Porträt
: Zwei Frauen bringen frischen Wind ins Stadtparlament

Cornelia Böhme und Jenny Salzwedel sind zwei der Neulinge in der Neuruppiner Stadtverordnetenversammlung.
Von
Judith Melzer-Voigt
Neuruppin
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Jenny Salzwedel (links) und Cornelia Böhme sind neu für die Linke in der Stadtverordnetenversammlung.

Judith Melzer-Voigt

Jenny Salzwedel ist eines der jüngsten Mitglieder in der Neuruppiner Stadtverordnetenversammlung. Die 23-Jährige lebt mit „Traum-Mann und Traum-Sohn“ in der Stadt. Vor rund fünf Jahren trat sie der Linken bei. Es war ein Prozess, der sie dahin geführt hat. „Ich war immer schon links“, erinnert sich die gelernte Heilerziehungspflegerin, die ursprünglich aus Wittstock stammt. Mit sozialen Themen habe sie sich schon immer gern und viel beschäftigt. „Ich wollte mitwirken“, sagt Jenny Salzwedel. Immer mal wieder habe es längere Gespräche mit dem befreundeten Paul Schmudlach gegeben, der schon seit Jahren Linken-Mitglied ist. „Irgendwann meinte er: ,Wenn du so engagiert bist, tritt doch bei‘.“ Das tat sie dann auch. Eine andere Partei als die Linke sei ihr dabei nie in den Sinn gekommen, sagt die 23-Jährige. „Ich bin eben links.“

Cornelia Böhme ist in Wittenberg geboren und in Neuruppin aufgewachsen. Ihr Sohnhat gerade sein Abi gemacht und wird nun in die Welt hinausgehen. Eigentlich hätte die 48-Jährige dennoch mehr als genug zu tun: Sie ist gelernte Kindergärtnerin, hat in diesem Bereich lange im In- und Ausland gearbeitet. Ein Jahr lang hat Böhme das Mehrgenerationenhaus Krümelkiste geleitet. Den Posten hatte sie von ihrer Mutter Rosemarie übernommen. Als es bei privaten Treffen irgendwann zu oftum den Job ging, hörte Cornelia Böhme dort auf. Sie gründete ein eigenes Unternehmen, unterrichtet an der Agus/Gadat Beruflichen Schule, leitete zwischendurch ein Projekt des Vereins Esta Ruppin, bringtMigranten Deutsch als Fremdsprache bei, bildet Kita-Personal fortund vieles anderes mehr. „Und jetzt auch noch Politik“, sagt sie und lacht. „Aber wenn man so viel in solchen Bereichen tätig ist, sieht man, wo es knirscht. Dann muss man schauen, wie man mitmischen kann."Nach der letzten Bundestagswahl 2017 wurde dieser Gedanke immer konkreter. Also trat Cornelia Böhme der Linken bei. „Nur meckern: Das ist ja auch nicht zufriedenstellend.“ Ihr Wissen und ihre Erfahrungen in einem politischen Kontext zu nutzen, sei kein Mehraufwand, nur eine Kanalisation. „Ich werde viele verschiedene Einflüsse und Eindrücke mit einbringen.“

Für Allgemeinheit einsetzen

Jenny Salzwedel und Cornelia Böhme können lange über ihre Beweggründe reden, in die Lokalpolitik zu gehen. Die beiden Frauen trennen viele Jahre, doch beide hatten dieselbe Motivation, sich für die Stadtverordnetenversammlung aufstellen zu lassen. „Ich will mich an richtiger Stelle einsetzen, für die Allgemeinheit“, sagt Jenny Salzwedel. Cornelia Böhme stimmt vorbehaltlos zu.

Als Jenny Salzwedel vor der Wahl ihre Kandidatur bekanntgab, sei ihr durchaus Erstaunen entgegengebracht worden: „Es war für viele überraschend, aber nicht verwunderlich“, erinnert sie sich. Bei Cornelia Böhme sah das etwas anders aus: Ihr Sohn sei gleich begeistert gewesen, die Mutter habe sie unterstützt.

Die beiden neuen Frauen in der Links-Fraktion sind gespannt auf die künftige politische Arbeit. Sie wollen sich besonders gern im sozialen Bereich engagieren, denn da kommen sie her, da schlägt ihr Herz. Der Ausschuss für Schule, Kultur und Soziales wäre das Richtige für sie, sind sie sich sicher. Die Stadtverordnetenversammlung habe zwar nicht die Handhabe, Bildungsprogramm zu schreiben, sagt Cornelia Böhme. Aber das Gremium sei in der Lage, die Rahmenbedingungen beispielsweise in den kommunalen Kitas so zu gestalten, dass die Erzieher an Fortbildungen teilnehmen können, dass sie gesund sind, dass ihre Neugier erhalten bleibt und weiterhin gute Arbeit geleistet werden kann."Im Arbeitszeitkonto muss das alles natürlich entsprechend verankert sein“, so Böhme. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita müsse durch die Stadt gestärkt werden. Das bringt auch ein Plus bei der Bildung der Kinder, ist die Neuruppinerin überzeugt.

Solidarisch nach innen, innerhalb der Fraktion, aber auch und vor allem nach außen:Das wollen die beiden neuen Frauen in der Neuruppiner Stadtverordnetenversammlung sein. Wer Redebedarf hat, kann sie ansprechen, gern auch auf der Straße. „Die Leute dürfen mit uns am Ball bleiben in den nächsten fünf Jahren“, sagt Jenny Salzwedel. „Seid neugierig, seid gespannt, seid kritisch und fordert uns heraus“, ruft Cornelia Böhme die Neuruppiner auf. Sie und ihre Fraktionskollegen werden dafür ein offenes Ohr haben.

Start für neueStadtverordnete

Die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung (SVV) trifft sich erstmals in der kommenden Woche. Die konstituierende Sitzung beginnt am Donnerstag, 20. Juni, um 18.30 Uhr im Saal des Neuruppiner Rathauses an der Karl-Liebknecht-Straße. Dort stellen sich die einzelnen Fraktionen und deren Mitglieder vor, wählen einen Vorsitzenden der Versammlung sowie einen Stellvertreter und bestimmen, wer künftig im Hauptausschuss sitzen wird. Auch über die Geschäftsordnung der neuen SVV wird in der Versammlung abgestimmt. Die nächste reguläre Sitzung gibt es am 5. August.⇥zig