Kriegsende
: Als sich Neuruppin ergeben hat

Am 1. Mai vor 75 Jahren erreichte die Rote Armee Neuruppin. Einwohner verhinderten damals den Angriff.
Von
Markus Kluge
Neuruppin
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Zur Erinnerung an den 1. Mai 1945 wurde vor fünf Jahren am Ruppiner See eine Tafel enthüllt.

Eckhard Handke

Die drei Neuruppiner waren mit einem Boot zur Ostseite des Sees gerudert, um die dort in Stellung gegangene Rote Armee davon zu überzeugen, die Stadt nicht zu zerstören. Schließlich waren in Neuruppin noch Teile des sogenannten Volkssturms zusammengezogen worden, die eine Einnahme der Stadt verhindern sollten. Durch den Einsatz des Trios wurde wahrscheinlich tausenden Einheimischen das Leben gerettet und viele Gebäude vor der Zerstörung bewahrt.

Weiße Fahnen gehisst

Laut den Quellen des Regional–Verlags Ruppin war der Aufmarsch der Roten Armee am Ostufer zum Artilleriebeschuss am Nachmittag abgeschlossen. Über Lautsprecher wurde aufgerufen, die Stadt kampflos zu übergeben. Mehrere Neuruppiner, darunter Herbert Vick, Hermann Jerx, Elfriede Mahling, Max Sasse, Erich Dieckhoff und Willy Schikora, hatten da bereits die Klosterkirche aufgebrochen und an deren Türmen weiße Fahnen als Zeichen der Kapitulation gehisst. Selbiges tat der damalige Pfarrer Reinhold Bittkau auf der Pfarrkirche.

Übergriffe in der Stadt

Anschließend kam es in der Stadt zu Übergriffen der Soldaten, zu Erschießungen, Vergewaltigungen und Plünderungen. Eine unbekannten Tagebuchschreiberin aus Neuruppin, deren Erlebnisse Manfred Neumann wie berichtet als Buch mit dem Titel „Ein Neuruppiner Tagebuch 1942 bis 1945“ veröffentlicht, hat das alles erlebt und notierte kurz für den 1. Mai 1945: „Ein furchtbarer Tag. Beschießung Neuruppins. Zwei Granaten gingen direkt neben uns herunter, durch ein Wunder wurden wir errettet. Abends Einmarsch der Russen.“ Einen Tag später schrieb sie: „Russen, Russen. Rechts und links wird in den verlassenen Häusern geplündert. Es ist schauerlich.“ Am 4. Mai mussten laut der Aufzeichnungen die Neuruppiner Waffen und Radios abgeben. Zu diesem Zeitpunkt sollen viele Menschen in der Stadt Selbstmord begangenen haben. Am 12. Mai steht in dem Tagebuch, dass der Neuruppiner Fliegerhorst zum „Plündern für die Bevölkerung freigegeben“ wurde. Dann sollte alles gesprengt werden.