Katze bei Neuruppin
: Kater Tayo entstellt – was er an Gewalt ertragen musste

Ist das die traurigste Katze Brandenburgs? Kater Tayo aus Fehrbellin bei Neuruppin könnte es sein. Hinter dem traurigen Blick steckt ein Leben voller Misshandlung.
Von
Christian Bark
Fehrbellin
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Kater Tayo lebt aktuell in der Pflegestelle des Tierschutzvereins in Fehrbellin. Sein Gesicht ist deformiert

Fehrbellin: Kater Tayo lebt aktuell in der Pflegestelle eines Tierschutzvereins. Sein Gesicht ist deformiert.

Christian Bark

Die Katze „Grumpy Cat“ aus den USA war durch ihren mürrischen Gesichtsausdruck weltberühmt geworden. Bei ihr war genetisch bedingter Kleinwuchs Ursache für ihr Aussehen. Auch Kater Tayo kann für seinen traurigen Blick und die hängenden Ohren nichts. Hat die Katze, die jetzt in Fehrbellin lebt, doch einiges durchgemacht.

Ursprünglich stammt der schätzungsweise 13 Jahre alte Kater nicht aus Fehrbellin, sondern aus Lindow. Dort hatte Jennifer Haase vom Tierschutzvereins Ostprignitz-Ruppin aus Neuruppin eine ältere Dame mit mehreren Katzen betreut. „Während ihre Katzen an der Futterstelle fressen durften, kam Tayo immer von außerhalb und wurde von der Frau vertrieben“, erinnert sich Jennifer Haase.

Kater Tayo wurde in Lindow fast totgeschlagen

Das ging so weit, dass die Frau nicht vor Gewalt zurückschreckte und das Tier entweder mit dem Besenstiel anging oder später sogar mit Steinen nach dem Kater warf. „Sie wolle ihn sogar erschlagen, hat sie mal gesagt“, so die Tierschützerin. Seit dem Tod der Frau im Jahr 2022 kümmerte sich der Tierschutzverein um die Vermittlung und den Verbleib ihrer Katzen.

Für Tayo bedeutete das einerseits die Erlösung von der gewalttätigen Frau, andererseits aber auch den Wegfall der Futterstelle. Vor allem hatte der betagte Kater ein weiteres Problem: Durch die Steinwürfe war sein Kiefer gebrochen und falsch wieder zusammengewachsen. Der Verein brachte ihn in die stationäre Obhut der Hoftierärzte in Karstedtshof bei Wittstock.

„Der arme Kerl kam mehr tot als lebendig zum Tierarzt“, sagt Nicole Golchert. Sie ist Vorstandsmitglied im Tierschutzverein und betreibt in Fehrbellin in der Scheune neben dem Wohnhaus seit zwei Jahren eine von zehn Pflegestellen für Katzen im Landkreis. Tayo lebt heute bei ihr und soll dort auch seinen Lebensabend verbringen. Seine Lebenserfahrung steht ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Nicole Golchert (l.) sowie Jennifer Haase und ihre Tochter Jamie in der Pflegestation in Fehrbellin. Im Hintergrund: Kater Tayo.

Nicole Golchert (l.) sowie Jennifer Haase und ihre Tochter Jamie in der Pflegestation in Fehrbellin. Im Hintergrund: Kater Tayo.

Christian Bark

Die hängenden Ohren sind laut Nicole Golchert durch Parasiten deformiert. Durch vereiterte Augen hätten die Augenlieder operativ verändert werden müssen. Außerdem mussten dem Kater sämtliche Zähne gezogen werden. „Mittlerweile lässt er sich von mir aber gerne streicheln und streunt auch auf unserem Hof umher“, sagt Nicole Golchert. Er soll sein Seniorenleben bis zum Ende genießen können.

Nicht draußen, aber dafür behütet in der Pflegestation in der Scheune, lebt Tayos Leidensgenosse Günther. Der Kater war regelmäßiger Gast der Futterstelle des Vereins am Neuruppiner Hospiz gewesen. Bei genauer Beobachtung war aufgefallen, dass das etwa elf Jahre alte Tier krank ist. Die Mundschleimhaut war laut Nicole Golchert vereitert, ebenso der Kiefer. Alle Zähne mussten dem Tier gezogen werden.

Kater Günther aus Neuruppin wurden alle Zähne gezogen.

Kater Günther aus Neuruppin wurden alle Zähne gezogen.

Christian Bark

„Erst sollte Günther eingeschläfert werden, aber sein Blutbild war so gut, dass wir ihm eine Chance gaben“, sagt die Fehrbellinerin. Sie hat das Tier nun auf ihrem Hof. Seit zwei Monaten lebt Günther dort und wird wohl ähnlich wie Tayo hier auch sein Leben beenden.

Mehr Hoffnung auf Vermittlung an neue Halter haben die drei jungen Kätzchen Benny, Kjelt und Egon – genannt „die Olsenbande“ –, die erst sechs Wochen alt sind. Oder der acht Wochen alte Kater Hans oder die verspielte Katze Sigrid, die etwa neun Monate alt ist.

Tierschutzverein in Neuruppin finanziert sich durch Spenden

16 Pflegekatzen und drei eigene Tiere leben aktuell bei Nicole Golchert. Für 20 Tiere hat sie Kapazitäten. Der Verein sorgt für die Kastration, Impfung und das Chippen der Katzen. Deshalb beträgt die Vermittlungsgebühr auch 180 Euro. Auf den zu 95 Prozent durch Spenden finanzierten Verein kommen jedes Jahr erhebliche Kosten zu. Gut 150.000 Euro allein für Tierarztbehandlungen waren es 2023, wie Nicole Golchert informiert.

Nicole Golchert will den acht Wochen alten Kater Hans vermitteln.

Nicole Golchert will den acht Wochen alten Kater Hans vermitteln.

Christian Bark

„Zum Glück unterstützen uns so viele Menschen im Landkreis“, sagt Jennifer Haase. Von den Kommunen komme leider nur ein geringer Teil der Finanzierung. Um auf seine Arbeit aufmerksam zu machen, veranstaltet der Verein seit einigen Jahren ein Tierschutzfest mit Flohmarkt am Bollwerk in Neuruppin. Das nächste findet am Sonnabend (6. Juli) von 10 bis 17 Uhr statt. Karussells, eine Hüpfburg, Tombola, Glücksrad, Musik, eine Hundeschule und vieles mehr erwarten die Besucher.

Der Tierschutzverein Ostprignitz-Ruppin

Seit 2001 setzt sich der Verein für das Wohl vernachlässigter und in Not geratener Tiere ein.

Vermittlung, Kastration, Netzwerkpflege und Beratung gehören zu den Kernkompetenzen des Vereins.

110 Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich. Der Verein ist offen für weitere.

10 Pflegestellen des Vereins gibt es im Landkreis. Die Kapazitäten dort variieren je nach Möglichkeiten des Tierfreunds.

124 Kätzchen und 114 Kater hat der Verein 2023 in seine Obhut genommen. 110 Kätzchen und 87 Kater konnten vermittelt werden.

Mehr zum Verein unter: www.tiere-opr.de