Lesung: Tv-Landarzt Walter Plathe plaudert in Wustrau aus seinem Leben

Kleines Interview: Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte sich Walter Plathe (links) den Fragen des Publikums. Festivaldirektor Marten Sand moderierte die kleine Gesprächsrunde, der sich eine Autogrammstunde des Schauspielers anschloss.
Ulrike GawandeDoch Hauptakteur des Abends war der Schauspieler Walter Plathe, der vielen Fernsehzuschauern durch seine Rolle als Landarzt bekannt ist. Dass er jedoch vor allem ein begnadeter Theaterdarsteller ist, der bereits mehrere Auszeichnungen für seine Darbietungen erhalten hat, davon konnten sich die Zuschauer an diesem Abend überzeugen. Rund 130 Stühle waren am Seeufer aufgebaut worden – wegen der Corona-Abstandsregeln nur ein Drittel der sonst üblichen Kapazität. Damit alle Gäste in den Genuss von Walter Plathe kommen konnten, fand die Lesung mit anschließender Talkrunde zweimal an diesem Abend statt.
Lesung aus der Biografie
„Ich habe nichts ausgelassen.“ Mit diesem Titel ist die Biografie des Darstellers, der 1950 in Berlin geboren wurde, überschrieben. Humorvoll las Plathe aus dem ersten Kapitel „Wie ich durch unglückliche Umstände zunächst nicht geboren wurde, ... dann aber mit gehöriger Verspätung und dicht daneben“. Immer wieder tönte Gelächter und Applaus durch den Park des Zietener Schlosses am Ruppiner See, wenn Plathe aus der Zeit vor seiner Entstehung berichtete. Eigentlich sei er schon zwanzig Jahre früher geplant gewesen, als seine Mutter Melitta mit einem Direktor von Siemens verheiratet war, so Plathe. Doch erst in der Hochzeitsnacht sei seiner Mutter aufgefallen, dass ihr Angetrauter sein bestes Stück im Ersten Weltkrieg an einen scharfkantigen Splitter einer Mörsergranate verloren hatte.
Also vergingen noch einige Jahre, in denen Plathes Mutter, die Pianistin war, erst mit Otto Reutter auf Tournee ging, dann einen Kunstpfeifer liebte, der aus Beetz kam, sie jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg verließ und dann endlich seinen Erzeuger traf, der aber verheiratet war. Mit spontan eingebauten Rezitationen von Reutter und dem Berliner Original Zille sowie historischen Anmerkungen ließ Walter Plathe die Geschichte bis zu seiner Entstehung lebendig werden. Sogar eine vermeintliche Ähnlichkeit mit Reutter, den Kurt Tucholsky einst als „schlecht rasiert, mit Stielaugen, der aussieht wie ein Droschkenkutscher“ beschrieben hatte, tat er selbstironisch kund.
Walter Plathe ließ die Zuhörer an seiner Kindheit im Ostberliner Scheunenviertel teilhaben. „Ich bin ein Urberliner mit sächsischem Migartionshintergrund“, scherzte er im Hinblick auf die Leipziger Fritz Weber-Sänger, dessen Chef sein Großvater war. Gelächter im Park in Wustrau.
Nach der Pause beantwortete der Schauspieler nicht nur die Fragen der Zuschauer nach seinem Lieblingsessen – „Eintöppe“, Lieblingslied – Joe Cockers „I´m Sailing“ – und seinem Lieblingsgedicht – Prometheus, sondern ließ es sich auch nicht nehmen, noch ein Kapitel aus seinem Buch zu lesen. Er ließ die Gäste im Park an den Ereignissen rund um seine Jugendweihe teilhaben, die alle erheiterten. Außerdem nagelte Marten Sand Walter Plath fest, im kommenden Jahr zu "Was ihr wollt“ und mit seinem Schweyk-Programm in Wustrau auf der Bühne zu stehen. 2022 wird der ehemalige Landarzt dann die Möglichkeit bekommen, in Wustrau sein Wunschprojekt, einen Balladen-Abend zu präsentieren.
Die kleine Kostprobe, bei der er Teile aus Goethes „Zauberlehrling“, dem „Erlkönig“ und Schillers „Die Bürgschaft“ miteineinander verwob, kam schon einmal sehr gut beim Publikum an und machte Lust auf mehr.