Diebstahl in Neuruppin
: 100 Hertha-Fans plündern Tankstelle – Busse entkommen

Auf dem Rückweg vom DFB-Pokal-Spiel bei Hansa Rostock haben Fans von Hertha BSC eine Tankstelle nahe der A24 in Neuruppin geplündert. Der Spuk dauerte 15 Minuten.
Von
Roland Becker
Neuruppin
Jetzt in der App anhören
Der Überfall ereignete sich in der Jet-Tankstelle in Neuruppin. (Symbolfoto)

Die Polizei wurde am späten Sonntag zur Total-Tankstelle in Neuruppin-Bechlin gerufen. Diese war von Hertha-Fans geplündert worden. (Symbolfoto)

Patrick Seeger

Es dauerte nur 15 Minuten, dann waren die Regale im Verkaufsraum der Total-Tankstelle in Bechlin, einem Vorort von Neuruppin, so gut wie leer. Nur wenige der etwa 100 Hertha-Fans bezahlten für die Waren. Alle anderen zogen plündernd durch die Tankstelle. Was bisher bekannt ist.

Es war am Sonntag (18. August) gegen 21.30 Uhr, als sechs Busse – darunter zwei Doppelstöckige – sowie ein Sprinter an der Total-Tankstelle, die sich nahe der Autobahnabfahrt Neuruppin an der A24 (Hamburg-Berlin) und kurz vor dem Ortseingang von Neuruppin an der B167 befindet, anhielten.

Hertha-Fans plündern Tankstelle – Polizei äußert sich

In den Bussen saßen Fans von Hertha BSC, die vom Spiel im DFB-Pokal bei Hansa Rostock auf der Rückreise nach Berlin waren. Von den geschätzten 250 bis 300 Insassen haben sich laut Sebastian Hoffmann, Sprecher der Polizeidirektion Nord in Neuruppin, etwa 100 in den Verkaufsraum der Tankstelle begeben.

Während die Kassiererinnen damit beschäftigt waren, einige ehrliche Kunden abzukassieren, bediente sich die überwiegende Mehrheit, ohne zu bezahlen. „Alkohol, Softdrinks, Snacks und Eis – sie nahmen alles mit, was man in einer Tankstelle bekommen kann“, schildert Hoffmann den Rausch der Diebe.

Erst nachdem die Meute die Tankstelle verlassen und die Busse wieder abgefahren waren, wurde gegen 21.45 Uhr die Polizei benachrichtigt. Die erschien in Form von zwei Beamten gegen 21.55 Uhr. Dass nicht mehr Polizisten geschickt wurden, begründet der Polizeisprecher damit, dass die Busse schon abgefahren seien.

Obwohl bekannt gewesen sein dürfte, dass die Busse wieder die Autobahn ansteuerten, wurden keine Streifenwagen zur Nacheile geschickt. Auch hierfür hat Hoffmann eine Begründung: „Es wurde erstmal Videomaterial gesichtet, um zu erfahren, was wirklich passiert ist und wen man belasten kann“. Es sei nicht angemessen, mehrere Busse anzuhalten, wenn eventuell nur eine Person oder zwei etwas gestohlen haben.

Diese Einschätzung verwundert insofern, als es schwer vorstellbar ist, dass bei der Erstmeldung an die Polizei nur von wenigen Einzeltätern die Rede war. Als das Ausmaß bekannt geworden war, hatte sich das Einholen der Busse erledigt. „Wir haben die Busse versucht anzuhalten. Aber die waren schon am Endpunkt angekommen“, beschreibt Hoffmann die Situation. Der gescheiterte Versuch fand damit etwa eine Stunde nach der Plünderung statt.

Neuruppin: Polizei geht von mindestens 40 Tätern aus

Nach erster Durchsicht der Videoaufzeichnungen geht die Polizei von mindestens 40 Tätern aus. Zur Höhe des Schadens kann der Sprecher noch nichts sagen. Dank der Videos habe man einige Aufnahmen, die auch Gesichter der Plünderer zeigen. Der Kripo steht jetzt eine aufwändige und schwierige Arbeit bevor, um die Namen herauszufinden.

Die Busse waren von mehreren Transportunternehmen gestellt worden. Die Kennzeichen der Fahrzeuge wurden mittlerweile ermittelt. Ob es Passagierlisten gibt, kann Hoffmann nicht sagen. Er geht aber davon aus, dass es pro Bus einen Verantwortlichen gegeben hat. Ob sich die Reisenden bestimmten Fanclubs oder Fangruppen zuordnen lassen, ist ebenfalls noch unbekannt. Die Polizei werde die Busunternehmen und die Reiseverantwortlichen sowie wahrscheinlich auch die Fanbetreuung kontaktieren.

Tankstelle bei Neuruppin am Montag wieder geöffnet

Die Total-Tankstelle an der Bechliner Chaussee hat am Montag (19. August) laut Hoffmann wieder geöffnet. Die Regale dürften noch leer sein. Sachschäden an der Einrichtung des Verkaufsraums oder im Tankbereich seien aber nicht entstanden.

Die Fangruppen-Betreuung von Hertha BSC wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Das sei allein der Hertha-Pressesprecherin Vera Krings vorbehalten, so Sandra Röder von der Fanbetreuung. Die Pressestelle war bis 11 Uhr nicht erreichbar.