Krankenhaus Neuruppin
: Kundgebung und Protest-Aktion für Universitätsklinikum geplant

Die Schließungen am Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg stoßen weiter auf harte Kritik. Im Januar 2024 wird es in Neuruppin gezielte Aktionen geben. Das ist geplant.
Von
Jens Karraß
Neuruppin
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Mit vereinten Kräften kämpft das Aktionsbündnis Pro-HNO- und MKG-Klinik in Neuruppin gegen die Schließungen am Universitätsklinikum Ruppin Brandenburg (UKRB). Im Januar 2024 sind diverse Aktionen geplant.

Jens Karraß

Die überraschende Schließung der Kliniken für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Ruppin Brandenburg (UKRB) hat heftige Reaktionen ausgelöst. Nach den ersten Kundgebungen wird nun zur Beteiligung an weiteren Demonstrationen in Neuruppin aufgerufen.

Mit vereinten Kräften kämpft das Aktionsbündnis Pro-HNO- und MKG-Klinik weiterhin vehement gegen die drohende Schließung am Universitätsklinikum. Am 1. Dezember 2023 hatte die Trägergesellschaft PRO Klinik Holding in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass zum 1. Januar 2024 die Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie geschlossen werden.

Zwei Demonstrationen gab es in Neuruppin schon

Das Arztnetzwerk Medifair hat bereits zu zwei Demonstrationen aufgerufen, an denen jeweils knapp 600 Menschen teilnahmen. Bereits vier Tage vor Heiligabend 2023 versammelten sich Ärzte, medizinisches Personal und Patienten, bei der ersten Demonstration, um ihren Unmut über die Pläne kundzutun.

Wenige Tage nach dem Jahresbeginn 2024 gingen die Menschen erneut auf die Straße. Die Kundgebung richtete einen Appell an diejenigen, die Einfluss auf die Situation nehmen können: die Mitglieder des Kreistages.

Zwei Kundgebungen im Januar 2024 geplant

Das Bündnis – bestehend aus dem Ärztenetzwerk Medifair, der regionalen Zahnärzteschaft, engagierten Mitarbeitern der betroffenen Kliniken, dem Betriebsrat des UKRB und dem Neuruppiner Unternehmer Dr. Bernd Pieper – ruft jetzt die gesamte Bevölkerung zur Teilnahme an Demonstrationen am Mittwoch, 24. Januar 2024, und Mittwoch, 31. Januar 2024, auf. Beginn ist jeweils um 17 Uhr auf dem Schulplatz in Neuruppin.

Diese kontinuierlichen Aktionen sollen dazu beitragen, den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen und die Forderungen nach dem Erhalt der HNO- und MKG-Kliniken nachhaltig zu unterstützen. „In der gesamten Bevölkerung herrscht größtes Unverständnis zu den Vorgängen im UKRB“, heißt es am Montag, 22. Januar, in einer schriftlichen Mitteilung, die Dr. Ralf Greese, Vorsitzender des Vereins Medifair, im Namen des Bündnisses veröffentlichte. „Wir rufen die Bevölkerung dazu auf, ihr Unverständnis durch die Teilnahme an der Demonstration öffentlich zu zeigen. Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene dazu auf, sich unverzüglich der Problematik anzunehmen.“

Auch Politiker drücken ihren Unmut aus

Auch die Politik bezog in den zurückliegenden Wochen deutlich Stellung. Ein gemeinsamer Brief an den Bundesgesundheitsminister und den Ministerpräsidenten wurde verfasst. Die Unterzeichner – darunter Vertreter des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, die Geschäftsführung des UKRB, Bürgermeister und Amtsdirektoren – forderten darin eine zusätzliche Finanzierung von Schwerpunktkliniken im ländlichen Raum. Ähnliche Appelle gingen an Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) plant angesichts finanzieller Probleme vieler Kliniken eine Krankenhauskonferenz. Mit der Krankenhausreform des Bundes stünden die Kliniken vor den größten Veränderungen der letzten Jahrzehnte, viele Krankenhäuser seien darüber hinaus in einer schwierigen finanziellen Lage, heißt es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Das Ziel der Landesregierung sei auch künftig eine gute und verlässliche medizinische Versorgung im ganzen Land.

Auch beim medizinischen Personal stieß die Schließungsentscheidung auf Unverständnis. Prof. Dr. Dr. med. Christian Stoll, Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, kritisiert die mangelnde Kommunikation und Einbindung des medizinischen Personals in die Entscheidungsfindung.