Jubiläum
: Kfz-Werkstatt vor 30 Jahren eröffnet

Ralf Salzwedel betreibt seit 30 Jahren seine Kfz-Werkstatt in Lindow. Am Anfang seiner Selbstständigkeit reparierte er noch Mopeds.
Von
Brian Kehnscherper
Lindow
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Selbstständig in zwei Systemen: Als Ralf Salzwedel vor 30 Jahren seine Kfz-Werkstatt in Lindow eröffnete, hatte er sich noch mit den Einschränkungen in der DDR zu arrangieren. Um Einzelteile zu bekommen, musste er mitunter kreativ werden. Nach der Wende hatte er alle unternehmerischen Freiheiten und Risiken.

Brian Kehnscherper

Autos hatten Ralf Salzwedel, Jahrgang 1964, eigentlich schon immer interessiert. Deshalb lag es für den Ur-Lindower nahe, nach der Oberschule in der Firma Zippel vor Ort eine Ausbildung zum Kfz-Schlosser zu beginnen. Nach der Lehre blieb er in dem Betrieb als Geselle tätig, schraubte an Trabbis, Ladas und Saporoschs, absolvierte aber gleichzeitig die Fortbildung zum Meister. Sein Ziel, sich selbständig zu machen, war jedoch nicht leicht  zu erreichen. „Das war ja damals alles vom Staat gelenkt. Da musste man einige bürokratische Hürden nehmen“, so Salzwedel. Privatunternehmen waren im Arbeiter- und Bauernstaat nicht gern gesehen. Da Handwerker dennoch benötigt wurden, war die Zahl der eigenständigen Werkstätten reglementiert. Ein Gewerbe gründen konnten Handwerker nur, wenn ein anderer Betrieb geschlossen hatte. „Durch den Tod eines Kollegen wurde damals etwas frei“, erinnert sich Salzwedel. Am 1. Januar 1989 eröffnete er hinter seinem Wohnhaus an der Straße Am Gudelacksee eine Werkstatt für Mopeds der Marke Simson.

Als Selbständiger erlebte Ralf Salzwedel die Härten der realsozialistischen Planwirtschaft. Ersatzteile wurden ihm zugeteilt. Nicht immer bekam er, was er auch brauchte. Also musste er kreativ werden. „Ich bin zum Teil bis nach Magdeburg gefahren, um mir Teile zu holen. Da war nichts mit liefern lassen“, erinnert er sich. Es war auch nicht unüblich, alte, verbrauchte Teile zu regenerieren. „Damals wurden alte Teile in speziellen Werkstätten wieder aufgearbeitet. So etwas wird heute kaum noch gemacht.“

Die Wende bot dem jungen Unternehmer ganz neue Möglichkeiten – aber auch die Risiken des freien Wettbewerbs in der Marktwirtschaft. „Man war seines Glückes Schmied“, bezeichnet es Salzwedel. Er erweiterte die Angebote seiner Werkstatt, reparierte auch Autos und Boote, ließ Dekra und TÜV abnehmen und schaffte sich neue Werkzeuge und Messgeräte an. In den Nachwendejahren war die Konjunktur sehr hoch. Die Ostler waren begierig auf Westautos und kauften mitunter die Katze im Sack: überteuerte oder mangelhafte Wagen. „Einige haben über den Preis bezahlt und sich übers Ohr hauen lassen“, so Salzwedel. 1992 stellte der Kfz-Meister seinen ersten Mitarbeiter ein, bildete später auch Lehrlinge in seiner Werkstatt aus.

Im Lauf der Jahre baute sich der heute 54-Jährige einen immer größeren Kundenstamm auf. Die meisten seiner Klienten kommen aus Lindow. Einige nehmen für seine Dienste aber auch den Weg von Neuruppin oder Berlin in Kauf. Da die Technik sich immer weiterentwickelt, muss auch Ralf Salzwedel sich stetig fortbilden und neuen Werkzeuge anschaffen. „Es ist ein Mitlernen mit der Technik“, sagt er. Bei Lehrgängen wurde ihm vermittelt, Klimaanlagen zu warten oder Airbags einzubauen.

Heute arbeitet Ralf Salzwedel am liebsten allein. „Das ist entspannter, ich kann mir die Arbeit einteilen, wie ich sie brauche.“ Der Nachteil ist lediglich, dass die Werkstatt nicht besetzt ist, wenn er zu einem Kunden hinausfährt, der mit seinem Auto liegengeblieben ist. Wenn Ralf Salzwedel irgendwann in den Ruhestand geht, wird seine Werkstatt wohl schließen. Seine Kinder haben andere Berufe ergriffen. Seine Tochter ist Erzieherin und sein Sohn Physiotherapeut. Aber bevor er aufhört, wird der Kfz-Meister sicher noch das 40-jährige Bestehen seiner Werkstatt feiern können.