Kommunalpolitik
: Aus der Arztpraxis ins Stadtparlament

Sie hat Jahrzehnte lang die großen und kleinen Wehwehchen der Neuruppiner behandelt. Nun macht die Ärztin Gisela Polzin Kommunalpolitik.
Von
Judith Melzer-Voigt
Neuruppin
Jetzt in der App anhören

Gisela Polzin

Eckhard Handke

Mehr als 1 300 Stimmen konnte die 72-Jährige gewinnen. Damit hat sie mit Abstand die meiste Unterstützung im Grünen-Lager erfahren. „Da waren bestimmt viele ehemalige Patienten darunter, wofür ich sehr dankbar bin“, sagt die Neuruppinerin. Dass sie sich politisch engagiert, ist für Gisela Polzin nichts Neues: Schon in der Wende-Zeit war sie sehr aktiv. „Ich habe es genossen, etwas mitzugestalten“, sagt sie. Im ersten Stadtparlament nach der DDR war die Allgemeinmedizinerin Mitglied, damals für das Neue Forum. „In eine Partei wollte ich aber nie eintreten.“ Und sie hat es bis heute nicht getan, denn sie ist zwar auf der Grünen-Liste angetreten, aber nicht bei den Grünen eingetreten.

Rückzug aus der Lokalpolitik

Das Berufs- und Familienleben führte dazu, dass sich die zweifache Mutter zwischenzeitlich wieder aus der Lokalpolitik zurückzog. Sie engagierte sich in der eigenen Praxis, bei der Kassenärztlichen Vereinigung und später bei der Landesärztekammer. „Irgendwann meinte mein Mann, dass ich mich auch mal entscheiden muss.“ Das tat sie und zog sich nach einer Legislaturperiode wieder aus dem Stadtparlament zurück. Sie habe die Berufspolitik, beispielsweise in der Landesärztekammer, bevorzugt.

Doch nun ist dieser Part in ihrem Leben weggefallen. Die Praxis hat ihre Tochter übernommen. „Ich habe wieder mehr Zeit“, sagt die 72-Jährige. Sich auf die Liste der Grünen setzen zu lassen, lag ihr am nächsten, erklärt sie – einerseits wegen der Themen, andererseits, weil sie dort noch viele Lokalpolitiker kennt. Klima- und Verkehrspolitik liegen der Ärztin am Herzen. In diesen Bereichen möchte sie für Veränderung stehen. Einer Partei beitreten will sie unter anderem nicht, weil sie doch nie hundertprozentig mit den Inhalten übereinstimmt. Bei den Grünen beispielsweise kann sie mit dem „Genderwahn“ wenig anfangen. „Vielleicht, weil ich mich immer gleichberechtigt gefühlt habe“, mutmaßt sie.

Themen mit Potenzial

„Ich glaube nicht, dass man heutzutage noch so viele Möglichkeiten hat, etwas zu verändern, wie nach der Wende“, sagt Gisela Polzin. Aber es gibt einige Themen, in denen durchaus viel zu bewegen ist, so die 72-Jährige: Im Regionalverkehr und bei der Ausstattung Neuruppins mit Radwegen müsse sich einiges ändern. Der RE6 sollte auf jeden Fall im Halbstundentakt fahren, aber auch an den kleinen Haltestellen zumindest jede Stunde stoppen. „Nur so erreichen wir, dass weniger Autos unterwegs sind.“ Dass Bahnhöfe – wie beispielsweise der in Radensleben – weit außerhalb liegen, trage ebenfalls nicht dazu bei, dass weniger Autos auf der Straße fahren.

Doch es gilt auch, das zu bewahren, was schon da ist: „Neuruppin ist wunderschön. Wir haben hier eine vielfältige  Kultur, und die Stadtwerke bemühen sich um Nachhaltigkeit“, sagt sie. „Das muss man unterstützen.“

Info-Kasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel