Neujahrskonzert
: Klassik zum Neujahrsauftakt

Sehr viel Applaus für Orchester und Koloratursopranistin gibt es bei beiden ausverkauften  Vorstellungen mit dem Brandenburgischen Staatsorchester.
Von
Holger Rudolph
Neuruppin
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Applaus: Das Publikum feierte das Orchester mit stehenden Ovationen.

Eckhard Handke

Die hohen Erwartungen des Publikums an das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt wurden nicht enttäuscht. Wieder einmal boten der in Kerzlin lebende Dirigent Takao Ukigaya und das Ensemble eine exzellente Umsetzung der auf dem Programm stehenden Klassiker.

Wien und Berlin waren in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die zu Gehör gebrachten Werke entstanden, kulturelle Hochburgen. In Wien und für Wiener Spielstätten hinterließen Johann Strauss (Sohn), Franz Lehár und die Brüder Schrammel, Einzigartiges. Schrammel-Musik entwickelte sich später sogar zur eigenen Gattung. Für den Berliner Part stand beim Neujahrskonzert vor allem Paul Lincke mit wunderbaren musikalischen Ohrwürmern.

Ständchen zum Geburtstag

Nach der Fledermaus-Ouvertüre und der Tik-Tak-Polka von Strauss sang Koloratursopranistin Amelie Petrich das bekannte „Happy Birthday to You“. Es stand nicht auf dem Programmzettel und lässt sich auch nicht den Wiener oder Berliner Komponisten zuordnen. Zwei Kindergärtnerinnen aus Kentucky,  Mildred J. Hill und ihre Schwester Patty Smith, hatten es 1893 geschaffen und zuerst als Begrüßungslied im Kindergarten eingesetzt. Am Sonnabend galten die Geburtstagswünsche samt Blumengruß Takao Ukigaya, der an diesem Tag 67 Jahre alt wurde. Das Publikum applaudierte stark. Das größte Geschenk dürften für Ukigaya, der auch Musikvereinsvorsitzender ist, wohl die beiden ausverkauften Aufführungen gewesen sein.

Ihr großes Können erneut beweisen konnte Petrich gleich im Anschluss bei Lehárs Vilja-Lied aus „Die lustige Witwe“. Selbst die höchsten Passagen sang die junge Interpretin glasklar und gleichermaßen stimmungsvoll. Seit Sommer 2018 ist die gebürtige Hagenerin fest im Ensemble des Theaters Nordhausen engagiert, wo sie bereits als Gretel in „Hänsel und Gretel“ und Adele in „Die Fledermaus“ überzeugte. Demnächst wird sie unter anderem Pamina in „Die Zauberflöte“ und Valencienne in „Die lustige Witwe“ verkörpern.

Frühlingswalzer zur Halbzeit

Nach Lehárs „Ballsirenen-Walzer“ folgte mit „Wien bleibt Wien“ ein von Johann Schrammel komponierter, sehr bekannter Marsch, bei dem das Publikum kräftig und begeistert im Takt mitklatschte – wohl in der Hoffnung, dass die gute Stimmung und der Schwung das gesamte Jahr 2020 bestimmen mögen. Der Frühlingsstimmenwalzer von Strauss beendete den ersten Teil des Konzerts.

Nach der Pause gab es nach Rezniceks Ouvertüre zu „Donna Diana“ und Lehárs „Luxemburg-Walzer“ sowie Richard Eilenbergs Polka „Von Wien bis Berlin“ schließlich Paul Lincke. Von ihm, dem „Vater der Berliner Operette“, erklang nach der „Lysistrata“-Ouvertüre das romantische „Schlösser, die im Monde liegen“ aus Frau Luna. Einmal mehr applaudierte das Publikum langanhaltend für Dirigent, Orchester und Solistin. Zum stimmungsvollen Abschluss eignete sich Eilenbergs „Petersburger Schlittenfahrt“ hervorragend. Das Publikum spendete nochmals sehr viel Beifall.

Im Verlauf des Jahres wird es im Rahmen der Klassik-Konzertreihe des Musikvereins noch sechs weitere Aufführungen geben. Bereits am 2. Februar wird um 17 Uhr im Sparkassen-Hauptgebäude am Fontanedenkmal das „Genius Quartett“ zu erleben sein. Ein Neuruppiner Live-Wiederhören mit dem Staatsorchester steht am Palmsonntag, 5. April, um 17 Uhr beim Sinfoniekonzert in der Kulturkirche an. Eine Woche vor Ostern werden Kompositionen Ludwig van Beethovens zu Gehör gebracht.

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