Eberhardt Bödecker war ein großer Bewunderer Preußens. Mit einem Museum wollte er die Errungenschaften, die das Land hervorgebracht hatte, besonders herausstellen. Ursprünglich sollte das Museum allerdings nicht im kleinen beschaulichen Wustrau entstehen, sondern in Berlin-Spandau. Als die dortigen Behörden aber erst ein Konzept verlangten, über das eine Kommission befinden sollte, suchte der Bankier nach einem Alternativ-Standort.

Zieten-Gräber saniert

Schon seit DDR-Zeiten hatte der West-Berliner, der das Umland gern mit der Kamara durchstreifte, eine Beziehung zu Wustrau. Schließlich hat das Dorf mit dem Schloss des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten einen engen Bezug zu Preußen. Bödecker hatte sogar angeboten, die Zietengräber zu sanieren, was von der Obrigkeit im Osten aber abgelehnt wurde. Nach der Wende besuchte Bödecker Wustrau erneut. Auf der Baustelle des Schlosses, das gerade zur Richterakademie umfunktioniert wurde, lernte er die damalige Verwaltungsleiterin der Akademie, Christine Uckrow, kennen. Als er ihr sagte, er wolle etwas für den Ort tun, holte sie den Kirchenschlüssel und sagte ihm, dass das Dach und die Zieten-Gräber saniert werden müssten. Bödecker finanzierte die Arbeiten und kam dadurch in Kontakt mit der Kirchengemeinde. Als er schließlich nach einem Standort für sein Museum suchte, konnte er einen Teil des Pfarrgartens erwerben. Im Oktober 1998 erfolgte die Grundsteinlegung. Rund sieben Millionen D-Mark flossen in den Neubau, der schließlich am 29. September 2000 eröffnet wurde.

Mitarbeiterin der ersten Stunde

Von Anfang an dabei ist Andrea Seehausen. Genau genommen hat sie schon für das Museum gearbeitet, bevor es tatsächlich existierte. Am 1. Januar 1999 trat sie die Stelle als kaufmännische Angestellte an. Den Arbeitsvertrag hatte sie noch vor der Grundsteinlegung unterschrieben. Ihr Büro hatte sie anfangs im Schloss. Zu Beginn bestand ihre Arbeit darin, die Sammlung zu sortieren und die Buchhaltung aufzubauen.
Nach der Eröffnung des Museums führte Andrea Seehausen Besuchergruppen durch die Ausstellungen und kümmerte sich um den Papierkram. Ihre Katze Lucy avancierte eine Zeitlang sogar zum inoffiziellen Maskottchen des Museums. Regelmäßig begleitete sie ihr Frauchen, das nur einen Steinwurf vom Museum entfernt wohnt, zur Arbeit. Nicht selten forderte Lucy von den Besuchergruppen maunzend ihre Streicheleinheiten ein. Mittlerweile die Katze mit fast 20 Jahren aber sehr in die Tage gekommen und bleibt lieber zu Hause. „Als alte Dame vermeidet sie jede unnötige Bewegung“, sagt Seehausen lachend.

Stiftung gegründet

Die Belegschaft des Museums ist im Laufe der Jahre von vier Mitarbeitern zur Eröffnung auf zehn angewachsen. Auch strukturell änderte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten einiges. Betrieb Eberhardt Bödecker das Museum anfangs privat, rief er 2007 die nach ihm benannte Stiftung der er bis zu seinem Tod am 6. Dezember 2016 vorsaß, als Träger der Einrichtung ins Leben. Seit dem Verscheiden von Eberhardt Bödecker ist sein Sohn Dr. Andreas Bödecker an der Spitze der Stiftung.
Der eigentlich geplante große Festakt zum 20. Jahrestag des Museums ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Er soll im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Dr. Eberhardt Bödecker


Eberhardt Bödecker wurde am 21. April 1925 in Zwickau geboren. Er starb am 6. Dezember 2016 in Berlin.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bödecker zum Piloten ausgebildet, konnte mangels Benzin aber nicht mehr fliegen. Stattdessen wurde er als Fallschirmjäger eingesetzt und bei einem Einsatz schwer verletzt.

Er studierte Jura, Wirtschaft und Geschichte in Berlin und den USA und war später Amtsrichter, Verwaltungsrichter und Rechtsanwalt.

Nachdem sein Schwiegervater Hans Weber 1966 in der Folge eines Reitunfalls starb, trat Bödecker dessen Nachfolge als Leiter der Weberbank an. 1995 trat er in den Ruhestand.

Bödecker schrieb auch mehrere Bücher über die Geschichte Preußens. Am 29. September 2000 eröffnete das von ihm ins Leben gerufene Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau.

Bödecker gehörte dem 1969 von Hans-Joachim Schoeps und Louis Ferdinand von Preußen auf Burg Hohenzollern gegründeten Zollernkreis an. Er wurde 1992 Mitglied der Preußischen Historischen Kommission.