt werden müssen.“
Baustelle wegen Ausbau der Steinstraße ab 2022/23
Die Abstimmungen für den Ausbau der Steinstraße als Teil der L 167 laufen laut Krohn derzeit. Der Landesbetrieb für Straßenwesen habe eine erste Entwurfsplanung erstellt, die gegenwärtig auch mit der Stadt besprochen wird. „Es ist vorgesehen, nach gegenwärtigem Stand, ab 2022/23 mit den Arbeiten zu beginnen“, so der Baudezernent. Die Sanierung der Landesstraße wird auch genau im besagten Bereich an der Steinstraße starten und sich von dort in Richtung Wittstocker Allee ziehen. Hintergrund für diesen Startpunkt der Arbeiten sei auch, dass die Stadtwerke ihre unterirdischen Medien sanieren werden. An der Steinstraße befinde sich der tiefste Punkt, von dem aus das Regenwasser in Anlagen und Leitungen geführt wird. „Und nach dem technologischen Standard fängt man bei diesen Leitungen am tiefsten Punkt an“, erklärte Arne Krohn.
Walter Tolsdorf kritisierte, dass es zum B–Plan für diesen Bereich des Seetorviertels keinen Bauausschuss im Vorfeld gab. Damit fehle eine wichtige Beratung im Fachausschuss. Einige Fragen hätten geklärt werden können. Tolsdorf hat im Plan beispielsweise den Passus entdeckt, dass es durch Bodenverunreinigungen und -aushub auch sein könne, dass es doch keine Tiefgaragen vor Ort geben werde — was die Parksituation stark beeinflussen würde.
Arne Krohn erinnerte daran, dass von Corona noch keine Rede war, als der B–Plan im Entwurf besprochen wurde. Das Projekt sei damals auch in den Fachausschüssen besprochen worden. Neue Bestimmungen seien inzwischen nicht dazugekommen. „Die Tiefgarage ist definitiv Bestandteil des Erschließungsvertrages, den wir über den Bebauungsplan hinaus abgeschlossen haben“, sagte Krohn. Der Erdaushub müsse sowieso vorgenommen werden: Die Kontamination des Erdreiches würde sonst gar keine Wohnbebauung vor Ort zulassen.