Konzert: Gundermanns begeisternde Musik baut Brücken zwischen Ost und West

Wie Gundermann, und doch anders: Alexander Scheer (links) und Andreas Dresen interpretierten die Songs des Liedermachers.
Holger RudolphScheer hatte 2018 im vielfach ausgezeichneten Spielfilm „Gundermann“ den Lausitzer Liedermacher, der auch als singender Baggerfahrer aus dem Braunkohlentagebau bekannt war, bravourös verkörpert. Drei Jahre vor seinem Tod mit nur 43 Jahren war 1995 bekannt geworden, dass Gundermann, der so oft mit dem DDR-Staat aneinandergeraten war, als inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit gearbeitet hatte. Der in Potsdam lebende Regisseur Andreas Dresen führte beim Film „Gundermann“ Regie und erfüllte sich damit einen langgehegten Traum. Dass Scheer und Dresen auch ausgezeichnete Sänger und Gitarristen sind, bewiesen sie dem Kulturkirchen-Publikum mit ihrer nicht minder guten Band am Sonnabend eindringlich.
Es sei schon beeindruckend, dass anderthalb Jahre nach dem Film „die Hütte hier, und nicht nur hier, so voll wie heute Abend wird“, freute sich Dresen. Gundermanns Lieder kämen nach und nach im Westen an. So habe bei einem Open-Air-Konzert im Hunsrück ein Ehepaar nicht ohne Stolz berichtet, wie es über den Film zur Musik von Gundermann gekommen sei und schließlich sogar den Urlaub in der Lausitz verbracht und einen Tagebau besichtigt habe. So etwas könne man durchaus einen Fall von „Aufbau West“ nennen.
Viel Beifall gab es für „Wo bleiben wir?“, noch mehr für „Linda“. Diesen Song schrieb der 36-Jährige für seine kurz zuvor geborene Tochter. Er hatte nicht angenommen, noch einmal Vater zu werden. „Du bist in mein Herz gefallen, wie in ein verlassenes Haus“, sangen Dresen und Scheer. Viele Zuhörer sangen, die Körper zur Musik wiegend, mit. Oben auf dem Rang begannen zwei, drei Pärchen, offenbar in schönen Erinnerungen schwelgend, zu tanzen.
Auch nach „Schwarze Galeere“, 1993 entstanden, klatschte das Publikum sehr. Das Lied kritisiert auf poetische Weise den Drang nach Macht und Geld und nimmt dabei Anleihen beim Märchen „Das kalte Herz“, wenn es heißt: „Noch jagt der Holländermichel sein Fluss höllenwärts, wer steckt ihm endlich ‘ne Sichel in sein kaltes Herz.“
Die Band spielte auch eigene Songs, die beim Publikum ebenfalls sehr gut ankamen. Das gilt gleichermaßen für Rio Reisers in Berliner Dialekt geschriebenen Schnüfflersong gegen die Sucht, sich durch das Einatmen von lösungsmittelhaltigem Klebstoff in eine Fantasiewelt zu flüchten.
Gut zwei Stunden lang unterhielt die Band das Publikum bestens. Der riesige Beifall steht dafür, dass wohl ein nächstes Konzert der Gruppe wieder ausverkauft sein würde. Dass die Zuhörer längst nicht nur aus dem Ruppiner Land kamen, davon berichteten die Autokennzeichen in der zugeparkten Innenstadt. Viele Berliner, aber auch Besucher aus Hamburg und Hannover wollten die Band hören. Tatsächlich, Gundermanns Musik verbindet Ost und West.
NächsteVeranstaltungen
28. Februar, 20 Uhr: Espen Nowacki‘s Erfolgsmusical "Ab in den Süden" im Kulturhaus.29. Februar, 13 Uhr: Messe "Wie feierst Du?" in der Kulturkirche.1. März, 15 Uhr: "Pinocchio – Das Musicla" im Stadtgarten.1. März, 16 Uhr: Peter Orloff und der Schwarzmeer Kosaken Chor in der Kulturkirche.6. März, 20 Uhr: SAGA-Konzert im Kulturhaus.
Eintrittkskarten für die Veranstaltungen gibt es an der Theaterkasse des Ruppiner Anzeigers, Karl-Marx-Straße 48, in Neuruppin. ⇥red