Karneval: Die Jecken übernehmen das Ruppiner Land
Mit zünftiger Marschmusik zogen die Mitglieder des Neuruppiner Carnevals Clubs (NCC) um 11.11 Uhr vor das Rathaus, vor dem sie schon von vielen Schaulustigen, Kindergartenkindern sowie Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) erwartet wurden. Auch die Karnevalisten sind diesmal nicht an Theodor Fontane vorbeigekommen, dessen Geburtstag sich am 30. Dezember zum 200. Mal jährt. NCC-Mitglied Konrad Wendorf hatte sich für seinen Beitrag die Fontane-Koteletten sowie den Bart angeklebt und das bisherige Jubiläum ordentlich auf die Schippe genommen: „Und ein großes Denkmal von mir wurde in einer Prozession durch die Stadt getragen. Um Gottes Willen, wurde ich heiliggesprochen, muss ich da fragen? Und vieles, was mir liegt am Herz’, ist heute bei euch purer Kommerz. Anderseits, Zeit meines Lebens war ich immer ein bisschen klamm, Herr Bürgermeister sagen sie, wo ich mir die Tantiemen für das alles auszahlen lassen kann“, forderte der NCC-Fontane. Und Golde hatte für diesen sogar eine Münze übrig.
Auch die Ausstellung im Museum beleuchteten die Karnevalisten durch die humoristische Brille: „Sogar meine Notizbücher liegen kreuz und quer in einer großen Vitrine umher. Und alles in grellem Gelb, oh je, mir taten dann schon die Augen weg“. Mehr als zwei Stunden bin ich da nicht geblieben, wusste auch nicht mehr, ob Leitausstellung nun mit t oder d wird geschrieben.“ Der NCC-Fontane stellte schließlich auch fest, dass zu seiner Zeit im Rathaus noch ein Lazarett war. „In diesem Gebäude gab es früher auch einen Kreißsaal. Ein paar Steißgeburten und Fehlgeburten haben wir hier aber heute noch“, so Golde, der damit wohl auf schwierige oder falsche Entscheidungen anspielte.
Den Schlüssel für die Jecken übergaben diesmal zwei Kinder an die diesjährige Karnevalsprinzessin Tina I. alias Tina Podorf, die seit 15 Jahren im NCC aktiv ist. Die 29-Jährige stand heute in ihrer neuen Rolle auch gleich als Strohwitwe vor dem Publikum. Ihr Prinz Marian I. alias Marian Kemnitz musste nämlich arbeiten. Die 35. Session der Neuruppiner Jecken steht unter dem Titel „Mit 35 hoch hinaus, von oben sieht die Welt ganz anders aus“. „Mit Fontane sind wir dann aber auch durch“, sagte NCC-Außenminister Bernd Breuer. Stattdessen werden sich die Jecken auf ihre eigene Geschichte und die des Paters Wichmann konzentrieren. Denn dessen Todestag jährt sich 2020 zum 750. Mal.
Ein Scheck aus Simbabwe
Rheinsbergs Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) überraschte die Jecken des Rheinsberger Carnevalclubs (RCC) mit der Nachricht, dass die Prinzenstadt die reichste Kommune der Welt sei. Traditionsgemäß waren die Karnevalisten kurz vor 11 Uhr vor dem Rathaus aufmarschiert, um sich den Schlüssel für das Verwaltungsgebäude und die Stadtkasse einzufordern. Doch bevor das Stadtoberhaupt diesen herausrückte, übergab er dem RCC-Präsidenten Hans-Norbert Gast einen Scheck der „Bank von Simbabwe“ in Höhe von 100 Trillionen Dollar. Gast bedankte sich brav. Auch er hatte ein Geschenk mitgebracht. Im vergangenen Jahr hatte Schwochow den Karnevalisten mangels Geld eine Kastanie und zwei Eicheln überreicht. Diese wurden eingepflanzt. „Die Kastanie ist taub gewesen“, erklärte Gast. Dafür übergab er dem Stadtoberhaupt einen Blumentopf mit einem Eichensämling. „Vielleicht entsteht daraus in 100 Jahren eine Bürgemeister-Schwochow-Eiche“, scherzte der Karnevalspräsident. Zu den Besuchern gehörten auch Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten, die sich über die zahlreichen Kamellen freuten, die durch die Luft flogen. Die Karnevalisten gestalteten ein kleines Programm. Unter dem Motto „Da könnt ihr ganz oder auch nicht zufrieden sein“ nahm Jens Flegel alles aufs Korn, was im zurückliegenden Jahr die Stadt bewegte – vom Bürgerzentrum über den Wasserschaden in der Schule bis hin zum Verkehr.
Vor der Übergabe gedrückt
Lindows Amtsdirektor Danilo Lieske hatte wenig Lust, den Schlüssel seines Rathauses in die Hände der Jecken des Freiwilligen Karnevalklubs (FKK) zu geben. Statt des Auftakts der Fünften Jahreszeit wollte er lieber ein bedeutendes Jubiläum feiern: Am 11.11. vor 177 Jahren ist immerhin das allererste Bier nach Pilsener Brauart ausgeschenkt worden. Immer wieder versuchten Lieske und Bürgermeister Udo Rönnefahrt, die Karnevalisten zu bestechen, indem sie ihnen Geld zusteckten. Doch die Jecken ließen nicht locker, sangen Lied um Lied und forderten die Schlüsselherausgabe. Damit er zumindest nicht persönlich den Schlüssel rausrücken musste, ließ Lieske einige Kinder der Kita die Übergabe vollziehen.
Die Programme der Karnevalisten
Der RCC zeigt am Sonnabend in der Seehalle des Hotels "Haus Rheinsberg" sein Programm "Sciene Faxen im Weltall". beginn ist um 19.19 Uhr.
Die Hauptveranstaltung des NCC findet am 22. Februar um 20 Uhr im Neuruppiner Stadtgarten statt.⇥jr/kus


