Kakteen: In einem Neuruppiner Kleingarten wird eine Agave blühen - nach 50 Jahren
Einmalige Blüte
Aktuell ist er besonders stolz. Denn ganz unerwartet wächst seit wenigen Wochen der Blütenstand seiner Agave in den Himmel. „Das hat sicher nicht jeder“, sagt der 67-Jährige stolz. Dabei hatte er eigentlich nicht mehr so richtig damit gerechnet. Denn diese Pflanze kann nicht nur Jahrhunderte alt werden, sie blüht auch nur einmal. Wann, weiß niemand. Aber: "Bei der Blüte verausgabt sie sich so sehr, dass sie danach eingeht“, so Haase.
Seine Agave und er sind schon viele Wege gemeinsam gegangen. Haases Leidenschaft für Kakteen und ähnliche Gewächse wurde vor rund 50 Jahren geweckt. Der einstige Kyritzer lernte nach seiner Armeezeit in Teterow einen Kaufmann kennen, der dort Kakteen züchtete und ihm eine schenkte. Pflanzen haben in seinem Leben bis dahin keine große Rolle gespielt. „Aus einer Kaktee wurden dann zwei, dann vier ...“, erinnert er sich. Irgendwann in dieser Zeit, laut Burkhard vor etwa 47 Jahren, pflanzte er den Agaven-Samen ein und zog die Pflanze auf, die eigentlich in den USA und Mittelamerika ihre Heimat hat.
Um die 5000 Stück
Als er später nach Kyritz zurückkehrte, war die Agave dabei, und seine Pflanzen-Sammlung wuchs – in Höchstzeiten auf bis zu etwa 5 000 Stück. „Kakteen sind so schön einfach. Die muss man nicht oft gießen. Und wenn man es vergisst, ist es oft auch nicht so schlimm“, sagt er und schmunzelt. Gießen sei sowie fast überflüssig. „Besser, man sprüht sie leicht ein – mit abgestandenem Wasser oder mit Regenwasser. Das reicht“, sagt er. Von großen Palmen und Kakteen, die kaum noch zu transportieren waren, bis hin zu kleinen Gewächsen hatte er alles. „Auch lebende Steine. Die sehen komisch aus, und du denkst dir erst: Was für ein Schrott! Und dann bekommen sie aber doch ganz tolle Blüten“, so der Pflanzenfreund. Seine größten Exemplare hat Haase im Winter im ehemaligen Kyritzer Kloster unterstellen können. Kleine Kakteen bot er bei Stadtfesten auch zum Kauf an. Wenn es um Fragen zu Kakteen ging, sei er oft Ansprechpartner gewesen. „Ich habe mir das alles nur angelesen“, sagt Haase und deutet mit den Händen an, dass er einen ganzen Stapel Fachbücher besitzt.
Als seine Ehe vor einigen Jahren in die Brüche ging und er Kyritz verließ, war seine riesige Pflanzensammlung dahin. Weil er nicht alle mitnehmen konnten, wurden viele entsorgt. „Meine schönen Palmen landeten im Container“, ist Haase heute noch etwas traurig darüber. Einige wenige Exemplare, wie die Agave, konnte er aber retten. Sie blühen jetzt in der Sommersonne wie verrückt und erfreuen sein Herz.
Blüte im Spätsommer
Der Blütenstand der Agave wächst derzeit noch weiter. 3,62 Meter war er Anfang der Woche hoch. „Vier Meter werden es bestimmt noch“, meint Haase. Warum das ausgerechnet jetzt passiert, kann er sich nicht erklären. „Vielleicht habe ich sie im Winter richtig stimuliert“, vermutet der 67-Jährige. Weil es nicht so kalt war, hatte er sie nicht untergestellt, sondern nur warm und lichtdicht eingepackt, was das Wachstum ausgelöst haben könnte. Mit der eigentlichen und einmaligen Blüte der Agave rechnet Burkhard Haase für August oder September. Er vermutet, dass die Blüten an dem Stand hellgrün oder weißgelb sein werden. Danach trennt sich der Weg von Pflanze und Besitzer nach fast fünf Jahrzehnten für immer.




