Im Seniorenwohnpark Radensleben habe es eigentlich schon immer Katzen gegeben, sagt Pflegerin Gabriele Haase-Frohmüller. Sie kümmert sich um Kater Alfred, der schon seit seiner zwölften Lebenswoche in der Einrichtung wohnt – und jetzt acht Jahre dort ist. „Eine Kollegin hat ihn damals mitgebracht.
Er ist in einem Dorf in der Region geboren“, erzählt sie. „Wir hatten vorher einen zehn Jahre alten Kater, der nach einem Unwetter nicht mehr zurückkam – so waren wir auf der Suche“.
Haase-Frohmüller engagiert sich seit 25 Jahren im Tierschutzverein Ostprignitz-Ruppin und hat selbst zwei Katzen.

„Wenn er herein möchte, klopft er mit der Pforte ans Fenster“

Die Bedingungen für eine Katze seien im Wohnpark nahezu ideal, sagt sie. Hinter dem Haus gibt es einen schönen großen Park. „Der Kater kann sich draußen und drinnen aufhalten, ganz wie es ihm beliebt“, sagt die Pflegekraft. „Wenn er herein möchte, klopft er mit der Pforte ans Fenster.“ Da die Katze in der Einrichtung aufgewachsen sei, sei sie mit vielen Besonderheiten vertraut, so Haase-Frohmüller: „Alfred kommt mit Rollstühlen klar oder auch mit Bewohnern, die wegen motorischen Einschränkungen mal daneben greifen, wenn sie ihn streicheln wollen.“
Sein Schlafplatz im Haus ist derzeit ein Katzenbett unter dem Weihnachtsbaum. Auch im Garten sind Sitzplätze für ihn eingerichtet. „Nach Katzenart liegt und schläft er jedoch meistens, wo er gerade möchte“, sagt die Pflegerin lächelnd. Das kann auch das Bett von Heimbewohnerinnen oder -bewohnern sein. „Natürlich sprechen wir das mit den Angehörigen ab“, so Haase-Frohmüller, die sich auch um den jährlichen Gesundheitscheck und die notwendigen Impfungen für den Kater kümmert. In dem Wohnbereich, in dem der Kater unterwegs sei, gebe es zum Glück niemanden, der an einer Katzenallergie leidet, erklärt sie.

„Tieren ist es egal, ob jemand vergesslich ist“

Gerade für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, sind Tiere eine Bereicherung. „Tiere aktivieren die Bewohnerinnen und Bewohner auf eine ganz besondere Art – sie sind unvoreingenommen und reagieren auf Streicheln und Zuwendung, jedoch nicht auf Äußerlichkeiten. Tieren ist es egal, ob jemand vergesslich ist, es geht nur um den Moment“, erläutert sie. „Unsere Heimbewohner geben dem Kater manchmal andere Namen. Vermutlich erinnern sie sich dabei an ihre früheren Tiere“, vermutet sie.
Der Kater habe auf jeden Fall eine therapeutische Wirkung, so die Pflegerin: „Wenn er sich zu Menschen gesellt, die bettlägerig sind, genießen sie es, seine Wärme und das Fell an den Händen zu spüren.“ Der Kater begleite oft auch Menschen, die im Sterben liegen. „Gerade, wenn sie im Bett liegen und schon sehr ruhig sind, legt er sich dazu und verbreitet Geborgenheit“, erzählt sie.

„Hilfe, in meinem Bett liegt Ungeziefer!“

Nicht jeder mag jedoch Katzen. „Einmal rief eine Bewohnerin ganz laut: ‚Hilfe, in meinem Bett liegt Ungeziefer!‘“, sagt Haase-Frohmüller. Es stellte sich heraus, dass Alfred sich gegen ihren Willen bei ihr breit gemacht hatte. „Dann greifen wir natürlich auch ein“, so die Pflegekraft. „Die Begegnung muss für beide Seiten angenehm sein.“
Jeden Morgen begrüße Alfred den Frühdienst mit einem Kopfschubser, erzählt Haase-Frohmüller. „Als er ganz klein war, hat er auch gern mal in den Ablagefächern auf dem Schreibtisch gelegen“, berichtet sie. Das versuche er auch heute noch manchmal, doch inzwischen breche die Ablage unter dem stattlichen Gewicht des erwachsenen Katers zusammen.
Auch die Essenszeiten kenne der Kater genau und sei in der Hoffnung zur Stelle, dass etwas für ihn abfalle. Doch für Futter, neues Streu für die Katzentoilette und die Hygiene ist Haase-Frohmüller zuständig. „Von unseren Bewohnerinnen und Bewohnern füttert ihn zum Glück niemand“, sagt sie. Die Kosten für Futter und Tierarzt übernimmt die Einrichtung.

Tiere bringen auch Verantwortung und Kosten mit sich

In den neun Jahren, in denen sie in der Pflegeeinrichtung arbeite, hätten dort auch immer Tiere gewohnt, berichtet Haase-Frohmüller. Auch einen Hund habe es schon einmal gegeben. Das sei allerdings schwierig für das Personal zu leisten gewesen, weil man mit Hunden zum Auslauf zusammen herausgehen muss. Auch die Katze Nelly hat die Pflegerin noch kennengelernt. Nelly sei nach 15 Jahren in der Pflege „in den Ruhestand“ gegangen und durfte ihr Rentenalter bei einer Familie verbringen.
Haase-Frohmüller, die auch stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins ist, würde dennoch nicht jeder Pflegeeinrichtung empfehlen, sich Tiere anzuschaffen. „Das bringt auch immer Verantwortung und Kosten mit sich. Mindestens zwei Pflegekräfte müssen sich nebenbei um ein Tier kümmern, etwa den Fressplatz sauber halten oder es bei Verletzungen zum Tierarzt bringen“, sagt sie. Für Alfred nehme sie die Mehrarbeit jedoch gern in Kauf. „Der Kater gehört einfach hier her“, findet sie.