Die Nutzpflanze ist extrem vielseitig. Derzeit ist Schäkel besonders an der Gewinnung von Cannabidiol (CBD) interessiert. "Es geht dabei um den gesundheitlichen Wert. CBD wirkt aufs Immunsystem und entspannt", so Schäkel. Dem Wirkstoff wird eine entkrampfende, entzündungshemmende, angstlösende und gegen Übelkeit gerichtete Wirkung zugeschrieben. Während die Vermarktung des Stoffes in Deutschland legal ist, sieht es in der EU seit 14 Tagen anders aus. Zudem erschwert die strenge Gesetzgebung den Ertrag des Cannabinoids. Denn in Deutschland ist der Anbau von Hanfpflanzen nur erlaubt, wenn die Blüten nicht mehr als 0,2 Prozent Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. THC ist die psychoaktive Substanz, die Räusche auslöst und wegen der Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Bei der Gewinnung des legalen CBD fällt jedoch auch THC an. Um zu vermeiden, dass der Grenzwert für THC überschritten wird, muss Schäkel also auch den CBD-Gehalt niedrig halten, was den Ertrag extrem schmälert. Dabei ließe sich das THC auch nach der Ernte noch entfernen, beziehungsweise das CDB extrahieren. "Ich hatte auch schon mal 0,29 Prozent THC-Gehalt. Wenn eine Sorte drei Jahre hintereinander über dem Grenzwert ist, fliegt sie aus dem Katalog der zugelassenen Pflanzen", sagt er. Der Wirkstoffgehalt wird 20 Tage nach Blühbeginn behördlich kontrolliert. "Eigentlich sind es Stichproben-Kontrollen. Wir hatten aber auch schon elf Kontrollen innerhalb eines Jahres", so Schäkel.
Speisen, Textilien und mehr
Unabhängig vom CBD lässt sich aus Nutzhanf noch viel mehr gewinnen. So ist Cannabis in der Nahrungsindustrie vielfältig einsetzbar. Hanfsamen enthalten beispielsweise mehrfach ungesättigte Fettsäuren, leicht verdauliche Proteine und zahlreiche Vitamine und Spurenelemente. Aus ihnen wird Hanföl, Mehl und Proteinpulver hergestellt. Auch in Schokolade, Hanf-Riegeln und Müsli sind die Samen enthalten. Hanföl ist indes ein sehr hochwertiges Speiseöl mit nussigem Geschmack und dem besten Fettsäuremuster aller Speiseöle. Die lebenswichtigen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren liegen im Hanföl im idealen Verhältnis. Es enthält zudem Gamma-Linolen-Säure, die entzündungshemmend ist. Auch Hanfmehl bietet viele Vorteile. Es besteht fast ausschließlich aus Protein und Ballaststoffen, ist als gut vegane Sportlernahrung geeignet.
Auch die Hanffaser, die im Stengel enthalten ist, lässt sich vielfältig verarbeiten, etwa in der Textilindustrie. Weil Hanf sehr langfaserig ist, wäre Bekleidung aus dem Stoff viel langlebiger als Baumwolle. Zudem könne es viel nachhaltiger und umweltschonender verarbeitet werden. "Es ist möglich, ohne Kunststoffe aus Hanffasern stretchiges Gewebe herzustellen. Aus Hanf kann alles, was aus Plastik hergestellt wird, ersetzt werden, stabiler und nachhaltiger." Selbst in der Glasfasertechnik könne die Pflanze zum Einsatz kommen. Ein weiterer Vorteil: "Es gibt keine Pflanze, die mehr CO2 speichert."
Warten auf die Legalisierung
Allerdings sind die Webmaschinen der großen Textilindustrie nicht auf den Rohstoff ausgerichtet, so dass Hanftextilien nur in kleinem Maßstab hergestellt werden können.  Schäkel wirbt daher dafür, dass auch mehr konventionelle Bauern Cannabis anpflanzen. Unterstützung erhält er dabei von Jan Paki. Er ist Mitglied im Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner Land, in der eine Projektgruppe zur Nutzung von Hanf gebildet wurde. Paki ist überzeugt, das der Pflanze die Zukunft gehört. "Die Technologie gibt es schon, aber nur im kleinen Maßstab", sagt er. Um die große Betriebe von der Vielseitigkeit von Cannabis zu überzeugen, sei es nötig, dass mehr Landwirte die Pflanze anbauen.
Doch dazu müssten die Hürden niedriger werden. Bisher müssen Bauern Ausnahmeanträge beim Landratsamt stellen. Wilhelm Schäkel ist jedoch guten Mutes, dass Cannabis in fünf Jahren legalisiert wird. "In immer mehr Industrienationen fallen die Hürden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland da nicht mitzieht", so der Biobauer.

Info-Kasten


Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel. kürzel