Ohne den Austausch mit anderen Kulturen würde vieles von dem fehlen, was heute fast gleichbedeutend mit deutscher Kultur ist. Davon ist Jacques-Yves Henry überzeugt. Der gebürtige Franzose lebt seit drei Jahren in Wusterhausen und hat auch schlagkräftige Argumente parat, um seinen Standpunkt zu untermauern: „Äpfel sind aus dem Asiatischen gekommen. Und auch Fußball und Tennis sind Importe, die heute fest zum Kulturgut zählen“, sagt er. Das legt für ihn nur einen Schluss nahe: „Wir sind in Europa von Geburt an interkulturell.“

Das vorhandene Kulturgut wird ergänzt, nicht verdrängt

Und genau deshalb beteiligt sich Henry auch mit mehreren Angeboten an der Interkulturellen Woche, die in diesem Jahr am Sonntag, 13. September, in Rheinsberg mit einem Gottesdienst und einem anschließenden Fest der Vielfalt eröffnet wird. „Ich möchte zeigen, wie sehr andere Kulturen uns bereichern, ohne dass dadurch das Vorhandene verschwinden muss“, sagt der Wahl-Wusterhausener. Daher startet der von ihm organisierte „Zusammen sein in Wusterhausen“-Tag auch mit einem türkischen Frühstück im Urfa-Grill am Bahnhof. Schließlich habe die türkische Küche sich weit verbreitet. „Den deutschen Rinderbraten hat das aber nicht verdrängt.“

15 Veranstaltungen trotz Pandemie

Nicht nur in Wusterhausen gibt es Angebote im Rahmen der Interkulturellen Woche. Zwar ist der Umfang der Programmpunkte im Vergleich zu den Vorjahren geschrumpft. „Es sind aber trotz Corona 15 Veranstaltungen zusammengekommen“, freut sich die Referentin für Flüchtlingsintegration, Kerstin Brendler, die alles zusammengetragen hat. „Noch im Juni hätten wir nicht gedacht, dass überhaupt etwas möglich sein wird.“ Aber die Pandemie kann nicht komplett ausgeklammert werden. Mindestabstand und andere gängige Vorsichtsvorkehrungen wie das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen gelten bei allen Treffen. „Desinfektionsmittel werden gestellt“, so Brendler. Und wer Symptome zeigt, wird gebeten, zu Hause zu bleiben, oder zumindest auf die Online-Angebote auszuweichen, die ebenfalls zum Programm gehören. Dass es solche überhaupt gibt, ist laut der Integrationsreferentin Brendler ein absolutes Novum für die Interkulturelle Woche.

Gottesdienste als Rahmen

Eingerahmt wird die Woche, von zwei Gottesdiensten – dem zur Eröffnung in Rheinsberg und einem weiteren, der am 4. Oktober in der Christuskirche in Neuruppin stattfindet, und der orientalische Elemente in die Zeremonie mit einbinden wird. Darüber hinaus gibt es Filmvorführungen in Wittstock, Vernetzungstreffen für Frauen, Kreatives Gestalten, das an Schulen und Kitas in Neuruppin und Fehrbellin angeboten wird, einen Tag der offenen Tür im Neuruppiner Esta-Haus, eine zweitägige Fortbildung, ein Fotowettbewerb und ein interaktives Märchenprojekt. Zudem fallen gleich zwei thematisch passende Gedenktage in den Zeitraum: der von der Kirche ausgerufene Welttag des Migranten sowie der bundesdeutsche Tag des Flüchtlings.

Das Programm der Interkulturellen Woche in OPR


Sonntag, 13. September: In Rheinsberg findet die Eröffnungsveranstaltung für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin statt. Die Evangelische Gemeinde lädt nach einem Gottesdienst zwischen 10.15 und 15 Uhr zum Fest der Vielfalt auf dem Kirchplatz ein.

Dienstag, 15. September: Für Kinder ab sechs Jahren gibt es von 14 bis 16 Uhr das interaktive Märchenprojekt „KiLeBu“ im Haus der Begegnung in Neuruppin.

Am Dienstag und Mittwoch wird ein zweitägiger kostenloser Workshop zu „Grundlagen der Arbeitsmarktintegratoin von Geflüchteten und interkultureller Kompetenz“ im ehemaligen Technologie- und Gründerzentrum an der Alt Ruppiner Allee in Neuruppin angeboten. Anmeldungen sind erforderlich unter 0335 5569322 oder per Email an Sabine.huelse@bbw-ostbrandenburg.de.

Mittwoch, 15. September: Das Märchenprojekt „KiLeBu“ ist zwischen 14 und 16 Uhr im Schülertreff des Bildungscampus in Rheinsberg zu erleben.

Sonntag, 20. September: Im Estahaus der Vielfalt in der Karl-Marx-Straße 98/99 in Neuruppin gibt es zwischen 14 und 18 Uhr einen Tag der offenen Tür.

Donnerstag, 24. September: Ins Haus der Begegnung in Neuruppin lädt die Gleichstellungsbeauftragte Claudia Röttger von 17 bis 20 Uhr zum Vernetzungstreffen zum Thema „Frauenglück in Neuruppin“ ein.

Am Abend wird im Kino Astoria in Wittstock von 19 bis 20.30 Uhr der Film „Tokanara. Starke Menschen, starke Perspektiven“ gezeigt, der vier Menschen mit Fluchterfahrung und deren Ankommen in Brandenburg thematisiert.

Sonnabend, 26. September: „Zusammen sein in Wusterhausen“ heißt es von 10 bis 19 Uhr an mehreren Orten in Wusterhausen. Im Urfa-Grill am Bahnhof gibt es von 10 bis 12 Uhr ein Frühstück mit türkischen Spezialitäten. Von 15 bis 17 Uhr werden in der Bibliothek Geschichten, Lieder und Spiele aus aller Welt präsentiert. Anschließend wird bis 19 Uhr im Turm und vor der Kirche St. Peter und Paul die Ausstellung „Gott mag die Ausländer“ gezeigt und musikalisch von Kantorin Hayan Kim begleitet.

Sonntag, 27. September: Auf dem Hof und im Wegemuseum in Wusterhausen findet von 13 bis 16 Uhr das Apfelfest statt. Zudem ist der Sonntag auch der Welttag des Migranten und des Flüchtlings.

Mittwoch, 30. September: Der während der Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina entstandene Film „Crescendo #makemusicnotwar“, der ein Orchester aus jugendlichen Musikern beider Länder begleitet, wird im Wittstocker Kino Astoria von 18 bis 21 Uhr gezeigt.

Freitag, 2.Oktober: Bundesweit wird der Tag des Flüchtlings gefeiert, bei dem der Schwerpunkt auf die Aspekte Flucht, Asylm Migration und Seenotrettung gelegt wird.

Sonntag, 4. Oktober: Den Abschluss bildet der internationale Gottesdienst von 10 bis 12 Uhr in der Christuskirche an der Neuruppiner August-Bebel-Straße.

Online: Jederzeit können drei Online-Angebote, die ebenfalls zur Interkulturellen Woche zählen, besucht werden: Eines davon ist eine Ausstellung zu Wilhelm Achill d’Orey, eine weitere zeigt „Kanope, Krokodil und Königsstuhl: Globale Geschichten in brandenburgischen Museen“. Das dritte ist ein Fotowettbewerb zum Thema Asyl und Integration, der bis Dienstag, 29. September, läuft. Migrantische Personen können sich unter foto@opr.de beteiligen, indem sie Bilder bis zu einer Größe von 20 Megabyte samt Angabe von Namen und Wohnort einreichen. Daraus soll eine Fotoausstellung entstehen, die im kommenden Jahr bei der Interkulturellen Woche zu sehen sein soll. Am 30. September kommt eine Jury zusammen und bestimmt die Gewinner, denen Gutscheine und Sachpreise winken.