Verstohlen wischt sich Arno Lisch eine Träne aus dem Augenwinkel, als er von dem Moment erzählt, als er vor 66 Jahren bei einer Tanzveranstaltung in Dierberg seine Frau Ilse kennenlernte. Für den heute 85-Jährigen war es Liebe auf den ersten Blick, als er seine Frau auf der Tanzfläche erblickte. Er ließ es sich nicht nehmen, sie an diesem Abend nach Hause zu bringen. Damals war er 19 und sie 17 Jahre alt.

Feier in Alt Ruppin

Am Mittwoch feierte das Paar mit seinen Gästen im Hotel „Alter Rhin“ in Alt Ruppin seinen 65. Hochzeitstag – die Eiserne Hochzeit. Ein Fest, das so selten begangen wird, dass es dazu sogar traditionell Post vom Bundespräsidenten gibt. Doch bei Ilse und Arno Lisch war ein solcher Brief am Mittwoch noch nicht angekommen. Die 83-jährige Ilse Lisch bleibt jedoch entspannt, schließlich seien sie wegen der Feier schon früh aus dem Haus gegangen.

Die Hochzeit war in Dierberg

An ihre Hochzeit am 23. September 1955 kann sich das Paar noch gut erinnern. „Es war ähnlich heiß wie heute“, lacht Arno Lisch. Mit einer Kutsche, gezogen von zwei Pferden, seien sie vom Standesamt in Dierberg zur kirchlichen Trauung nach Banzendorf, wo damals die Braut lebte, gebracht worden. Gefeiert wurde dann in einem großen Saal mit 100 Gästen. Für gute Stimmung und Tanzlaune sorgte eine Kapelle. Den Termin hatten beide völlig frei gewählt, nachdem bereits im April 1955 ihre Tochter Kornelia das Licht der Welt erblickt hatte. „Wir heiraten, wann wir wollen, nicht wenn wir müssen“, erinnert sich Ilse Lisch an die damaligen Erwartungen in ihrem Umfeld, wegen der Schwangerschaft sich das Ja-Wort geben zu müssen.

Vielfältiges Berufsleben

Doch Ilse Lisch ist bis heute nicht der Typ, der sich gerne in Entscheidungen hereinreden lässt. Schon als junge Frau ging sie trotz ihres jungen Mutterseins ihren Weg. Zwar habe sie die Oberschule wegen ihrer Tochter in der zwölften Klasse verlassen müssen, doch während ihrer Arbeit bei der Landtechnik Rheinsberg, wo das Paar lebte, machte sie parallel eine Ausbildung zur Buchhalterin. Arno Lisch hatte in Berlin eine Lehre zum Schlosser absolviert. Er arbeitete ebenfalls bei der Landtechnik Rheinsberg, wo er seinen Meister und Lehrmeister machte und später als Leiter tätig war.

Beide absolvierten Fernstudien

Doch beide gaben sich nie mit dem Erreichten zufrieden, sondern nutzten stets die Gelegenheit, sich weiterzubilden. 1971 zog die Familie nach Neuruppin, wo Ilse Lisch beim Rat der Stadt tätig war. Parallel absolvierte sie ein Fernstudium für Staat und Recht. Ab 1974 war sie für 15 Jahre Stadträtin für Gesundheit und Sozialwesen. Auch ihren Mann zog es an die Hochschule: Ebenfalls in einem Fernstudium ließe er sich an der Humboldt-Universität zu Berlin zum Diplom-Juristen ausbilden. Sein Wissen brachte er später als Mitarbeiter der Kreisleitung ein. „Wir kannten keine Langeweile“, fasst Ilse Lisch lächelnd ihr Berufsleben zusammen, das erst Anfang der 1990er-Jahre mit dem Vorruhestand endete.

Ehrenamtliches Engagement

Doch wer jetzt glaubt, dass es die beiden Neuruppiner danach ruhiger angingen ließen, der irrt. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, da kann ich doch jetzt nicht zu Hause sitzen“, habe sie sich damals gedacht, verrät die agile 83-Jährige. „Wir haben keine Zeit, um am Fenster zu sitzen“, ergänzt schmunzelnd Arno Lisch. „Sonst wären wir auch nicht so alt geworden.“ So kümmert sie sich als Mitglied des Seniorenbeirates seit Jahren um die Belange der älteren Menschen in der Fontanestadt und engagiert sich seit fast 30 Jahren als Schatzmeisterin im Verein Jahresringe.

Wandern als Hobby

Er hingegen ist das Gesicht der Wanderbewegung beim Polizeisportverein. „Ich bin der Chef der 50-köpfigen Truppe“, so der 85-Jährige, der wegen zwei Knieoperationen jedoch mittlerweile nicht mehr die ganz großen Strecken mitläuft. Doch mehr als drei Kilometer müssen es doch jeden Donnerstag sein, wenn Wandern auf dem Kalender steht. Er kennt sämtliche Wanderwege im Kreis und auch über die Kreisgrenzen hinweg. Ein wenig ins Schwärmen gerät er, als er von den zentralen Wandertreffen erzählt.

Leidenschaft für Kreuzfahrten

Das Fernweh zog die beiden dann in die Welt hinaus. „Wir sind leidenschaftliche Kreuzfahrer“, verrät Arno Lisch. 19 Mal seien sie unter anderem mit Aida-Schiffen in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Ihren großen Traum erfüllten sie sich nach der Diamantenen Hochzeit vor fünf Jahren, als sie zum Indian Summer nach Kanada fuhren. In diesem Jahr wollte Arno Lisch mit seinem Enkel Alexander (42) auf Kreuzfahrt nach Island. Doch Corona machte die Pläne zunichte.

Ausgleich am Rochowsee

Aktuell sind keine weiteren Reisen geplant. Dafür genießen sie die Wochenenden auf ihrem Grundstück in Luhme am Rochowsee. Wald, Wiesen und Wasser – das sei für sie schon zu DDR-Zeiten der Ausgleich zur Arbeit gewesen, verrät Ilse Lisch. „Das hat mich aufgebaut.“ Gemeinsam mit Arbeitskollegen hätten sie damals eine alte Scheune abgerissen und den Bungalow aufgebaut.

Rezept für eine lange Ehe

Doch wie schafft man es, so lange miteinander glücklich zu sein? Manchmal wundere sie sich selber darüber, lacht Ilse Lisch. Sie sei von Sternzeichen Widder, stehe nie still und habe immer viele Ideen. „Ich komme nicht zur Ruhe, sondern bin immer in Bewegung.“ Ihr Mann hingegen sei eher der ruhige Typ, verrät sie. Statt händchenhaltend durch die Stadt zu laufen, haben sie ihre Hobbys. „Wenn wir uns zu Hause treffen, haben wir immer was zu erzählen. Es wird nie langweilig, weil jeder was erlebt hat.“ Dem Partner genug Freiräume zu lassen und sich nach Streitigkeiten wieder zu vertragen, sei ihr Rezept für eine lange Ehe, sind sich beide einig. Lächelnd nimmt sie seinen Strauß mit den roten Rosen entgegen und gemeinsam gehen sie mit ihren Gästen diesen besonderen Tag feiern.