Die Veranstaltung war ein voller Erfolg für alle Teilnehmer und es gab jede Menge zu entdecken. Somit ist die Open Air Saison für den Hangar 312 eröffnet.

Halber Liter auf einen Kilometer

Fast ein wenig versteckt hinter einem Hangar stand ein wahres rollendes Monster: ein Tatra 813. Das einstige Armee-Fahrzeug steht auf vier Achsen und bringt stattliche 16 Tonnen auf die Waage. "Und es hat 100 Tonnen Anhängelast", sagt Kevin Hoffmann so ganz nebenbei. Die Daten des Lasters, der mit seinem Allrad-Antrieb auch 45 Prozent Steigung zu meistern mag sind gewaltig: 19 Liter Hubraum bei 260 PS sorgen für Kraft.
Sein grünes Gewissen muss man beim Anblick von diesem und auch anderen Oldies vergessen. Denn, wenn Hoffmann auf das Gaspedal tritt, bläst es eine schwarze Wolke aus dem Auspuff. Auf einen Kilometer braucht das Schlachtross einen halben Liter Diesel. "Das ist noch gar nichts. Unser Panzer braucht einen ganzen Liter", so Hoffmann. Der 26-jährige Kfz-Meister aus Zehdenick begeistert sich seit seiner Kindheit für solche Fahrzeuge. "Es gibt Fotos, da bin ich drei Jahre alt und mit meinem Vater auf dem Tatra", erzählt er.

Der Tatra als Jugendliebe

Seit er 16 Jahre alt war, wollte er den Tatra haben. Der gehörte ursprünglich einem NVA-Freund seines Vaters, der den Riesenlaster während der Wende "privatisierte". Als der ihn nicht mehr haben wollte, konnte Hoffmann zuschlagen. "Dafür habe ich drei Ural-Lkw verkauft", verrät er. Die einfache und martialische Technik sei es, die ihn fasziniere. Mit einem Freund habe er deshalb die "Ostblockschmiede" gegründet, in der Ost-Oldtimer restauriert werden. "Da gibt es eine unglaubliche Nachfrage", so der 26-Jährige, der auch in einer Markenwerkstatt arbeitet, in der aktuelle Modelle auf der Hebebühne stehen. 
"Aus beruflichen Gründen muss ich mit damit beschäftigen. Mit den neuen Autos oder E-Fahrzeugen kann ich aber sonst nicht viel anfangen", sagt Hoffmann. Verheiratet ist er nicht. Wenn es soweit kommt, muss sich seine Liebste aber darauf einstellen, dass die Hochzeitsfahrt zum Standesamt mit dem Tatra über die die Bühne geht.

Der Saborosch ist der ganze Stolz

Jörg Appels Saborosch wirkt gegen den Tatra wie Spielzeug. "Das ist mein allererstes Auto. Den haben ich 1975 bekommen", sagt der 60-Jährige stolz. Moment? Mit 15 Jahren? "Ich bin drei Jahre schwarz gefahren, bis ich meinen Führerschein hatte", gibt er zu. 12 000 DDR-Mark musste er als Teenager dafür hinblättern. Die habe er sich in der Feierabend-Brigade dazuverdient und dann das Auto aus dem Genex-Katalog über Westkontakte bestellt. Nach der Wende mottete Appel seinen Saborosch erst einmal in der Scheune ein. "Die wollten damals 800 Mark Steuern pro Jahr. Vorher hat der 300 DDR-Mark inklusive Versicherung gekostet", sagt er. Irgendwann hat er ihn aber wieder ausgepackt und startklar gemacht – mit Saison-Kennzeichen. So ist er mit seinem ersten Auto, das mittlerweile den zweiten Motor und insgesamt 231 000 Kilometer auf der Uhr hat, von Putlitz bis nach München, Österreich und durch die Slowakei gefahren. Wie Hoffmann schwört auch er auf die alte unverwüstliche Technik, die man selbst reparieren könne.
Zum Abschluss des Fahrzeugtreffens gab es am Abend noch Ostrock von der Band "Seelenschiffe" auf die Ohren. Mehr als 200 Besuchen schwelgten bei den Klassikern von Karat in Erinnerungen. So auch die Karat-Fans Anke und Marko Saar aus Zehdenick. "Wir sind das erste Mal hier am Hangar und finden es ganz toll. Endlich können wir mal wieder ein Konzert besuchen", freute sich Anke Saar. Natürlich fehlten die Hits "Schwanenkönig", "Blume aus Eis" und "Albatros" nicht. Aber erst ganz zum Schluss spielte die Band den Klassiker "Über sieben Brücken" – da schwenkten die Ostrockfans auch die Arme in der Luft.