Nachhaltigkeit: Nüsse aus Herzberg statt aus Kalifornien

Werbung für die Region: Dr. Mario Schrumpf (zweiter von rechts) und Heiko Strobel vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land werden am 22. Januar auf der Grünen Woche sein. Mit dabei sind auch Vivian Böllersen (zweite von links), die ihre Herzberger Walnussmeisterei präsentiert, und Jeanette Dietrich, die derzeit ein FÖJ im Naturpark absolviert.
Brian KehnscherperVor gut zwei Jahren hat sich die studierte Ökoagrarmanagerin in Herzberg angesiedelt, mit dem Ziel, den Hof zur Zentrale ihres Unternehmens zu machen. „Wir wollen die Leute dazu animieren, nicht Walnüsse aus Kalifornien bei Aldi zu kaufen, sondern Produkte aus der Region“, so Böllersen. Das Studium brachte sie auf ihre Geschäftsidee. „Ich habe meine Masterarbeit über das Potenzial des Walnussanbaus in Deutschland geschrieben und dachte mir, dass ich das auch praktisch umsetzen möchte.“
Zwei Tonnen Nüsse pro Jahr
Auf einer viereinhalb Hektar großen Plantage in Velten haben sie und ihr Mann vor vier Jahren 200 Walnussbäume gepflanzt. Bevor diese genug Ertrag für die Produktion abwerfen, vergehen nach Vivian Böllersens Schätzung aber noch vier bis fünf Jahre. Bis dahin verarbeitet sie vor allem Nüsse, die sie in den Gärten von Privatleuten sammelt. „Wir haben da schon ein richtiges Netzwerk aufgebaut. Außerdem haben wir zwei Partnerbetriebe in Brandenburg und Sachsen-Anhalt“, sagt sie. Etwa zwei Tonnen Nüsse werden pro Jahr auf ihrem Hof verarbeitet. Ein Teil der Früchte wird geknackt und als Knabberei verkauft. Das Knacken muss derzeit noch von einem Betrieb in Süddeutschland erledigt werden. Um die langen Lieferwege zu vermeiden, möchte Vivian Böllersen jedoch eine eigene Knackanlage auf ihrem Grundstück installieren. Dazu soll ein Raum im Hofladen, der in einer alten Schmiede auf dem Hof eingerichtet ist, umgerüstet werden.
Auf ihrem Hof werden die Nüsse gewaschen und getrocknet. In kleinem Stil werden die Früchte dann verarbeitet, etwa mit Honig glasiert oder scharf mit Paprika. Es werden auch Liköre aus grünen Nüssen hergestellt. In der Ölmühle Katerbow lässt Böllersen aus ihren Produkten Nussöl herstellen. Bei einem anderen Partner wird das Naturprodukt zu Walnuss-Senf verarbeitet. Außerdem betreibt die Landwirtin auf dem Grundstück eine Baumschule. Bis zu 30 verschiedene Walnussarten werden dort veredelt. Rund 15 Sorten werden für den Anbau an Kunden verkauft. Die Veredelung der Walnussbäume sei sehr aufwendig. Es brauche einige Zeit, bis Sorten erfolgreich kopiert werden können.
Zulieferer für Sternerestaurant
Ein weiteres Standbein ist der Hofverkauf. Im Winter sind die Böllersens außerdem viel auf Weihnachtsmärkten präsent. Darüber hinaus beliefert der Herzberger Hof auch größere Abnehmer. Einer der Kunden ist das Restaurant „Nobelhart & Schmutzig“ in Berlin Kreuzberg, dessen Küche ausschließlich mit regionalen Produkten arbeitet und das mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet ist.
Am Mittwoch, 22. Januar, wird sich die Walnussmeisterei am Stand des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land in der Brandenburghalle bei der Grünen Woche präsentieren. „Wir bemühen uns darum, dass Betriebe aus Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel an unserem Stand gleichmäßig vertreten sind“, so Naturparkleiter Dr. Mario Schrumpf. Zudem wird sich das Naturparkhaus Menz als Besuchercenter des Naturparks präsentieren. „Berlin ist unser Hauptquellenmarkt. Die meisten Besucher kommen aus von dort“, so Schrumpf.
Info-Kasten
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel