Die Stadt Neuruppin hätte durchaus die Option gehabt, fürs Fontanejahr eine Agentur mit der Veranstaltungsplanung zu beauftragen. Doch die Verwaltung hat sich bewusst dagegen entschieden, wie Fontanebotschafter Mario Zetzsche erklärt. Das hat nämlich eine große Vielfalt fürs Jubiläumsjahr zur Folge. "Stadt, Landkreis und Private haben viel auf den Weg gebracht", so Zetzsche.
■ "Wir haben 15 garantiert Fontane-freie Termine im Programm", versichert Peter Neiß, der Vorsitzende des Tempelgartenvereins. Doch um einige Termine rund um den Schriftsteller kommt der Zusammenschluss nicht herum. Zwei davon stechen heraus. Am 26. April wird eine große Pflanzenausstellung eröffnet. 31 Pflanzen werden laut Peter Neiß zu sehen sein, zehn davon direkt am Eingang. Damit wird der Zustand wieder hergestellt, der auch in alten Tempelgarten-Zeichnungen zu sehen ist. Die anderen 21 Pflanz-Behälter bilden einen Pfad im gesamten Garten verteilt, der am Museum Neuruppin endet. "Besucher können diesen Pfad abschreiten", so Neiß. Bezug genommen wird mit dieser Ausstellung auf Theodor Fontane als Apotheker. "Er war schließlich nicht nur Dichter, sondern auch Naturwissenschaftler." Als junger Mann habe sich Fontane sehr für Pflanzen interessiert, erklärt Peter Neiß. Und auch in seine Werke sind besondere Pflanzenbezüge eingeflochten. Wo sich diese versteckt haben, erfahren Besucher der Tempelgarten-Ausstellung ebenfalls.
Des Weiteren plant der Tempelgartenverein ein Bühnenprogramm. Am 14. Juni feiert "Jedem bin ich was gewesen", ein Fontane-Blues, Premiere. "Fontane war eine sehr komplexe Figur", ist Peter Neiß überzeugt. Das Leben des Schriftstellers sei eine Gratwanderung gewesen: zwischen Provinz und Stadt, zwischen Erfolg und Misserfolg. Diese Facettenreichtum wird im Juni im Tempelgarten auf die Bühne gebracht. 150 Mitwirkende beteiligen sich laut Neiß. Insgesamt sind fünf Aufführungen geplant.
■ Der Galerist Johannes Bunk plant fürs Fontanejahr drei große Ausstellungen in seinem Kunstraum. Susanne Krell zeigt vom 31. März bis zum 26. Mai "Aber Fontane schwärmt von London". Mitte des Jahres gehören die Galerieräume zehn Künstlerinnen und Künstlern, die unter dem Titel "Fontaneana" ihre Arbeiten zeigen. Werke von Günter Grass, die parallel zu dessen Fontane-Roman "Ein weites Feld" entstanden sind, werden ab dem 24. November gezeigt.
■ Ganzer im Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist ein Fontanedorf. Ab dem 22. Juni wird es Schauplatz eines Kunstworkshops namens "Glücklich, unterwegs und frei" sein, erklärt Künstlerin Katrin Mason Brown. Es wird Workshops, Vorträge und Künstlergespräche geben. In der örtlichen Kirchenruine ist ein ganzes Veranstaltungswochenende geplant. Realisiert wird das Projekt gemeinsam mit der Kunsthochschule Berlin Weißensee.
■ Der Tourismusverband Ruppiner Seenland hat anlässlich des Fontanejahres das Projekt "Fontane.Kulinarik" ins Leben gerufen. Essen und Trinken wie zur Fontanes Zeiten – genau das soll Besuchern der teilnehmenden Restaurants in der Region ermöglicht werden. Der Tourismusverband hat einen Warenkorb bestückt, aus dem Köche ihre Menüs kreieren. 16 Betriebe im Ruppiner Seenland beteiligen sich laut Michelle Engel vom Verband an der Aktion. Ihre Hoffnung ist, dass es diese Fontane-Menüs auch über das Jahr 2019 hinaus geben wird.
■ Die Künstlerin Uschi Jung plant in ihrem offenen Atelier in der Neuruppiner Bilderbogenpassage in diesem Jahr gleich zehn Ausstellungen. Die Galerie am Bollwerk trumpft unter anderem mit einem bis auf die Klosterkirche erweiterten Kunstraum auf (RA berichtete), wenn es an die Schau "Mach dir ein Bild davon..." geht. Des Weiteren ermöglichen es die Organisatoren Passanten, auf dem Schulplatz über gesprayte Fontane-Orte zu laufen oder an Türen öffentlicher Toiletten einmal sinnvollere Sprüche als ewige Liebesschwüre zu lesen.
"Das ist nur ein kleiner Ausschnitt", sagt Mario Zetzsche. Insgesamt wird es in Neuruppin rund 200 Veranstaltungen zum Fontanejahr geben. Auf dem neuen Internetauftritt www.fontanestadt.de können Interessierte weitere Details nachlesen.

Überblick online

■ Den Internetauftritt ­www.fontanestadt.de hat sich die Stadt Neuruppin schon lange gesichert. Bisher wurden Besucher aber direkt auf die Seite www.neuruppin.de weitergeleitet.

■ Das hat sich nun geändert: Über www.fontanestadt.de gelangen Interessierte nun auf eine Seite des Reiselandes Brandenburg, die sich nur mit dem Fontanejahr befasst.

■ Dort gibt es Ausflugstipps und kulturelle Höhepunkte werden aufgezeigt. Besucher erhalten auch gleich Übernachtungstipps. (jvo)