Kunst: Der neue Pater Wichmann steht

Noch am Haken: Die Wichmann-Skulptur ist am Freitagmorgen aufgestellt worden. Hilfe bekam Matthias Zágon Hohl-Stein dabei von der J&M Metallbau GmbH.
Markus KlugeZweifelsohne hat Künstler Matthias Zágon Hohl-Stein schon viele Werke geschaffen. Die Pater-Wichmann-Skulptur, die am Freitag in Neuruppin an der neuen Kloster-Residenz direkt an der Klosterkirche aufgestellt wurde und an diesem Sonnabend um 19 Uhr offiziell enthüllt und übergeben wird, bricht aber einen Rekord: Gut neun Jahre hat es gedauert, dieses Herzensprojekt des Künstlers zu verwirklichen.
„Beim Parzival hat das nicht mal ein Jahr gedauert“, sagte Hohl-Stein am Freitagmorgen und lacht. An dem Wichmann-Projekt arbeitet Hohl-Stein bereits seit 2013. Ursprünglich war die Aufstellung des Kunstwerks zur Erinnerung an den Gründer des Dominikanerklosters in Neuruppin als Projekt des Lions Clubs gedacht, der dafür auch schon die finanziellen Mittel gesammelt hatte. Am Ende scheiterte des Vorhaben aber daran, dass die Skulptur an der Klosterkirche nur hätte aufgestellt werden dürfen, wenn auf Kosten der Initiatoren ein teures Denkmalschutz-Gutachten für den Standort erstellt worden wäre. „Aber das ist jetzt alles Schnee von gestern“, meinte der Karwer.
Platz auf Privatgrundstück
Auf dem Privatgrundstück der neuen Kloster-Residenz hat der Künstler nun einen Platz gefunden und mit dem Eigentümer des neuen Wohnkomplexes auch noch einen Geldgeber, der ihn dabei unterstützt hat. Zwischen Bodenscheinwerfern und direkt am neuen Café Banoi soll Wichmann künftig die Passanten begeistern.
Noch ein paar Jahre hätten auch nicht ins Land gehen dürfen. „Nach Fontane kommt Wichmann“, sagte Hohl-Stein. Schließlich jährt sich im nächsten Jahr der 750. Todestag von Wichmann von Arnstein. Und laut dem Künstler gibt es in Neuruppin unter freiem Himmel kein Denkmal oder Kunstwerk, das an den Geistlichen erinnert. Lediglich in der Klosterkirche steht eine Figur aus Sandstein.
Als Standort und Finanzierung geklärt waren, hat Hohl-Stein mit der Arbeit an seiner Skulptur begonnen: „Das war erst vor vier Wochen.“ Im Unterschied zum etwas kantigen Parzival hat der Künstler seiner neuen Skulptur eine menschliche Physiognomie gegeben. Das Schwierigste seien dabei der Kopf und die Hände gewesen, in den künftig auch einmal Kerzen oder Blumen stehen können. Zudem hat der die rund 140 Platten aus Cortenstahl so gebogen und zusammengesetzt, dass es den Eindruck erweckt, Wichmann würde laufen. Bekannt ist von ihm schließlich die Legende, er sei aus Richtung Wuthenow über den See nach Neuruppin gegangen. Und Hohl-Steins Wichmann wirkt jung. Ob er einen Bart hatte, weiß man nicht. Der Künstler meint nein, schließlich haben sich seinerzeit Mönche den Kopf geschoren und demnach bestimmt auch rasiert. „Einen Bart hätte ich schlecht darstellen können. Außerdem tut einer Stadt Jugend immer gut“, sagt er.
Kunstwerk wird enthüllt
Am heutigen Sonnabend wird der blecherne Pater Wichmann um 19 Uhr enthüllt. Mit dabei sind Vertreter der beide Evangelischen und der Katholischen Kirche. Künstler Hohl-Stein kann danach keine Pause einlegen. Denn am 10. Mai wird von ihm ein weiteres Kunstwerk in Karwe enthüllt, wo es jetzt heißt „Fontane trifft Knesebeck“.
Wichmannvon Arnstein
Wichmann von Arnstein wurde um 1185 in Sachsen geboren. 1220 ist er zum Bischof von Brandenburg gewählt worden. Seine Wahl wurde allerdings nicht bestätigt. Dennoch erhielt er die bischöflichen Insignien, aber keinen Bischofssitz.
Um 1230 trat Wichmann dem Dominikanerorden bei. 1246 gründete er mit seinem Bruder Gebhard in Neuruppin das erste Dominikanerkloster zwischen Elbe und Oder. Bis zu seinem Tod am 2. November 1270 war er dessen erster Prior. ⇥kus