Kunst
: Eine Giraffe für die Innenstadt

Der Künstler Tony Torrilhon hat aus einer umgestürzten Linde  einen vier Meter hohen Paarhufer geschnitzt und wirbt damit für Afrika.
Von
Jürgen Rammelt
Rheinsberg
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Sicherheit geht vor: Um die Statik der Skulptur zu stabilisieren hat der Künstler Tony Torrilhon sie auf einem Sockel angebracht. Zudem hält er sich an behördliche Auflagen.

Jürgen Rammelt

Damit das  Kunstwerk nicht umfällt, wurden die Füße an einer Konstruktion aus Stahl befestigt. Der Schwanz und der gesenkte Kopf mit der Mähne bestehen aus zahlreichen Holzteilen, die mit Schrauben am Hals und am Körper befestigt sind.

Wenn der in Frankreich geborene 88–jährige Kupferstecher und Holzbildhauer in der Natur unterwegs ist, hält er gewöhnlich Ausschau nach  Bäumen und Astformationen, die sich für ein Kunstwerk eignen. Hat er dann ein solches Objekt entdeckt, nimmt er Kontakt zum jeweiligen Förster oder Waldbesitzer auf.  In den meisten Fällen  wird man sich handelseinig und die Säge kommt zum Einsatz.

Aus einem Baum geformt

So war es auch im  Sommer dieses Jahres. Gegenüber der Rheinsberger Schlossgärtnerei hatte Tony Torrilhon einen umgestürzten Baum ausgemacht, der sein Interesse weckte. Nach näherem Betrachten und Überlegen, entstand die Idee, daraus eine Giraffe zu schnitzen. Doch das war  leichter gesagt als getan. Allein um dort eine Leiter aufzustellen, um mit der Säge und anderen Werkzeugen arbeiten zu können, musste erst einmal das Umfeld von Gestrüpp befreit werden. Aber das war bald erledigt. Und so dauerte es nicht lange, da konnten vorbeifahrende Radler und auch Wanderer sehen, wie die einstige Linde eine andere Form annahm. Zuerst wurden die Äste auf die richtige Länge  geschnitten und die bemooste Rinde entfernt. So konnten Vorbeikommende nach und nach  erkennen, wie einmal der Schwanz und der Kopf der Giraffe aussehen werden.

Absprachen mit Behörden

Doch parallel zu den Arbeiten gab es ein weitaus größeres Problem: Tony Torrilhon machte sich natürlich Gedanken, wo die vier Meter hohe Giraffe einmal ihren Platz im öffentlichen Raum finden könnte.  Das war nicht so einfach. Denn es galt Vorschriften zu beachten, entsprechende Behörden und Ämter einzubeziehen und Genehmigungen einzuholen. So musste auch der ursprüngliche vorgesehene Standort, der Kreisverkehr zwischen der Kernstadt und Linow,  verworfen werden.

Nachdem die Giraffe einen bestimmten Bearbeitungsstand erreicht hatte,  erfolgte mit Hilfe eines Rheinsberger Unternehmens der Transport in eine sichere Unterkunft. Dort  wurden letzte Feinarbeiten an dem Kunstwerk vorgenommen. Dazu gehörten wegen der Standsicherheit mit Eisen verstärkte Füße, am Kopf die typischen Hörner und ein witterungsbeständiger Farbanstrich. Auch für die Musterung des Fells sorgte der Künstler, bevor das hölzerne Geschöpf seinen Platz in der Schlossstraße fand.

Beliebtes Fotomotiv

Dort steht sie nun und zeugt neben den Skulpturen, die am Schiffsanleger am Ende der Seestraße aufgestellt sind und den ausgestellten Objekten in seinem Atelier, von der unermüdlichen Kreativität des Rheinsberger Künstlers. Kaum ein Tourist kommt daran vorbei, ohne seinen Fotoapparat oder sein Smartphone zu zücken.  Natürlich musste sich Tony Torrilhon für das Aufstellen der Giraffe mit der Stadt Einvernehmen herstellen.  So beträgt der Abstand zur Bordsteinkante die laut behördlicher Vorschrift verlangten 70 Zentimeter, und auch die Versicherung des Künstlers sorgt für eine Regulierung, wenn im Zweifelsfall jemand durch die Giraffe zu Schaden kommt.