Landwirtschaft: Viele Bauern geben in OPR die Tierhaltung auf
Zu wenig Geld für Milch
Ein Grund ist der geringe Milchpreis, sagt Uwe Rehfeld, der in Lüchfeld aufgewachsen und seit 1991 im Vorstand der Genossenschaft ist. 28 Cent gäbe es aktuell für einen Liter Milch. Mindestens 32 oder 33 Cent wären aber nötig, damit die Genossenschaft, die zudem 450 Hektar Grünland hat und auf 1 000 Hektar Land in einer sogenannten neunjährigen Fruchtfolge Raps, Mais, Erbsen sowie Getreide anbaut, weiter investieren kann. In den vergangenen Jahren sei sehr viel für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und das Tierwohl getan worden, berichtet der Landwirt. „Das kommt aber nicht so in der Gesellschaft an“, ärgert sich Rehfeld.
KBV–Geschäftsführerin Maria Mundry erklärt, dass es für den Kunden im Supermarkt oft nicht erkennbar sei – vor allem bei verarbeiteten Produkten – woher sie stammen und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden. „Die Preise sind im Keller“, bestätigt Heiko Hübner von den Ökohöfen Schönberg, zumal Öko–Produkte zu Preisen aus der konventionellen Landwirtschaft angeboten werden. „Es gibt für Öko nicht mehr Geld.“ Eine Möglichkeit sei deshalb die Direktvermarktung der Fleischprodukte. Doch die wäre Guido Leinitz, Landwirt aus Bechlin, während der Corona–Krise beinahe auf die Füße gefallen, denn sein Hauptabnehmer ist die Gastronomie. „Das Fleisch an Händler zu verkaufen widerstrebt mir.“ Nur langsam komme der Markt wieder in Gang, berichtet er, der zudem mit der Neuruppiner Fleischerei Dülfer zusammenarbeitet. Dülfer stehe vor großen Herausforderungen, weil er sich gegen die Discounter durchsetzen muss, weiß auch der KBV–Vorsitzende Sven Deter, der sich mit der Rinderzucht ein weiteres Standbein aufgebaut hat. „Die Umsätze sind eingebrochen.“
Lange Wege zum Schlachthof
Ein großes Problem sieht Leinitz zudem in der Schließung des Schlachthofes Hakenberg. „Es war so einfach dort zu schlachten. Jetzt ist es eine logistische Meisterleistung und bedeutet lange Wege für die Tiere“, berichtet der Bechliner, der jetzt seine Tiere in Perleberg schlachten lässt.
Zusätzlich bereitet nicht nur die Sorge, genügend Arbeitskräfte zu finden, den Mitgliedern des KBV Bauchschmerzen, sondern auch die stringenten Auflagen des Landkreises bei der Errichtung von Ställen, Güllebehältern und anderen landwirtschaftlichen Bauten. „Wir müssen Standards erfüllen, deren Kosten mit keiner Produktion wieder zu verdienen sind“, kritisiert Sven Deter. Zahlreiche Betriebe hätten deshalb bereits die Tierhaltung aufgegeben. Die Lage sei ernüchternd, zumal die Regelungen europaweit nicht einheitlich seien. „Wir wollen gerne die Auflagen einhalten“, betont Hans–Heinrich Grünhagen, Landwirt aus Wittstock. Aber das sei schwierig, wenn zugleich Produkte im Supermarkt aus dem Nachbarland angeboten werden, in dem nur Regeln, die in Deutschland vor Jahrzehnten galten, einzuhalten sind.
Weniger Rapsanbau
Diese Probleme gibt es nicht nur in der Tierhaltung, sondern auch im Bereich des Ackerbaus. So verzichten immer mehr Betriebe auf den Anbau von Raps, weil die Keimlinge der Pflanzen von Rüsslern und dem Rapserdfloh gefressen werden. Auch Grünhagen baut seit drei Jahren keinen Raps mehr an. „Sehr zum Leidwesen der Imker.“ Früher habe man den Raps gebeizt, erklärt Hans–Heinrich Grünhagen, indem das Saatgut vor dem Ausbringen gezielt gegen Pilzbefall oder Schädlinge behandelt wurde. Das ist jetzt europaweit verboten. Doch Polen besitze eine Ausnahmegenehmigung, ärgert sich der Wittstocker Landwirt. Als Alternative könne er jetzt sein gesamtes Feld mit Insektiziden behandeln, berichtet Grünhagen. „Das geht nicht gezielt, sondern nur großflächig. Und das widerstrebt meinem Inneren. Ich will den Boden nicht vergiften.“
Verarmung der Fruchträume
Ähnliche Probleme mit Pflanzenschutzmitteln gebe es bei den sogenannten Vermehrungs–Kartoffeln, die an andere Landwirt zum Anbau geliefert werden. Er werde deshalb künftig auf den Anbau verzichten, so Hans–Heinrich Grünhagen. „In Deutschland wird nicht geguckt, welche Lösungen es gibt, sondern es wird nur verboten“, ärgert er sich über die Bundespolitik, die es der Landwirtschaft immer schwerer mache. Zukünftig werde er sich auf die einfachen Früchte konzentrieren. "Mais braucht den allerwenigsten Pflanzenschutz.“ Die Folge seien immer weniger Spezialkulturen und eine Verarmung der Fruchträume.


