Kommunalwahl: 19-jähriger Neuruppiner ist plötzlich Politiker

Der jüngste im Bunde: Maximilian Kowol
Eckhard HandkeWenn Maximilian Kowol aus seinem Leben erzählt, wird klar: Da ist in den vergangenen Jahren richtig viel passiert. In der Schule in Bayern ist er nicht gut klargekommen. „Ich war an einem Punkt, an dem ich abbrechen wollte“, sagt er. Doch seine Eltern appellierten an ihn: Ist vielleicht ein Neustart das Richtige? Bei den Großeltern in Brandenburg, in einer neuen Umgebung, eine neue Chance? „Sie wollten, dass ich das Abitur in der Tasche habe.“
Neues Zuhause Neuruppin
Maximilian Kowol hörte sich um und fand im Neuruppiner Schinkel-Gymnasium den richtigen Ansprechpartner. Dort konnte er im April 2018 in den Schulbetrieb einsteigen. Bald beginnt er mit der zwölften Klasse. Der Umzug und der Neustart waren für ihn eine gute Entscheidung. In Neuruppin ist der 19-Jähriger mittlerweile zu Hause, und hier will er auch nicht mehr weg. „Schon alleine, weil ich hier beim Fahrradfahren nicht so schnaufen muss wie in Franken“, sagt er. Berge und Hügel seien nie so sein Ding gewesen. „Die Landschaft hier ist großartig, die Architektur auch. Und der Ruppiner See ist eine Perle.“ Die Menschen mit ihrer direkten Art hätten ihm auch gleich gefallen.
Eine „Jugendsünde“ habe er aber noch ablegen müssen, als er im Ruppiner Land ankam: besagte CSU-Mitgliedschaft. 2015 war er dort eingetreten. „Als junger Mensch in Bayern stolpert man da erst einmal rein“, erklärt Kowol. Doch dann sei ihm die erste Mitgliederzeitschrift ins Haus geflattert. „Da wusste ich: Das ist nicht das, was ich vertreten kann – weder sozial-, noch welt- oder friedenspolitisch.“ Im Juni 2018 ist er aus der CSU ausgetreten, nachdem er sich das zwei Jahre lang fest vorgenommen hatte. Am 1. September selben Jahres hat er seine politische Heimat gefunden ist und ist Mitglied der Grünen geworden. Auch in der „Fridays for Future“-Bewegung ist Maximilian Kowol aktiv.
Schon vor seiner aktiven Zeit wusste Maximilian Kowol, dass er sich ehrenamtlich politisch engagieren möchte. Bei den Grünen wurden dann Leute für die Liste für die Kommunalwahl gebraucht. Kowol erklärte sich bereit. Dass er aber gleich einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag errungen hat, hat den 19-Jährigen vollkommen überrascht.
Ziele in der Lokalpolitik
Klare Ziele hat der Schüler – sowohl fürs Privatleben, als auch für die politische Arbeit. Er möchte sein Abitur machen und ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Wo, steht noch nicht fest. Anschließend will Maximilian Kowol ein Duales Studium beginnen, am liebsten bei den Entsorgungswerken für Nuklearabfälle in Rheinsberg. „Auf jeden Fall soll es in eine naturwissenschaftliche Richtung gehen“, erklärt er.
Für die Region sieht der Neuruppiner vor allem bei Radwegeausbau noch jede Menge Potenzial. Er selbst hat schon schlechte Erfahrungen mit dem „Fußreflexzonen-Massage-Pflaster“ in Neuruppin gemacht, auf dem das Fahrradfahren nahezu unmöglich ist. Das muss sich ändern, so der 19-Jährige. Im Kreistag will er sich für Veränderungen im öffentlichen Personennahverkehr einsetzen. Dieser dürfe sich nicht nur auf die Zeiten konzentrieren, zu denen Schüler zur Schule oder wieder nach Hause gebracht werden müssen, sondern soll auch für andere Fahrgäste attraktiver werden. Außerdem möchte sich Maximilian Kowol für mehr Jugendbeteiligung in Stadt und Kreis einsetzen. Dort sieht er schon erste Fortschritte, die durch Neuruppins Erste Beigeordnete Daniela Kuzu auf den Weg gebracht wurden. „Daran kann man anknüpfen“, ist er überzeugt.
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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel